Aachen - Christoph Hein erhält Aachener Hasenclever-Preis

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Christoph Hein erhält Aachener Hasenclever-Preis

Von: unserem Mitarbeiter Axel Costard
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Es gehört zu den Aufgaben einer Stadt, an ihre Söhne und Töchter zu erinnern, die Bedeutendes geleistet haben, aber in Gefahr geraten, vergessen zu werden.

Bei Walter Hasenclever, dem in Aachen aufgewachsenen Schriftsteller und Journalisten, in den zwanziger Jahren einer der meistgespielten Bühnenautoren in Deutschland, durch die Nazis in die Flucht und in den Freitod getrieben, geschieht dies durch einen nach ihm benannten Literaturpreis. Er wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 20.000 Euro vergleichsweise hoch dotiert. Dieses Jahr bekommt ihn Christoph Hein, der ostdeutsche Schriftsteller und Dramaturg.

„Die Vielseitigkeit seines Werkes, die Zeitbezogenheit seines dramatischen und erzählerischen Schaffens und das gesellschaftliche Engagement seines Schreibens” führte gestern Jürgen Egyptien, Professor am Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaften an der RWTH, Vorsitzender der Jury und zugleich Vorsitzender der Walter-Hasenclever-Gesellschaft, als Begründung für die Auszeichnung an. Und es sind so manche Parallelen, aber auch Unterschiede, die zwischen Hein und Hasenclever ins Auge springen: Sie haben große Teile ihres Lebens unter vergleichsweise schwierigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verbracht.

Hasenclever machte 1908 sein Abitur am heutigen Einhard-Gymnasium. Ihn verschlug es als Korrespondent für mehrere Tageszeitungen nach Paris. Über die zunächst begeisterte Teilnahme am Ersten Weltkrieg wurde Hasenclever zum Pazifisten. Seine Bücher wurden verbrannt, die Einbürgerung im französischen Exil scheiterte jedoch. 1940 nahm er sich in einem Flüchtlingslager das Leben. Auch Christoph Hein ist frankophil: Er hat in der DDR die Werke von Molire und Jean Racine übersetzt.

Durch den Beruf seines Vaters, einem Pfarrer, war er gezwungen, ein westdeutsches Gymnasium zu besuchen. Danach habe er sich freiwillig, wie Egyptien betonte, für eine Existenz in der DDR entschieden. Mit dem Regime habe er sich nie wirklich angelegt, sondern pflegte „eine kritische Sympathie mit dem Sozialismus”. Das verbinde ihn mit Autoren wie Stephan Hermlin, Stefan Heym und Christa Wolff, so Egyptien. In seinen Werken thematisiert Hein immer wieder die gesellschaftlichen Zwänge des Einzelnen - quasi werturteilsfrei, aus einer Position des „Chronisten ohne Botschaft”, wie er sich selbst oft bezeichnet. Dadurch erscheinen die Systeme in West und Ost in seinen Büchern zum Verwechseln ähnlich - lediglich inhaltlich sind Unterschiede bemerkbar.

Christoph Hein habe sich sehr gefreut, als Egyptien ihm die Mitteilung über die Auszeichnung überbrachte. Er habe sich sofort bereit erklärt, eine Lesung am Vorabend der Preisverleihung am 26. Oktober und am darauf folgenden Vormittag im Einhard-Gymnasium abzuhalten, sagte der Juryvorsitzende.

Die Jury besteht aus den Trägern des Preisgeldes: Vertretern der Stadt Aachen, des Aachener Buchhandels, dem Literaturarchiv Marbach, das den Nachlass Hasenclevers verwahrt, dem Förderverein des Einhard-Gymnasiums und der Hasenclever-Gesellschaft. Zwei Jurymitglieder waren ein Redakteur der Neuen Züricher Zeitung und ein Vertreter des Frankfurter Literaturhauses. Hein hat mehr als 25 Bücher veröffentlicht, sein Durchbruch gelang ihm 1983 mit der Novelle „Drachenblut”.

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