Aachen - Cyber-Mobbing: Hinterlistige Attacken aus dem Internet

Cyber-Mobbing: Hinterlistige Attacken aus dem Internet

Von: Margot Gasper
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Nur wer „on“ ist, gehört dazu. Für die meisten Jugendlichen ist ein Leben ohne Smartphone gar nicht denkbar. Der Gefahren aus dem Netz sind sich viele nicht bewusst. Foto: Stock/epd

Aachen. Die Angriffe sind hinterhältig und gemein. Und sie kommen aus der Anonymität des Netzes. Cyber-Mobbing, das Beleidigen und Verleumden übers Internet und mit Hilfe von sozialen Netzwerken und mobilen Kurznachrichten-Diensten wie Whats­App, hat dem großen Thema Mobbing eine neue Dimension verpasst. Auch Schulen müssen sich dem stellen.

Wenn nicht gerade Ferien sind, ist Kriminalhauptkommissar Peter Arz derzeit jeden Tag in Klassenzimmern in Stadt und Städteregion zu Gast. „Die Schulen rennen mir die Tür ein“, berichtet er. „Ich bin bis Oktober ausgebucht. Das hat’s noch nie gegeben.“ Im Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz der Aachener Polizei, Abteilung Kinder- und Jugendschutz, kümmert er sich um die Gefahren, die das Internet mit sich bringt.

Eine der Schulen, mit denen Arz zusammenarbeitet, ist die vierte Gesamtschule in Aachen. Sie hat ihre Präventionsarbeit zu Gewalt und Kriminalität mittlerweile um eine eigene Aufklärungskampagne über Cyber-Mobbing erweitert. „Wir erleben Mobbing und Cyber-Mobbing im Schulalltag“, sagt Schul­sozialarbeiterin Eveline Haar. „Wir müssen da verstärkt was tun.“

Zum Paket gehört zum Beispiel eine Infoveranstaltung für Eltern und eine Fortbildung fürs Kollegium. Vor allem aber sollen die Schülerinnen und Schüler sensibilisiert werden. Deshalb gibt es im Laufe ihrer Schulzeit immer wieder Module zu diesem Thema, jetzt im Mai zum Beispiel für alle Fünft- und Sechstklässler. Da ist auch das Know-how von Peter Arz sehr gefragt.

Cyber-Mobbing habe eine ganz besondere, üble Qualität, sagt Eveline Haar. „Bei Mobbing-Attacken aus dem Netz gibt es keinen Schutzraum für das Kind.“ Schließlich sind heute schon viele Viertklässler mit Smartphones ausgestattet. Und wer Tag und Nacht per Handy erreichbar ist, kann auch rund um die Uhr angegriffen werden.

Auf dem Schulhof

Bei Mobbing auf dem Schulhof ist klar, wer die Rüpel sind. In der Anonymität des Internets ist dagegen nicht leicht auszumachen, wer zu den Tätern gehört. Peter Arz berichtet von Fällen, in denen die Opfer die besten Freunde im Verdacht hatten. „Das war für die besonders schlimm.“ Attacken übers Internet seien massiv und schnell zu verbreiten und im Prinzip ewig verfügbar, warnt er.

Und man kann so schnell zum Opfer werden. Eveline Haar zählt nur einige Beispiele auf. Ein Mädchen schickt ihrem Freund Bikini-Fotos von sich, eigentlich ziemlich harmlos. „Dann ist Schluss mit der Liebe. Und der Ex-Freund versendet die Bilder im Netz, versehen mit gemeinen Kommentaren.“

Noch einen Tacken hinterhältiger: Pornofotos aus dem Netz werden mit dem Kopf des Opfers versehen und im Internet verbreitet. Oder Bilder von Geschlechtsorganen werden mit dem Namen des Mobbing-Opfers versehen. „Technisch ist das keine große Sache“, weiß Haar, „so was können die Kids alle“. Und das Opfer hat so gut wie keine Chance, sich gegen diese Gemeinheiten wirklich zu wehren.

Peter Arz geht von einer großen Dunkelziffer aus. Viele Familien gehen nicht zur Polizei, wenn ihr Kind Opfer von Beleidigung, übler Nachrede oder Datenmissbrauch wird.

Aber was kann die Schule, was kann die Schulsozialarbeit vorbeugend tun? „Aufklären, aufklären, aufklären“, sagt Eveline Haar. Sie mahnt die Mädchen und Jungen zu äußerster Vorsicht. „Verschickt kein Bild, das Euch halb bekleidet zeigt – an niemanden! Seid vorsichtig mit Euren Daten! Und wenn etwas passiert, wendet Euch sofort an Erwachsene!“

Seit gut zwei Jahren arbeitet Haar an der vierten Gesamtschule. „Information ist der beste Schutz“, hofft sie. Und sie sieht kleine Fortschritte. „Es gibt mehr Bewusstsein für die Gefahren, die im Netz lauern, wenn auch nicht bei allen Kindern.“

Erst denken, dann posten!

„Think before you post!“, wird Peter Arz im Mai die Schüler an der Sandkaulstraße auffordern: „Denkt nach, bevor Ihr was ins Netz stellt! Was Ihr heute cool findet, ist in sechs Wochen vielleicht voll peinlich.“

Aber auch ein erfahrener Kriminalhauptkommissar wie Arz steht manchmal einigermaßen ratlos vor dem Mangel an Mitgefühl, der ihm häufig aus dem Netz entgegenschwappt. „Nichtigste Anlässe setzen oft eine Spirale in Gang, die kaum mehr zu stoppen ist. Ein falsches Wort, und aus besten Freundinnen werden erbitterte Feindinnen.“

Im Herbst will Peter Arz etwas Neues ausprobieren. „Ich möchte mit Schülern einen Runden Tisch gegen Mobbing organisieren.“ Der Polizist will junge Leute von verschiedenen Schulen und Schulformen nach ihrer Sicht der Dinge in Sachen Mobbing fragen. „Und vielleicht haben sie ja ganz neue Ideen, wie man damit umgehen kann.“

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