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Das Capitol soll im alten Glanz erstrahlen

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:
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Architektonisches Schätzchen: Das Capitol soll bald im alten 50er-Jahre-Glanz erstrahlen. Im Kinosaal sind eine Bar, italienische Sessel und Nierentische geplant. Auch die Außenfassade (kleines Foto)mit rotem Klinker und kleinen Mosaiksteinen ist eine Herausforderung. Foto: Michael Jaspers
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Ein Bild aus der jüngsten Vergangenheit: Am Freitag soll die historische Fassade des Capitol-Kinos am Seilgraben wieder von den Gerüsten befreit sein.
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Bauleiter Daniel Gilles (l.) und Leo Stürtz, Inhaber des Alsdorfer Cinetower und des Cineplex in Aachen, wollen den Reiz des alten Capitols erhalten und gleichzeitig eine neue Form des Kinos entstehen lassen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Freitag soll die historische Fassade des Capitol-Kinos am Seilgraben wieder von den Gerüsten befreit sein. Das architektonische Schätzchen gibt eine Art Trailer für das Hauptprogramm aufwändigster Restaurierungsarbeiten dahinter ab.

Leo Stürtz, Inhaber des Alsdorfer Cinetowers und des Cineplex in Aachen, lässt das Kino aus den 1950er-Jahren in seinem alten Glanz erstrahlen und fügt seiner Filmtheater-Familie ein Schmuckstück hinzu. Mit mutiger Vision und ganz persönlicher Motivation. Eröffnung will er Ende Januar oder im Februar 2015 feiern. Umgeben von seinen vertrauten und erfahrenen Handwerkern und Technikern, führt Leo Stürtz durch das alte Kino, das bei seiner Eröffnung im Jahre 1958 als das schönste der Stadt bezeichnet wurde.

Bar im Zuschauerraum

Die Zuschauerräume sind ohne Sitze, eine Leinwand hängt noch nicht, doch die Vision, die der Kinomacher aus Tradition und Leidenschaft in die Leere des Filmtheaters wirft, ist anschaulich: Der Reiz des alten Hauses soll konserviert werden, und gleichzeitig entsteht eine neue Form von Kino.

Es gibt eine Bar im Zuschauerraum, italienische Sessel in einem extra den 50ern nachempfundenen Stoff. Dazu gibt es kleine Nierentischen und aus Sidney importierte Lampen drumherum. Aus acht Sitzreihen auf dem Balkon wurden fünf, im Saal gibt es jetzt nur noch drei.

Viel Platz also und viel Zeit vor sowie nach dem Film sollen im Capitol ein besonderes Filmerlebnis bereiten. Wohlgemerkt mit den Filmen, die auch in den anderen Stürtz-Häuser laufen, jedoch in besonderer Erlebnisqualität.

Die darf dann auch etwas mehr kosten, der erfolgreiche Geschäftsmann Stürtz spricht von 14 Euro pro Kinokarte.

Auch wenn die Kinomacher aus Alsdorf früher mit eigenen Tonsystemen und vielleicht bald mit einem ökologischen Kinobetrieb (siehe Kasten) immer wieder als Pioniere auftreten, diese Idee stammt mal nicht von ihnen. Hans-Joachim Flebbe, der schon mit CinemaxX und den Multiplexen das Kinosterben beendete, hat mit der „Astor Filmlounge“ in Berlin, Köln, München und Frankfurt am Main die Blaupause für das „Premium Kino“ geliefert.

Die anderen Baupläne, nämlich die alten, waren für das Capitol in Aachen nicht mehr vorhanden. So wurde die Restaurierung, die in enger und guter Zusammenarbeit, so Leo Stürtz, mit der Stadt Aachen über die Bühne ging, zum archäologischen Abenteuer. Zwei Tage lang hätten die Fachleute an den Wänden, in den Fugen und hinter den Vertäfelungen Farben gekratzt. Mit teilweise überraschenden Erkenntnissen wurden aufwändig Farbproben erstellt und begutachtet.

Weiße Gitterstäbe

Nach einigen weiteren Besprechungen werden nun die Gitterstäbe an der Treppe weiß statt silber. Der Gang zum Kino ist schon Popcorn-Gelb – mehr Popcorn wird es in diesem Kino allerdings nicht geben!

Auch Pappbecher oder Fastfood sollen nicht ins Premium-Kino. Ein zu knalliges Blau zwischen den Holzvertäfelungen im Foyer darf wieder schwarz werden.

Eine besondere Herausforderung stellte die eindrucksvolle Fassade dar, die schon immer den Seilgraben schmückte: Die Mischung aus rotem Klinker und kleinteiligen Mosaik-Steinchen sollte mit dem Originalmaterial ausgebessert werden. Deshalb wurde der Sockelstein erhöht, um so gewonnene Steine im oberen Bereich einsetzen zu können.

Im Saal wird der Stil der Fünfziger mit exklusiven Sitzen samt Nierentischchen und dezenten Akku-Leuchten nachgeahmt. Der Stoff der Sessel ist eine Spezialanfertigung im Stil der Zeit und auch ein Fundstück einer detektivisch arbeitenden Architektin.

Schon bevor es tatsächlich zum Schmuckstück wird, ist das Capitol bereits bei den Umbaukosten „premium“: Während die pro Sitz üblicherweise bei 4000 bis 5000 Euro liegen, kommt das 50er-Juwel auf sagenhafte 11 000 Euro. Was teils der äußerst geräumigen Bestuhlung mit nur 120 Sesseln, aber auch den sehr aufwändigen Restaurierungsmaßnahmen geschuldet ist.

Dass Leo Stürtz sich selbst derart für das Capitol engagiert, hat auch einen sehr persönlichen Grund. Als die Familie Stürtz Ende der 70er in schwieriger Lage entschied, den Kinobetrieb weiterzuführen, musste sie das Traditionshaus Gloria in Alsdorf zur Fremdnutzung abgeben.

Bitterer Verlust

Diesen bitteren Verlust und die Schuld gegenüber dem früh verstorbenen Vater möchte Leo Stürtz mit einem anderen Kino aus der gleichen Epoche wiedergutmachen. Als Erinnerung werden im Gang zum Saal auch einige Original-Lampen und Programme aus dem Alsdorfer Haus hängen.

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