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Chemiealarm: Firmen-Mitarbeiter kollabieren

Von: hau
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Einsatz an der Jülicher Straße: Experten der Feuerwehren untersuchten das Gelände und brachten betroffene Personen in sichere Bereiche. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mit großem Aufgebot rückte die Feuerwehr Donnerstagmorgen, kurz vor 9 Uhr, an die Jülicher Straße aus. Aus dem Gebäude Nummer 338, dem ehemaligen Technologiezentrum, in dem mehrere Unternehmen untergebracht sind, wurde ein Chemieunfall gemeldet.

Eine der betroffenen Firmen war die FEG Textiltechnik, einem weltweit führenden Hersteller von textilen Implantaten, die bei Operationen verwendet werden. Geschäftsführer Stefan Schneemelcher: „Vier Mitarbeiter sind kollabiert und mit Atembeschwerden vom Notarzt behandelt sowie ins Krankenhaus gebracht worden.“ Da sein aus allen Nähten platzendes Unternehmen derzeit in ein größeres Gebäude am Prager Ring wechselt, schlug der Einsatz voll ins Kontor: „Wir sind mitten im Umzug. Jetzt liegen vier Mitarbieter im Krankenhaus und wir haben einen halben Tag verloren.“ In zwei Wochen soll der neue Standort mit den insgesamt 50 Beschäftigten bezogen sein.

Weil die Gesamtlage zunächst einigermaßen unklar war, entsandte die Feuerwehr neben einem Löschzug auch den Rüstzug Chemie, den Zug chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren sowie fünf Rettungswagen mit zwei Notärzten an die Ausfallstraße. Vor Ort wurden zunächst nur zwei betroffene Personen gefunden, die über Atemwegsreizungen und Übelkeit klagten. Zwei Trupps erkundeten unter Atemschutz das Gelände und kontrollierten ein angrenzendes Gebäude, die dort tätigen Beschäftigten wurden in einen sicheren Bereich gebracht und betreut. Nach Darstellung des Feuerwehr-Einsatzleiters Max Nüßler stellte sich heraus, dass beim Umfüllarbeiten mit einem Pumpenwagen alte Gruben mit Produktionsresten eines ehemals dort ansässigen lederverarbeitenden Betriebs entleert worden seien: „Hierbei kam es wohl kurzfristig zu einer Freisetzung eines letztlich unbekannten Stoffes, der die leichten Atemwegsreizungen verursacht hat.“

Die Pumparbeiten waren bereits vor dem Eintreffen der Feuerwehr beendet worden. Im Laufe des Einsatzes meldeten sich weitere Personen mit Atemwegsreizung, so dass letztlich sechs Personen zur weiteren Abklärung in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden. Bei Messungen der Luft und Probenentnahmen aus den Gruben wurden keine Gefahrstoffe entdeckt. Nüßler: „Hierbei konnte kein spezifischer, gefährlicher Stoff identifiziert werden, es handelte sich vielmehr um ein Stoffgemenge unbekannter Zusammensetzung mit einem PH-Wert von 11 (Lauge). Eine weitere Gefährdung konnte somit ausgeschlossen werden.“ Nach Lüftung der betroffenen Gebäude wurde der Einsatz der Feuerwehr gegen 11.30 Uhr beendet. Vor Ort vertreten waren auch Mitarbeiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt Aachen und der Ämter für Arbeits- und Emissionsschutz der Bezirksregierung Köln.

Das Gelände gehört der Stawag, die es in den 80er Jahren erworben hatte, um es zu Bürozwecken zu nutzen. Es ist seit dem 19. Jahrhundert von verschiedenen industriellen Unternehmen genutzt worden, unter anderem einer Weberei. Derzeit sei man dabei, die ehemaligen Gruben des Geländes – Hinterlassenschaften der früheren Nutzung – auszuheben. Sprecherin Eva Wußing: „Im Vorfeld wurden der Boden des Grundstücks sorgfältig untersucht. Dabei wurden keine gesundheitsgefährdenden Stoffe festgestellt.“ Gleichwohl finden sich in den Gruben Produktionsreste aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert, die beim derzeitigen Ausheben Geruchsbelästigungen mit sich bringen.

Filter geplant

Nach Auskunft von Harald Beckers vom Presseamt wird die Abpumpaktion zunächst einmal gestoppt. Überlegt werde auch der Einbau eines Filters, um die Belästigungen aufzusaugen.

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