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Das Altkleider-Geschäft ist heiß umkämpft

Von: Gerald Eimer
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Lohnendes Geschäft: Mit alten Kleidern und Schuhen lässt sich viel Geld verdienen. Auch deshalb wächst die Zahl der illegal abgestellten Container. Die Stadt sucht nach Wegen, das Problem einzudämmen – oder zumindest auch mitzuverdienen.

Aachen. Die Zeit der Privilegien für gemeinnützige Altkleidersammler in Aachen könnte bald ablaufen. Aktuell erwägt die Verwaltungsspitze, die Stellplatzvergabe für Kleidercontainer künftig europaweit auszuschreiben und neue Konzessionsverträge nur noch mit höchstbietenden Partnern zu schließen.

Örtliche Hilfsorganisationen, unter ihnen das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Aachen als derzeit wichtigster Altkleidersammler im Stadtgebiet, hätten das Nachsehen. Damit würden bewährte Strukturen zerstört, warnen die Sozialverbände.

Für das neue Verfahren sprechen insbesondere rechtliche Gründe, sagt Hans Poth, Pressesprecher der Stadt. Denn im Juli letzten Jahres wurde das Kreislaufwirtschaftsgesetz geändert, mit dem auch die Eigentumsrechte am Müll präzisiert werden sollen. Nicht zuletzt die vielen illegal aufgestellten Kleidercontainer im Stadtgebiet sind Beleg dafür, dass mit ausgedienten Schuhen und abgetragenen Klamotten viel Geld verdient werden kann.

Aktuell hat die Stadt für 98 Container-Standorte eine Sondernutzungserlaubnis erteilt – durchweg an caritative Organisationen, alleine 60 Stellplätze nutzt das DRK Aachen. Die Stadt nimmt dafür laut Poth jährlich insgesamt rund 8000 Euro Gebühren ein. Bei den vielen illegal abgestellten Containern – die genaue Zahl kennt niemand – geht die Stadt hingegen leer aus.

Die gewerblichen Aufsteller seien kaum zu ermitteln, heißt es. Und eine echte Handhabe gegen sie gibt es nicht. Weil der Abtransport der wilden Container rechtlich schwierig, aufwendig und teuer ist, werden bislang nur besonders störende Blechkästen entfernt. Hinzu kommt, dass gewerbliche Sammler offen mit Klagen drohen, falls gemeinnützige Organisationen weiterhin privilegiert würden.

Die bislang praktizierte Bevorzugung der örtlichen Hilfsdienste sei nicht länger zu halten, hieß es am Dienstag übereinstimmend im Verwaltungsvorstand. Die Stadt habe lediglich zwei Möglichkeiten, in der Containerfrage „rechtssicher“ zu handeln, war sich die Runde um Oberbürgermeister Marcel Philipp einig: Entweder stellt sie gar keine öffentlichen Flächen mehr zur Verfügung, oder sie schreibt sie europaweit aus und vergibt sie an den Meistbietenden.

Die Verwaltungsspitze hat sich zunächst einstimmig für die zweite Variante ausgesprochen – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie auf eine deutliche Steigerung der Einnahmen hofft. Bis zu annähernd 100 000 Euro sollen der Stadt bereits für das Aufstellen der Container geboten worden sein. Die Kehrseite: Dies könnte schwerwiegende Folgen für die sozialen Verbände in Aachen und ihre Arbeit haben.

Denn Einrichtungen wie das DRK Aachen, die Wabe, Malteser oder Johanniter Hilfsdienst finanzieren mit dem Verkauf von Alttextilien einen Teil ihrer Leistungen und bestücken damit ihre Kleiderläden für Bedürftige. 24 Cent pro Kilo zahle aktuell ein „seriöser Abnehmer“. Alleine das DRK mache mit den mehr als 500 Tonnen Altkleidern, die im Stadtgebiet eingesammelt werden, einen Umsatz von rund 140.000 Euro. „Davon zahlen wir aber auch noch Mitarbeiter, Fahrzeuge und die Abfallentsorgung“, sagt DRK-Geschäftsführer Peter Timmermanns. „Und wir erbringen eine soziale Leistung.“

Zahlungen, wie sie nun von gewerblichen Sammlern der Stadt in Aussicht gestellt werden, hält er für unseriös – und überhaupt will er nicht glauben, dass es die Stadt mit ihrem neuen Vergabeverfahren ernst meint. Da habe vielleicht jemand „die sehr komplexe Problematik“ noch nicht begriffen, meint Timmermanns. Ein europaweites Vergabeverfahren wäre für die örtlichen Wohlfahrtsverbände „wirtschaftlich eine Katastrophe“, sagt Timmermanns. „Man würde uns eine Einnahmemöglichkeit nehmen und aufgebaute, bewährte Strukturen zerstören“, warnt er. „Womit sollen wir denn noch unsere Kleiderläden bestücken?“

Der Profit käme stattdessen überregional agierenden Unternehmen zugute, die oftmals nur auf dem Papier sozial tätig seien. Viele schwarze Schafe würden sich in der Branche tummeln, die ihr Geld mit Alttextilien vor allem auf osteuropäischen Märkten machen würden.

Und tatsächlich scheint in Sachen Container-Konzession das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. So hat der zuständige Dezernent Lothar Barth inzwischen signalisiert, das Thema nochmals gründlicher aufarbeiten zu wollen. „Wir brauchen noch Zeit“, sagte er am Donnerstag.

So soll nun ein Modell entwickelt werden, wonach die caritativen Einrichtungen weiter im Boot bleiben sollen. Es gebe mehrere Optionen, die noch rechtlich ausgelotet werden müssten. Denkbar sei auch die Gründung einer neuen Gesellschaft oder die Beauftragung der Caritativen. Ein Ende des Container-Wildwuchses ist damit jedoch so oder so nicht absehbar.

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