Aachen - Daniela Jansen gelingt die große Sensation

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Daniela Jansen gelingt die große Sensation

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Landtagswahl 2012
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Aachen. Der Abend gehörte den Aachener Sozialdemokraten. Erstmals seit 1990 hat die SPD wieder beide Direktmandate geholt, was insbesondere im Wahlkreis II einer mittleren Sensation gleichkommt: Dort hat Daniela Jansen ihren prominenten Gegner Armin Laschet aus dem Stand vom Sockel geholt.

Am Ende das Abends lag die 34-jährige Newcomerin mit 2245 Stimmen vor dem Aachener CDU-Chef, zugleich stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.

Damit hat Jansen in einem vierwöchigen Wahlkampf geschafft, was ihr anfangs nicht mal die eigenen Genossen ernsthaft zugetraut hätten: Laschet, der Ex-Minister, galt als übermächtig. Sie selbst hatte sich dennoch stets siegesgewiss gegeben: „Ich trete nicht an, um ein gutes Ergebnis zu holen. Ich will gewinnen.”

Unter dem minutenlangen Beifall ihrer Parteifreunde konnte sie Sonntagabend im Brüsselsaal des Eurogress Vollzug melden. Und neben ihr ein strahlender Karl Schultheis (59) gleich mit. Eher schon den Erwartungen entsprechend hat der SPD-Parteichef seine Konkurrentin Ulla Thönissen ausgerechnet an ihrem Geburtstag - sie wurde am Sonntag 49 - mit einem Vorsprung von 5043 Stimmen deutlich hinter sich gelassen.

Er neige normalerweise dazu, auf dem Teppich zu bleiben, sagte Schultheis. Am Sonntag aber ließ er den Emotionen dann doch freien Lauf. Er schwärmte von einem großartigen Ergebnis, das auch der Stadt zugute kommen wird. „Wir können viel für Aachen machen”, erklärte er für seine SPD. Allerdings erwarte er künftig auch mehr Offenheit von der schwarz-grünen Ratsmehrheit.

Für Daniela Jansen steht am heutigen Montag zunächst ein Gespräch mit ihrem bisherigen Chef an: Sie muss vor dem Wechsel nach Düsseldorf ihren Job bei der Aachener Agit kündigen. „Ich weiß noch gar nicht richtig, was auf mich zukommt”, sagt die Mutter zweier Kinder, die am Dienstag erstmals an einer Sitzung der Landtagsfraktion teilnehmen wird. Mit Blick auf Aachen sagt sie: „Ich hoffe, dass dieses Ergebnis auch auf die Kommunalpolitik zu übertragen ist.”

Und in der Tat: Nach Stand Sonntag hätte Schwarz-Grün keine Mehrheit mehr in Aachen. Weniger irritiert zeigten sich davon die Grünen, die im Land weiterhin mit Reiner Priggen vertreten sein werden, der wie Armin Laschet den Einzug ins Parlament über die Liste geschafft hat. Für Grünen-Kandidatin Karin Schmitt-Promny reichte es hingegen nicht. Kein Grund zur Trauer: „Ich freue mich riesig, dass wir die Koalition in Düsseldorf fortsetzen und unsere Themen umsetzen können.”

Davon ist die CDU weiter entfernt denn je. „Das Ergebnis ist schlimm, da ist nichts schön zu reden”, sagt die unterlegene Kandidatin Ulla Thönnissen, die für ihre Partei gerade mal 30,8 Prozent der Stimmen holen konnte. CDU-Fraktionschef Harald Baal spricht von einer „Katastrophe”, der vor zwei Jahren knapp gegen Schult­heis unterlegene Landtagskandidat Rolf Einmahl von einem „Desaster”. Klar, Röttgen habe den Wahlkampf verkorkst, sind sie sich einig. Er habe sich nicht deutlich genug zum Land NRW bekannt und Themen falsch gesetzt. „Jetzt müsse sich die CDU auch ein Stück weit neu erfinden”, meint Thönnissen. Man müsse das eigene Profil stärken, sagt sie, vielleicht auch etwas mehr auf Distanz zu den Grünen gehen. Jetzt sei die Chance da, strukturelle Veränderungen voranzubringen. Sie selbst habe jedenfalls viel Zuspruch erhalten und werde sich ganz sicher weiter für die CDU engagieren - auch in der Führungsspitze.

„Wir haben es nicht verstanden, unsere Wähler zu aktivieren”, meint Einmahl. Aus seiner Sicht habe die CDU insbesondere den Mittelstand in den letzten Jahren „sträflich vernachlässigt”. Lokale Themen hätten in diesem Wahlkampf keine Rolle gespielt, betont hingegen Baal. So werde das denkbar miserable Abschneiden für seine Partei auch folgenlos für die Ratsarbeit in Aachen bleiben, glaubt er.

Das sehen einige seit Sonntag anders. Nicht zuletzt die Liberalen, die allen früheren Prognosen zum Trotz den Wiedereinzug schafften und ebenfalls zu den Siegern dieser Wahl gehörten. „Wir sind wieder da”, freut sich Parteichef Alexander Heyn, der das einzig auf den „Lindner-Effekt” zurückführt, zugleich aber auch das Engagement der örtlichen Kandidaten Birgit Haveneth und Wulf Pabst lobt. „Wir hatten keine reelle Chance, aber es hat Spaß gemacht”, sagt Pabst. Am Ende fuhr die Aachener FDP ein Ergebnis ein, das einen Prozentpunkt über dem Landestrend liegt.

Die schwarz-grüne Zusammenarbeit in Aachen werde schwieriger, prognostiziert FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg. Denn ganz offensichtlich gebe es eine CDU-Wählerschaft, der die Öffnung zu den Grünen nicht behage.

Von allen parteitaktischen Ausdeutungen entfernt zeigte sich am Ende des Abends immerhin Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) einigermaßen zufrieden. „Wir hatten in den letzten Jahren mit drei Landtagsabgeordneten aus Aachen keine schlechte Situation, das wird in den nächsten Jahren mit vier Abgeordneten noch besser sein.” Mit Schultheis, Jansen, Laschet und Priggen sei die Stadt „fraktionsübergreifend gut vertreten”, freut sich Philipp. Wichtig sei dies immer dann, wenn es um große Themen wie RWTH-Campus, Alemannia oder Campusbahn gehe. Als Wahlleiter wahrte er Sonntag strikte Neutralität, als CDU-Mitglied sprach aber auch er am Ende von einem „Tiefschlag”, den er so nicht erwartet habe. Ob sein Parteifreund Laschet nicht doch der bessere Wahlkämpfer gegen die SPD-Überfrau Hannelore Kraft gewesen wäre? „Er hat jedenfalls das Talent, in entscheidenden Momenten den richtigen Ton zu treffen”, meint Philipp, „bei Röttgen war das nicht so.”
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