„Circusfestival“: 120 Heringe und ein Rest Wüstensand

Von: Alexander Barth
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Drei Arbeiter versenken 120 Pfosten im Boden des Bendplatzes. Vom 21. Dezember bis 6. Januar steigt unter Europas größter Zeltkuppel das „Circus Festival Aachen“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Von widrigen Bedingungen auf dem Bendplatz mochte André Sarrasani am Montagmittag nicht sprechen. Der 41-jährige Spross einer der bekanntesten deutschen Zirkusfamilien leitet die Aufbauarbeiten des „Circus Festival Aachen“ und findet den kalten Nieselregen wenig störend.

 „Wir kommen gerade aus unserer Heimat Dresden, da herrschten minus zwölf Grad und lagen 40 Zentimeter Schnee.“

Der Kirmesplatz vibriert unter den Schlägen von Presslufthämmern. 120 überdimensionale Heringe werden in den Boden getrieben, um die 21 Meter hohe Zeltkuppel zu fixieren, unter der ab dem 21. Dezember Artisten und Unterhalter aus aller Welt vor mehr als 1000 Zuschauern pro Vorstellung auftreten werden. „Wir nennen die Dinger lieber Anker“ sagt Sarrasani lächelnd. Bei einer Länge von rund 1,50 Meter pro Hering passt dieser Begriff auch viel besser. Das laut Sarrasani größte Zelt Europas mit einer Bodenfläche von 1100 Quadratmetern soll es sein für das Aachener Publikum, ganz so wie bei der Festivalpremiere im Jahr 2011. Die rot-weiße Hülle hat schon einiges von der Welt gesehen: „Wir müssen praktisch noch den Wüstensand abklopfen“, erklärt Sarrasani augenzwinkernd, „die Anlage war zuletzt in Abu Dhabi im Einsatz“.

Rund eine Woche werden die Aufbauarbeiten dauern. Zehn Lkw haben das Zeltmaterial mitsamt Tribünenteilen, Foyerausstattung und Artistenequipment nach Aachen transportiert. 15 Arbeiter sind auf dem Bendplatz im Einsatz. Ganz wie die Protagonisten auf der Bühne sind sie eine internationale Truppe. Englisch ist Arbeitssprache. Zirkusvergangenheit sei übrigens auch für Techniker ein echter Vorteil. „Das Zelt selbst ist relativ schnell aufgebaut“, erklärt der Meister, „für die Innenausstattung und die Strukturen drum herum brauchen wir länger.“ Da geht es dann um Zuschauerränge, Toiletten, zig Quadratmeter Teppichboden und nicht zuletzt um Verpflegungsstände. „Popcorn und Leckereien gehören eben dazu“, ergänzt Sarrasani.

Ebenso wie eine internationale Riege von Künstlern, die das Aachener Publikum bei täglich zwei Vorstellungen quasi im Akkord begeistern sollen. „Wir versuchen immer wieder, den Zirkus aus der Mottenkiste zu holen und das angestaubte Image zu widerlegen“, erläutert André Sarrasani die Philosophie des Festivals und die des Familienunternehmens, deren technische Abteilung der 41-Jährige leitet.

Das Highlight ist nicht nur auf dem Programmpapier der Extremartist Freddy Nock, der mit mehreren spektakulären Nummern zu sehen ist. André Sarrasani, selbst viele Jahre in der Manege als Illusionist aktiv, hat einen weiteren Expertentipp parat: „Leonid Beljakow mit seiner Hundenummer. Der ist wirklich klasse.“ Die Musik spielt ebenfalls eine besondere Rolle im Konzept des Entstaubens. Dem Credo „Circuskapelle war gestern“ folgend hat Bandleader Zlatko Jimmy Kresic einen neuen Sound für die Manege kreiert.

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