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Clubszene: Stadt will jetzt nach Räumen suchen

Von: Martina Feldhaus
Letzte Aktualisierung:
Aoxomoxoa
Das Aoxomoxoa an der Reihstraße macht dicht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dass am Ende etwas recht Konkretes rauskommt, war nicht unbedingt zu erwarten: Die Stadt will Clubbetreibern und Partyveranstaltern bei der Suche nach Räumlichkeiten stärker unter die Arme greifen.

Erster Schritt: Die Erstellung eines Katasters über zur Verfügung stehende sowie frei werdende Gebäude mit entsprechenden Voraussetzungen. Das ist das Ergebnis eines runden Tisches, der am Donnerstagabend tagte.

Rund 25 Vertreter aus Clubszene und Gastronomie, von Facebook-Initiativen sowie Stadtverwaltung waren gekommen, um über den Erhalt des Aachener Nachtlebens zu diskutieren. OB Marcel Philipp hatte dazu eingeladen – vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren immer wieder Clubs ihre Tore schließen mussten, darunter Stairs, Malteserkeller, Jakobshof und bald das Aoxomoxoa. Auch gibt es regelmäßig Ärger mit Anwohnern, die sich von lärmenden Partygängern belästigt fühlen.

Emotionen kochen hoch

Aktuell gibt es zwei brisante Fälle: Eine Nachbarin des Musikbunkers im Frankenberger Viertel hatte geklagt, seither ist das Partyangebot in dem Club stark eingeschränkt. Ähnlich geht es dem Last Exit. Die Kneipe an der Krakaustraße hat keine Genehmigung mehr erhalten, nach 22 Uhr draußen auszuschenken. Der Auslöser auch hier: eine Anwohnerbeschwerde. Entsprechend kochten die Emotionen beim Thema Nachbarklagen hoch.

„Es kann doch nicht sein, dass das Interesse eines Einzelnen mehr Gewicht bekommt als das Allgemeinwohl“, führte Udo Mays vom Hotel Europa an. Auch auch Lars Templin vom Musikbunker meinte: „Solche Klagen können alles platt machen.“ Die Szeneleute fürchten eine „tote Stadt“, wenn es mit den Beschwerden und Maßnahmen so weitergeht. Peter Niedermayr vom Last Exit: „Eine Stadt muss leben. Und ja, dann ist sie auch mal laut. Was wir brauchen, ist ein klares Signal für ein lebendiges Nachtleben in Aachen.“

Da stimmt Ordnungsamtschef Detlef Fröhlke zu. „Einen Laborzustand, wo alles leise ist, brauche ich auch nicht. Aber es gibt Regeln und Gesetze.“ Das eigentliche Problem liege aber auch nicht bei den Clubbetreibern und in den Clubs. Sondern auf der Straße. „Das Ausgehverhalten hat sich verändert. Die Rücksichtnahme der junge Leute nimmt ab.“ Das hinge nicht zuletzt mit den vielen Möglichkeiten zusammen, rund um die Uhr an Kiosken billigen Alkohol zu kaufen. Das Ergebnis: betrunkenes und lautstark feierndes Partyvolk.

Das ist auch vielen Betreibern ein Dorn im Auge. Gastronom Ali Yüce (Image und Flowers, Pont-straße) regt sich auf: „Eigentlich sind es die Kioske, die das verursachen. Aber die haben keine Auflagen. Stattdessen verkaufen sie unsere Sachen und es wird laut.“ Da stimmt auch Heike Hüsgen, Apollo Bar, zu: „Manchmal habe ich das Gefühl, eine Privatarmee wäre nötig, um die saufende Meute in den Griff zu bekommen.“ Auch das Raucherverbot mache den Kneipen das Leben schwer.

Das Problem: Weder die Szene-Betreiber noch die Stadt können dies alles aus der Welt zu schaffen. Handlungsmöglichkeiten sieht man dennoch. Hüsgen: „Ein unparteiischer Mediator wäre gut. Letztendlich hilft doch nur: reden, reden, reden.“ Das sehen auch Martin Gotzes (Aoxomoxoa) und Marcus Loos (Last Exit) so, sie hätten immer wieder Gespräche mit Anwohnern und Gästen gesucht, teils mit Erfolg. Kämmerin Annekathrin Grehling findet die Mediator-Idee zumindest „ganz pfiffig“.

Jetzt geht es aber erstmal um die Hilfe bei der Raum-Suche. Da habe die Stadt bisher einiges versäumt, meinten Rick Opgenoorth (Jakobshof) und John Brünings (Aachen bei Nacht). Jetzt will OB Philipp nachbessern – mit Platzangeboten nicht auf der grünen Wiese, sondern in der Stadt. „Wir müssen uns Bereiche der Hochschule, der Bahnhöfe, auch der Verwaltung genau anschauen.“ Ins Rennen warf Brünings auch der Lenné-Pavillon im Casino. Ausdiskutiert ist das Thema Clubvielfalt noch nicht, die Gespräche sind eröffnet.

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