Chaostheater: Missbrauch, Ehebruch und Selbstmord

Von: Nina Krüsmann
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Eine Familie am Abgrund: Auf der Bühne des Schleswigheims im Ostviertel spielt das Chaostheater derzeit das beklemmende Inzestdrama „Ein Fest”. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Mit großer Freude am Spiel und viel Liebe zum Detail haben die Schauspieler der Theatergruppe Chaostheater am Mittwoch ihr neues Stück „Das Fest” gezeigt. Die Inszenierung auf der Bühne des Schleswigheims ist nicht die leichteste Übung.

Handelt es sich bei der Vorlage von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov doch um ein Inzestdrama, das nach und nach zum Psychogramm einer Großfamilie wird.

Die Geschichte beginnt mit den Vorbereitungen zum 60. Geburtstag von Familienoberhaupt Helge (Thomas Becker). Helge bittet seinen Sohn Christian (Stefan Heiner), bei Tisch eine Rede zu halten und über seine Schwester Linda zu sprechen, die erst vor kurzem Selbstmord begangen hat. Doch was Christian dann vor der versammelten Familie offenbart, wirft alles durcheinander und das Fest gerät aus den Fugen.

Der Vater habe ihn und seine tote Zwillingsschwester in der Kindheit regelmäßig missbraucht. „Er verschloss die Bürotür, seine Augen flackerten, die Rollos waren runter und die Kerze an, schließlich sollte es gemütlich sein. Er hatte die Hose runter und auch wir hatten keine Kleider mehr an.”

Verstörend und beklemmend

Passend zur Gefühlslage aller Beteiligten ist die Bühne wüst und leer. Als Sitzgelegenheiten dienen zwei Koffer. Immer wieder erscheinen Projektionen auf der weißen Wand und der lange Tisch, an dem die Großfamilie Platz nimmt, ist schief. Diese Schieflage ist sinnbildlich für die Situation, in der sich die Familie befindet. Im Zuschauerraum ist es still. Was sich auf der Bühne abspielt, wirkt bisweilen verstörend, beklemmend. Immer wieder agieren die Schauspieler inmitten der Zuschauer, beziehen sie mit ein. So nah dran ist man sonst selten im Theater.

Nach und nach kommen weitere Dinge ans Licht: Helene (Ricarda Schumann), die andere Schwester von Christian, ist lesbisch und bringt ihre Geliebte Josefine (Zo Betela) mit zum Geburtstagsfest. Michael (Maik Schulte), der zweite Sohn von Helge, hat seine Ehefrau Mette (Zarah Beigi) betrogen: Er hatte eine Affäre mit der Bediensteten, die das gemeinsame Kind abgetrieben hat. Schließlich findet sich ein Brief von Linda. Sie hat sich umgebracht, weil sie die schrecklichen Gewalttaten des Vater nicht hat vergessen können. Mina Khani spielt die Rolle von Linda und stellt den Schmerz, den sie empfindet, im Tanz dar. Mal schwebt sie wie ein Schatten über die Bühne, mal tanzt sie mitten der Festgäste.

Ein Jahr Probenarbeit unter Leitung von Regisseur Reza Jafari haben sich mehr als gelohnt: Dass keiner der Mitspielenden eine professionelle Schauspielausbildung erfahren hat, hält man kaum für möglich. Das 11. Stück des Chaostheaters, initiiert als Projekt der Offenen Tür Josefshaus, fesselt die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute. Es erfüllt den beabsichtigten Sinn: Es rüttelt wach und macht aufmerksam auf das Tabuthema Missbrauch.

Die Termine und der Kartenvorverkauf

Weitere Aufführungen gibt es am 13., 16., 18., 20., 23., 25. und 27. November, sowie am 2. und 4. Dezember jeweils um 19.30 Uhr im Bürgerzentrum St. Fronleichnam, Schleswigstraße 15. Karten sind im Vorverkauf für zehn Euro in der Bücherinsel am St.-Josefs-Platz 1, in der Buchhandlung Schmetz am Dom, Münsterplatz 7-9, und bei Bona-Vitae, Burtscheider Markt 7, erhältlich.

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