Aachen - Das Da Theater: „Angerichtet“ auf schräger Bühne

Das Da Theater: „Angerichtet“ auf schräger Bühne

Von: Lee Beck
Letzte Aktualisierung:
6876956.jpg
Bloß nicht abrutschen: Mit einem originellen Bühnenbild verdeutlicht das Das Da Theater die Situation zweier Familien.

Aachen. Sie sind in eine Schieflage geraten, im wahrsten Sinne des Wortes: Die Familien von Serge Lohmann, Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, und von seinem Bruder Paul sind mit einem dramatischen Gewaltausbruch ihrer Söhne im Jugendalter, der im Totschlag endet, konfrontiert. Um die verzwickte Situation der Familien zu verdeutlichen, präsentiert sich die Handlung auf einer schiefen Bühne.

Ein Winkel von fast 20 Grad droht sie jeden Moment abrutschen zu lassen. Es ist der erste Gang des Stücks „Angerichtet“, nach Herman Kochs gleichnamigen Bestseller, das am Donnerstag, 16. Januar, im Das Da Theater Premiere feiert. Vorab gab es schon einen kleinen, 30-minütigen Vorgeschmack.

Serge Lohmann, gespielt von Mike Kühne, seine Frau Babette (Michelle Bray) und sein Bruder Paul, dargestellt von Jo Schmitt, mit seiner Frau Claire (Rebecca Selle) treffen sich in einem Sternerestaurant. Dort gibt es Selbstbetrug als Hauptgericht und häppchenweise Drama zwischen den Gängen. Schon nach der Vorspeise des feinen Dinners eskaliert die Situation ein erstes Mal. Immer wieder schwimmen die Ehepaare in Diskussionen über politische Korrektheit, während der eine untergeht, hält der andere sich mit Mühe über Wasser. „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich“, zitiert Paul den ersten Satz aus Leo Tolstois Anna Karenina. Immer wieder ist die Handlung von seinen erzählerischen Einschüben unterbrochen. Seine Gedanken kreisen um die Fragen, was er als Vater für Fehler gemacht hat und was in der Erziehung von Michele falsch gelaufen ist.

„Es ist ein Kampf der Familien gegeneinander, bei dem Versuch, die grausame Tat der Kinder zu vertuschen“, sagt Regisseur Achim Bieler. Er ist neu im Das Da-Team und somit ist „Angerichtet“ auch seine erste Inszenierung. Bieler selbst, Jahrgang 1976, kommt aus Bayreuth. „Ich habe mich sofort hier in Aachen wohlgefühlt und gedacht, Mensch ist das Klasse“, sagt er über seine Arbeit am Das Da Theater.

Das Stück handelt von gesellschaftlichen Moralvorstellung der oberen Mittelschicht und von Liebe, Gewalt und Verrat. Offen gesprochen wird zwischen den Familien nicht, und das Schweigen entlädt sich langsam in Gewalt. Bieler setzt dabei auf Multimedia und Videoinstallationen. „Ich habe viel mit Gesichtern, Mimik und Körperteilen gearbeitet, die von zärtlichen Berührungen übergehen in Gewalt und Demaskierung“.

Die Schieflage der Bühne ist eine besondere Herausforderung. „Dieser geometrisch spezielle Raum muss immer wieder neu erfunden werden“, sagt Bühnen- und Kostümbildner Frank Rommerskirchen. Ihn zu bespielen war anfangs nicht leicht. „Wir haben Spezialsohlen unter den Schuhen, und man fällt ein Mal, dann geht das“, sagt Schauspieler Philip Butz, der in der Rolle des Maître besonders viel auf der schiefen Ebene unterwegs ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert