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Dank Malte Mohr hat auch Aachen jetzt „ne Höhe”

Von: Heribert Förster
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Was ist mir denn da gerade gelungen? Malte Mohr sitzt verdutzt auf der Matte nach seinem spektakulären Satz über 5,90 Meter beim 6. Domspringen auf dem Aachener Katschhof. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. „Endlich habt ihr auch ne Höhe!” Ein eher banaler Satz, der aber ein Dauerlächeln in das Gesicht von Michael Leers zauberte. „Endlich habt ihr auch ne Höhe!” 5,72 Meter, dreimal 5,70 Meter und letztes Jahr die 5,75 Meter von Björn Otto, die Siegerhöhen bei den NetAachen Domspringen konnten sich auch in den letzten Jahren sehen lassen.

Doch es fehlte der Kracher, der Ausreißer, der all die Lobeshymnen, die stets von den Aktiven auf die Veranstalter niederprasseln, sportlich so richtig dick untermauerte. „Das beste Publikum, die beste Location, die beste Organisation”, in den letzten Jahren hörte Michael Leers, der so umtriebige Abteilungsleiter Leichtathletik von Ausrichter Alemannia Aachen, immer wieder diese Worte. Aber es fehlte etwas, es fehlte das Entscheidende - die Höhe.

Bis Mittwochabend, als Malte Mohr den bisherigen Meeting-Rekord Ottos pulverisierte. Und das Lächeln in Leers´ Gesicht zauberte. „Darauf habe ich die ganzen Jahre hingearbeitet”, sagte Lächler Leers als erstes, nachdem Mohr die 5,90 Meter sensationell souverän im ersten Versuch gemeistert hatte. Jetzt hat das Domspringen in Aachen auch sportlich den Status, der der Veranstaltung gebührt.

„Malte hat noch die Form”, hatte sein Trainer Chauncey Johnson schon vor dem ersten Sprung des Deutschen Meisters verkündet und alle Bedenken vom Tisch gewischt, Malte Mohr wäre nach seiner persönlichen Bestleistung von 5,85 am vergangenen Freitag beim Diamond-League-Meeting in Brüssel schon „satt” am Ende eines langen Stabhochsprung-Jahres mit vielen Höhen und Tiefen. Der 24-Jährige war nicht so optimistisch wie sein Trainer, zunächst jedenfalls. „Der Rücken, die Schultern schmerzten, ich habe am Morgen noch geglaubt, dass ich nicht springen kann”, sagte der gebürtige Bochumer, dessen Vater Wolfgang 1975 mit übersprungenen 5,31 Meter der beste deutsche Stabhochspringer war.

Malte, der bis zu seinem 12. Lebensjahr Leistungsschwimmer war, hat dann einmal Stabhochsprung ausprobiert. „Ich habe den Stab angefasst, und mein Vater hat mich irgendwie auf die Matte gezogen”, erzählte er einmal. Und er blieb beim Stabhochsprung, kam über den USC Bochum und den TV Wattenscheid in die Springerhochburg Leverkusen, trainierte mit und lernte von Tim Lobinger, Danny Ecker, Lars Börgeling und all den anderen Stars. Und sein langjähriger Bayer-Trainer Leszek Klima adelte ihn einst: „Malte ist ein Bewegungstalent mit einem sehr guten Gefühl für den Stab.”

Was die 5000 Zuschauer auf dem Katschhof bestaunen konnten. Mohr ist kein Entertainer wie Lobinger, kein Everybody´s Darling wie Ecker. Das Auftreten des 1,92 Meter langen Schlaks, der seit Jahresbeginn in München seine sportliche Heimat gefunden hat, wirkt manchmal gar ein bisschen arrogant. „Ich hake das ab. Ein Favorit fliegt immer raus, so ist das oft”, sagte Mohr nach seinem unerwarteten Aus in der Qualifikation bei den Europameisterschaften vor einigen Wochen. Danach kam zunächst auch nicht mehr richtig in Fahrt. Bis Brüssel, und als er dort die 5,85 Meter, seine nur für fünf Tage gültige neue persönliche Bestleistung aufgestellt hatte,, „hatte ich die Saison schon fast abgehakt”. Doch in Aachen „muss man einfach springen”, findet nicht nur sein Trainer Chauncey Johnson. Und Mohr („beim Aufwärmen habe ich gemerkt, es geht heute doch etwas”) schob sich mit den übersprungenen 5,90 Meter auf Platz 3 der Weltrangliste 2010.

Vor ihm liegen nur Frankreichs Europameister Renaud Lavillenie (5,94) und Australiens Weltmeister und Olympiasieger Steven Hooker (5,91). Mit dem Sprung auf dem Katschhof steht Mohr zudem vor der Tür zum „Sechs-Meter-KlubÓ, einer Höhe, die inklusive Weltrekordler Sergej Bubka (Ukraine/6,14 seit 1994) bisher nur 15 Athleten überwunden haben.

Doch 5,95 Meter sind für Aachen erst einmal genug Höhe, „an dem Rekord könntet ihr noch für lange Zeit was zu knabbern haben”, sagten unisono Richard Spiegelburg und Brad Walker zu Michael Leers. Doch der war erst einmal nur glücklich. Endlich hat auch Aachen ´ne Höhe.
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