Das Da Theater spielt „Delikatessen” für Gehörlose

Von: Anke Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
dasdabild
„Delikatessen”: Das „Das Da Theater” inszeniert eine Vorstellung für Gehörlose. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ruhig ist es im Vorraum des Das Da Theaters, kein Stimmengewirr, obwohl doch rund 60 Gäste auf den Einlass warten. „Delikatessen” (Premierenbericht am 8. Januar) von Erik van Dijke steht auf dem Programm, viele Male ist es schon gelaufen, doch an diesem Abend gibt es wieder eine Premiere.

„Wir spielen das erste Mal für Gehörlose”, erklärt Theaterleiter Tom Hirtz. Zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen hat er engagiert, um den drei Schauspielern in jeder Phase ihres Tuns eine Übersetzerin zur Seite zu stellen.

Koch-Geschichte des Lebens

Die drei, das sind Chefkoch Robert (Jens Eisenbeiser), seine Frau Sophie (Karen Lauenstein) und ihr Sohn Jean-Anthèlme (Mike Kühne). Es ist die „Koch-Geschichte” ihres Lebens, die Robert weitgehend monologisch erzählt, changierend zwischen deftig-derben Erlebnissen und zarten Empfindungen, die das Leben zwischen Küche und Gaststube so mit sich bringt.

Seine Frau Sophie macht dabei eine traurig-geheimnisvolle Figur und der gemeinsame Sohn, Jean-Anthèlme erscheint manisch-düster, findet keine eigenen Worte, sondern zitiert fortwährend Passagen aus den Schriften seines Namensgebers, Jean-Anthèlme Brillant-Savarin, Philosoph und Restaurantkritiker aus dem 18. Jahrhundert. Alle drei verbindet ein düsteres Geheimnis, dem die Zuschauer nach und nach auf die Spur kommen, bis sie selbst Teil des Geschehens werden.

Bei „Delikatessen” nehmen die Gäste Platz an einer festlich eingedeckten Tafel. Bei Kerzenschein begrüßt Chefkoch Robert die Zuschauer. „Herzlich willkommen” sagt er. Neben ihm steht Dolmetscherin Daniela Raabe-Dresen. Sie breitet die Arme aus, zeigt mit den Handflächen nach oben und lächelt. Es geht ums Essen, sie führt zwei Finger zum Mund, sie lässt die Finger an der Schläfe kreisen und bezeichnet damit eine Vorstellung oder Phantasie. Einige Gebärden sind auch in der Welt der Sprechenden bekannt.

„Delikatessen” läuft gut an, der Wein ist ausgeschenkt, es gibt Brot und Butter. Während Robert auf und ab spazierend seine Küchenphilosophien von sich gibt, nehmen Raabe-Dresen und ihre Kollegin Monika Walenski ihren Platz am Ende der Tafel ein. Nur manchmal heften sie sich wie Schatten an die Schauspieler. „Wir mussten sicherstellen, dass uns alle Zuschauer immer sehen können”, erklärt Walenski, die für die Synchronisation von Sophie und Jean-Anthèlme zuständig ist.

Sein Name taucht übrigens in der Gebärdensprache nicht auf, statt dessen fährt sich die Dolmetscherin mit der Hand über eine Gesichtshälfte. „Namen sind in der Gebärdensprache nicht so wichtig, wir beschreiben Besonderheiten der Menschen”, erklärt sie. Das wird klar beim Anblick von Jean-Anthèlme: Sein Gesicht verschwindet zur Hälfte hinter einer schwarzen Haarmähne.

Nach über anderthalb Stunden ist die Vorstellung vorbei, sie dauert üblicherweise nur rund 75 Minuten. Das hängt mit der Gesprächsdisziplin zusammen, die an diesem Abend gefordert ist: „Man spricht natürlich langsamer und wartet immer bis die Dolmetscherin fertig ist, bevor es weiter geht”, erklärt Jens Eisenbeiser.

Das honorierten auch die Zuschauer aus dem Gehörlosenzentrum in der Talbot Straße, „ihnen hat das Stück sehr gut gefallen, sie konnten alles gut verstehen und fanden es sehr interessant und schön”, sagt Raabe-Dreesen nach der Vorstellung. Für Hirtz ist das eine Bestätigung seiner Idee: „Es kann ja nicht sein, dass wir eine bestimmte Gruppe von unseren kulturellen Angeboten immer ausschließen”. Im letzten Jahr gab es vom Das Da Theater schon zwei Mal Kindertheater für Gehörlose in der David-Hirsch-Schule in Laurensberg.. „Das war eine so tolle Erfahrung, dass wir uns jetzt an die Erwachsenenproduktion heran gewagt haben”, so Hirtz. Die Dolmetscherinnen hatten dabei Unterstützung vom Das Da-Team, wurden mit Videos und Texten versorgt und gestalteten gemeinsam eine Probe.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert