Aachen - Das Capitol schließt zum Jahresende

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Das Capitol schließt zum Jahresende

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:
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Am 29. Dezember fällt der (vorerst) letzte Vorhang im Capitol-Kino. Wie es unter dem neuen Eigentümer Leo Stürtz am Seilgraben weitergeht, ist derzeit noch offen.

Aachen. Nach zehn Jahren heißt es am 29. Dezember „Last Picture Show“ im alten Film-Palast Capitol für die Apollo-Betreiber Hans-Peter Coenen und Walter Render. Noch auf klassischem 35 Millimeter-Film läuft dann zum letzten Mal „Der Hobbit - Smaugs Einöde“, bevor das Haus schließt. Der neue Eigentümer heißt – das ist die zweite große Überraschung – Leo Stürtz.

Zu dessen Kinos gehören in Aachen das Cineplex und das Eden sowie auch alle Säle in Alsdorf. Was auf den ersten Blick wie eine unfreundliche Übernahme wirkt, erweist sich als komplexe Situation, bei der es bei besten Absichten allerseits erst einmal nur Verlierer gibt. Und Kino-Leerstand.

„Zehn Jahre Capitol haben viel Spaß und viel Ärger gemacht“, fasst Hans-Peter Coenen von den Apollo-Kinos am Ponttor diese Phase der eigenen Aachener Kinogeschichte zusammen. „Das Capitol war so ein bisschen ein Hobby von uns, reich sind wir da nicht geworden.“ Sein Partner Walter Render fügt bitter lachend hinzu: „Wir sind die Begleiter des sterbenden Kinos.“ Tatsächlich mussten die Ur-Gesteine des Aachener Programmkinos bereits die Schließung ihres ersten Kinos Movie am Kaiserplatz und des Diana in Burtscheid miterleben.

Das 1958 eröffnete Capitol am Seilgraben ist ein Bau des Aachener Architekten Fritz Eigelshofen und für Coenen nach wie vor das schönste Kino in Aachen. Bei altertümlichem Charme war die Technik längst nicht mehr auf dem neuesten Stand. Leo Stürtz, „Kinomann mit Leidenschaft und Kaufmann“, der das Gebäude mit der unter Denkmalschutz stehenden Fassade übernahm, sieht einen enormen Investitionsstau und braucht jetzt erst mal Zeit für eine Bestandsaufnahme. Die Technik muss auf digitale Projektion umgestellt werden, es gibt kaum noch aktuelle Filme auf „Celluloid“.

Dabei laufen die Förderungen für diesen Schritt durch Filmstiftung NRW und den Bund gerade aus. Capitol „ist ein bisschen Kult, aber das ist dem Aachener zu wenig“, skizziert Stürtz die Situation im Capitol. Teilweise sollen nur noch 1000 Besucher im Monat gekommen sein. Schon einmal drohte die Schließung, nachdem die UFA 2004 auch dieses Haus in Aachen aufgab. Damals übernahmen es aber die einheimischen Programmkino-Macher Coenen/Render und investierten in Ausstattung und Technik. Eigentlich wollten Coenen und Render auch mit dem neuen Eigentümer Stürtz einvernehmlich weiterspielen, nachdem dieser das Gebäude von Hans Kahlen übernommen hatte. Doch dieser Plan scheiterte an den Kosten für einen Leihprojektor.

Jetzt herrscht erst mal Ratlosigkeit. Der erfolgreiche Alsdorfer Kinomann will nichts über die Zukunft oder eine Neueröffnung sagen, obwohl er Visionen hat: Der neue Trend eines edlen Lounge-Kinos mit Liegesitzen, Bedienung und edler Ausstattung habe in Aachen noch nicht Fuß fassen können. So ein Kinobesuch wäre mit dem Musical zu vergleichen und könnte mit hochwertigem Speisenangebot den Restaurantbesuch einschließen.

Stürtz zeigt sich auch offen für die Idee eines Kommunalen Kinos im Capitol, das unter den jetzigen Bedingungen weiterspielen könnte. Gespräche mit dem Kulturbetrieb der Stadt und den entsprechenden Initiativen wie Kaleidoskop wären denkbar. Bis dahin bleiben nur noch wenige Tage, um das Capitol, dieses besondere Monument einer alten Kino-Zeit mit Balkon und dem Ausblick vom Hochfoyer, noch zu erleben. Vielleicht dann tatsächlich zum letzten Mal.

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