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CHIO-Ordner: Lockere Sprüche zur Begrüßung

Von: Werner Breuer
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Truppenbetreuung: Der Stellvertretende Abschnittsleiter Gert Kempf (rechts) serviert Ordner Friedrich Aretz eine kleine Stärkung. Motivierte und gut gelaunte Mitarbeiter sind ihm wichtig. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Herr Kempf?“ Da muss Friedrich Aretz am Eingang zum Parkareal A einen Moment überlegen. Die Bezeichnung „stellvertretender Abschnittsleiter Parken und Verkehr“ hilft dann weiter. „Ach, der Gert! Ich bringe Sie hin.“ So geht es also zu beim Ordnungsdienst auf dem CHIO.

„Wir sind alle ein Team“, klärt Gert Kempf das auf. Duzen ist die Regel. So bleiben auch der Gert und der Friedrich auf Augenhöhe, auch wenn Gert Kempf quasi der Chef ist. Zumindest in dieser einen CHIO-Woche, die für sie alle so ganz anders ist als die übrigen 51 im Jahr.

Dafür nehmen sich die meisten aus der 35-köpfigen Truppe Urlaub. Und was haben sie davon? Sie stehen entweder unter sengender Sonne an Parkplatz-Einfahrten oder suchen in kleinen Zelten Schutz vor den Wolkenbrüchen, die wohl zum Reitturnier gehören wie die Äppel zu den Pferden. Sie stapfen über nasse Wiesen, um Autofahrer in enge Lücken einzuweisen, erklären geduldig immer wieder den Fußweg zum Reitstadion für Ortsfremde, die auf den Shuttle-Bus nicht warten wollen, helfen bei kleinen und größeren Problemen – und haben offensichtlich Spaß dabei.

Wegen des Geldes macht es wohl keiner, meint Kempf. Zwar zahlt der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) eine kleine Aufwandsentschädigung, aber die sei eher eine Anerkennung für das freiwillige Engagement als ein wirklicher finanzieller Anreiz. Zumal die meisten Helfer beim Ordnungsdienst ihren Lebensunterhalt mit anderen Jobs bestreiten. „Da sind alle Berufsgruppen vertreten“, weiß Kempf, „und alle Altersklassen auch.“ Sein Team besteht aus Arbeitern, Angestellten, Beschäftigten im Öffentlichen Dienst, Studenten, Rentnern, Abiturienten...

Kempf selbst ist im bürgerlichen Leben außerhalb des CHIO Teamleiter bei der Agentur für Arbeit. Der Job muss nun eine Woche warten. Kempf hat Urlaub genommen und sitzt in einem kleinen Verschlag aus Zeltplanen an dem kleinen Kreisverkehr vor dem Haupteingang zum Reitstadion. Vor sich hat er Pläne, Zeiteinteilungen, Funkgeräte – aber Pferde sieht er von seinem fensterlosen Kabuff aus nicht.

Aber das geht wohl vielen so im Abschnitt Parken und Verkehr. Meist stehen oder sitzen sie auf Parkflächen weitab vom Turniergeschehen. Auf dem Areal A zwischen Tivoli und Reitstadion, wo Ehrengäste oder höhere Chargen des ALRV ihre Fahrzeuge abstellen, sind die Ordner wenigstens noch näher dran und hören ab und an ein Pferd wiehern oder das Publikum applaudieren. Doch auf dem Areal M am Prager Ring beispielsweise verbringen die Freiwilligen Helfer ihre Urlaubswoche auf einer Wiese zwischen einer Tankstelle und einem Umspannwerk. Was sie vom Weltfest des Pferdesports mitbekommen, sind die Autos und Lastwagen von Ausstellern, Journalisten und anderen Menschen, die auf dem Turniergelände zu tun haben.

Um sieben Uhr morgens fangen die Ordner an, im Zwei-Schicht-Betrieb geht es dann bis zum Ende des Betriebs im Reitstadion. „Und da ist ja abends auch etwas los“, sagt Kempf, weshalb seine Leute mitunter auch bis Mitternacht auf Posten sind. Das Turnier können sie trotzdem hautnah erleben. „Alle haben einen Akkreditierungsausweis und können sich fast überall auf dem Gelände bewegen“, erklärt Kempf, auch verköstigt werden sie vom ALRV. Und für zwischendurch gibt es belegte Brote, serviert vom stellvertretenden Abschnittsleiter. „Ich sehe zu, dass es meinen Leuten gut geht“, sagt Kempf. Deshalb klappert er seine Areale mit Kaffeekannen und Schnittchenplatten ab und unterhält sich mit seinen Leuten. „Nur zufriedene Mitarbeiter machen ihren Job gut“, meint er, deshalb müssen sie alle zufrieden sein. „Wir gewinnen als Team oder wir verlieren als Team.“ Und wenn der Abschnitt Parken und Verkehr verliert, sieht das ganz böse aus. „Wir sind für viele die erste Anlaufstelle beim CHIO“, weiß Kempf, muffige Mienen machen sich da nicht gut. Aber die sind auch kaum zu erwarten bei Menschen, die ihre Freizeit opfern, um beim Weltfest des Pferdesports als Akteur mit zum Team zu gehören. Manche kommen dafür von weit her eigens nach Aachen. „Und als Aachener wird man sowieso mit dem CHIO geboren“, sagt Kempf.

Davon profitiert sein Abschnitt, denn die Öcher hätten ja „immer einen lockeren Spruch auf den Lippen“. Das passt gut für eine erste Anlaufstelle.

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