Dagmar Wirtz will mit viel Kreativität der Krise trotzen

Von: Achim Kaiser
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Wirtschaftskrise erfolgreich gemeistert: Bei schönem Wetter steigt Unternehmerin Dagmar Wirtz gerne auch mal in ihre Isetta 300 aus dem Jahr 1958. Foto: Harald Krömer

Aachen. In Zeiten leer gefegter Auftragsbücher bedienen sich Unternehmer meist eines Allheilmittels: Personalabbau. Dass ausgerechnet eine Frau an einer Firmenspitze keinen Gedanken an Entlassungen verschwendete und mit viel Kreativität und langem Atem eine gefährliche wirtschaftliche Talfahrt bravourös meisterte, mag Zufall sein. Es ist aber ein Beispiel für die besonderen Führungsqualitäten einer klugen Frau.

Genauer gesagt einer Chefin, die sich noch mit dem Familienunternehmen, den Mitarbeitern und ihrer Arbeit identifiziert.

2006 wurde Dagmar Wirtz von der Gründerregion Aachen mit dem „Vision-Unternehmerinnenpreis” ausgezeichnet. Ihre mittlerweile in Laurensberg ansässige Maschinenbaufirma „3win” florierte. „Auch 2008 war ein Bombenjahr für uns”, sagt die 40-jährige allein erziehende Mutter.

Im Januar dieses Jahres folgte eine Hiobsbotschaft der anderen: „80 Prozent der Aufträge sind uns als Folge der Wirtschaftskrise weggebrochen”, blickt die Laurensbergerin ohne Zorn zurück.

Ihr Vater Franz Schiffgens, ein alter Unternehmer von echtem Schrot und Korn, hatte ihr mit auf den Weg gegeben, dass sie sich eine stille Reserve in der Rückhand halten sollte: „Er hat gesagt, du musst in der Lage sein, mit der Belegschaft auch mal ein schlechtes halbes Jahr zu überstehen.”

Und so trommelte Dagmar Wirtz ihre Mitarbeiter zusammen und fragte in die Runde: „Was könnt ihr denn noch so alles außer Maschinenteile herzustellen?” Der eine konnte gut streichen, der andere fliesen, der dritte kannte sich mit Elektrik aus. „Wir haben dann unsere Firma ausgebaut und renoviert. Ich hatte halbtags Baustiefel an und bin die übrige Zeit auf Kundensuche gegangen”, erinnert sich die erfolgreiche Unternehmerin an fünf Krisenmonate, die es in sich hatten.

Ab Mai ging es dann wieder aufwärts, die Auftragsbücher füllten sich allmählich. Mittlerweile sind Wirtz und Co. wieder auf Erfolgskurs. Die leidenschaftliche Netzwerkerin hat neue Märkte erschlossen und gesteht: „Wir sind noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen.”

Dabei macht die frühere Leistungsturnerin auch keinen Hehl daraus, dass sie keine „Frau vom Fach”, sprich Maschinenbauexpertin, ist: „Ich bin die Organisatorin, die Managerin, und ich habe eine kompetente vierköpfige Führungsmannschaft, auf die ich mich verlassen kann.”

Dabei wurde dem Einzelkind der Maschinenbau sozusagen in die Wiege gelegt, denn ihr Vater führte eine Maschinenfabrik. „Ich wollte aber etwas Sauberes machen ohne Maschinenöl”, erzählt die gelernte Kosmetikerin und eröffnete eine Parfümerie. Nach sechs guten Jahren verkaufte sie aber ihr Geschäft, weil sie sich intensiver um ihre Tochter Maxi kümmern wollte. Ihre ausschließliche Konzentration auf die Mutterrolle währte aber nur kurz.

Mit der Unterstützung ihres Vaters und dreier Maschinenbau-Meister aus dessen früherer Firma entwickelte sie eine neue Geschäftsidee und schaffte den Weg vom konventionellen Maschinenbau in den Dienstleistungssektor.

„Ich hatte unheimliches Glück, in diese Familie hineingeboren zu sein. Deshalb bin ich auch sehr dankbar”, sagt die bodenständige Unternehmerin.

Jüngst hat sie wieder „zwei tolle Aufträge” an Land gezogen, sehr zur Freude der mittlerweile 40 Beschäftigten. Die sind in diesem Jahr samt Chefin noch enger zusammengerückt.
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