Citykirche weist erhebliche statische Mängel auf

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Citykirche: Die brandgeschädigten Gewölbekappen im Dachstuhl konnten zwar gerettet werden. Jetzt müssen aber Stabilisierungsmaßnahmen folgen, die weitere Kosten verursachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Großer Sanierungsbedarf besteht nach wie vor an der Citykirche St. Nikolaus an der Großkölnstraße. Mit dem spektakulären Brandinferno in der Silvesternacht vor drei Jahren, entzündet durch eine fehlgeleitete Feuerwerksrakete, hat das aber nur bedingt etwas zu tun.

Damals waren der dreigeschossige Hochaltar sowie die Bleiverglasungen des Chorraums zerstört und das Hauptschiff schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Täter wurden nie gefasst.

Was quasi ebenso für die Verursacher früherer Schäden gilt. „Erst durch die Prüfung der Brandschäden sind wir auf erhebliche statische Mängel gestoßen, die mit dem Feuer gar nichts zu tun haben“, erklärt Elmar von Reth, der Baureferent des Bistums. Vieles ist hier schon lange aus den Fugen geraten. Die Außenmauer zur Fußgängerzone steht schon so schief, dass in 20 Metern Höhe weitere Risse im Dachgewölbe drohen. „Wir konnten zwar die brandgeschädigten Gewölbekappen retten, müssen aber ungeahnte Stabilisierungsmaßnahmen ergreifen“, sagt Architekt Mathias Paulssen.

Neuer Altarraum

Die Folge: Die seit fast drei Jahren laufenden Sanierungsarbeiten am teils über 600 Jahre alten Franziskaner-Baukörper werden über 2015 hinaus andauern – und noch teurer. Erst nach 2015 soll der inzwischen komplett entkernte Altarraum neu gestaltet werden.

Dort erinnert hinter der provisorischen Trennwand zum Hauptschiff – und für die Öffentlichkeit unzugänglich – nur noch ein steinerner Stumpf an den prächtigen Hochaltar. Sämtliche Holzreste wurden in monatelanger Handarbeit erst dokumentiert, dann demontiert. „Das Bistum und der Landeskonservator ziehen eine Restaurierung des zu zwei Dritteln zerstörten Altars in Erwägung“, erläutert Cityseelsorger Dieter Spoo. „Ich könnte darauf verzichten. Schließlich finden hier fast ausschließlich ökumenische Gottesdienste statt. Da brauchen wir so einen Altar eigentlich nicht“, sagt Spoo. Er befürwortet eine feine, bescheidene Lösung. Ob diese bis 2017 gefunden und realisiert wird, ist offen.

Bettelarmer Orden

Genauso unklar ist, wie hoch die Gesamtkosten der Mammut-Sanierung noch klettern. Nicht auszuschließen, dass sich die Rechnungen letztlich auf über fünf Millionen Euro türmen. Den Großteil übernimmt eine Versicherung. Fraglich ist, ob dies auch für die Schäden vor der Brandnacht gilt.

Erst Messungen hinterm Putz der Gemäuer offenbarten das statische Desaster im Gotteshaus. „Die Franziskaner waren ja ein bettelarmer Orden, da wurde offenbar vor Jahrhunderten beim Errichten der seitlichen Fundamente ziemlich gespart“, vermutet Statiker Hubert Wallrafen. Mehrere Erdbeben, Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg und nicht zuletzt Erschütterungen auf der historischen Hauptverkehrsachse Großköln­straße – durch die jahrzehntelang die Straßenbahn donnerte – machen die Bauexperten mitverantwortlich. Wallrafen: „Das konnte so auf Dauer nicht halten.“

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