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Citykirche bietet Trost und Raum für Angehörige

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
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Wollen Suizid-Betroffenen und Angehörigen einen Raum für ihre Trauer geben: Dieter Spoo und Maria Pirch von der Citykirche St. Nikolaus. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Abschied von einem verstorbenen Menschen zu nehmen, das fällt schon schwer, wenn dieser Mensch unter „normalen Umständen” gestorben ist. Doch wenn jemand durch Selbsttötung stirbt, schleicht sich auch noch die Frage nach Verantwortung und Schuld in die Köpfe der Angehörigen.

„Es ist schwerer als bei einem natürlichen Tod”, weiß Notfallseelsorger Dieter Spoo. Der Radius von Betroffenen ist weiter, viele kennen im Kollegen- oder Bekanntenkreis einen Fall.

Suizid ist ein mit Schuld und Scham besetztes Tabu-Thema. Dem will die Citykirche St. Nikolaus mit den Kooperationspartnern der Telefon-, Notfall-, integrierten Psychatrie- und Cityseelsorge entgegentreten.

Mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst „Getragen im Schmerz” wollen sie sich bereits zum zweiten Mal zum Weltsuizidpräventionstag am heutigen Donnerstag dem Thema annähern.

Doch viel wichtiger ist den Initiatoren, Betroffenen und Angehörigen einen Raum für die Trauer und Bewältigung zu bieten. „Früher war Selbstmord eine Todsünde”, erzählt Dieter Spoo.

„Suizid-Personen wurden außerhalb der Kirchhofmauern begraben, denn es wurde die Ansicht vertreten, der Mensch gehöre Gott und nur der darf über Leben und Tod entscheiden.”

Doch die Initiatoren haben erkannt, dass insbesondere für Angehörige eines an Suizid verstorbenen Menschen der Trost von Gott gefragt und wichtig ist. „Darum wollen wir kirchlichen Raum anbieten, um Abschied nehmen zu können, sich mit diesen Gedanken zu beschäftigen und Leute zu treffen, die ebenfalls betroffen sind”, so Maria Pirch, Gemeindereferentin und Trauerbegleiterin der Citykirche.

Ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Denn Suizid ist längst kein Einzelphänomen mehr. Vielmehr ist eine stark wachsende Tendenz erkennbar, insbesondere bei Kindern.

„Der Leistungsdruck wächst, Kinder werden von ihren Familien nicht mehr aufgefangen”, sagt Dieter Spoo und erklärt weiter, dass es häufig auch Kurzschlussgeschichten bei Leuten sind, die eine halbe Stunde später gesagt hätten: „Mir könnte so etwas nie passieren”.

Eine genaue Zahl von Suizid-Fällen gibt es nicht, geschätzt werden 11.000 jährlich in Deutschland. Doch die Dunkelziffer liegt weitaus höher.

Der Gedenkgottesdienst „Getragen im Schmerz” findet am Donnerstag, 10. September, um 19 Uhr in der Citykirche St. Nikolaus, Fußgängerzone Großkölnstraße statt. Anschließend bietet sich die Möglichkeit zum Austausch mit Betroffenen und Seelsorgern.
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