Aachen - CDU und Grüne: Kein Unterschied im Ehrenamt

CDU und Grüne: Kein Unterschied im Ehrenamt

Von: Werner Czempas
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Aachen. Ist Ehrenamt gleich Ehrenamt? Oder gibt es den Unterschied zwischen dem sozialen Ehrenamt auf der einen und ehrenamtlich Tätigen im Brauchtums- oder Sportbereich auf der anderen Seite?

Im Sozialausschuss stritten die Politiker darüber. In den vergangenen Wochen verschärfte sich der Streit um das soziale Ehrenamt. Insbesondere das 1999 gegründete „Freiwilligen-Zentrum Aachen” der Caritas und der von der Arbeiterwohlfahrt und dem DRK seit 1998 getragene „Verein zur Förderung des Ehrenamts” kritisierten die schwarz-grüne Ratsmehrheit. Sie hat den Organisationen und dem überwiegend im Hochschulbereich tätigen Verein „Help” die Zuschüsse für das laufende Jahr um 28.000 Euro und damit um 50 Prozent gekürzt.

Die Folgen sind drastisch. Im Sozialausschuss machten das Kathrin Michels vom Caritas-Verband und Gisela Bosle vom Ehrenamts-Verein in einem gemeinsamen Vortrag deutlich. Beide Institutionen haben als Kooperationspartner in den vergangenen sechs Jahren noch 858 Bürger für ein soziales Ehrenamt neu gewinnen und vermitteln können - zum Beispiel für den ehrenamtlichen Einsatz in Hospizen, Krankenhäusern, Grundschulen oder für die Betreuung von Demenzkranken.

Nach der massiven Kappung der Fördermittel bricht das jahrelang Aufgebaute weg. Beraten und vermittelt werden ehrenamtlich Interessierte nur noch eingeschränkt, ihre Anwerbung ist folglich um die Hälfte zurückgegangen, Besuche von sozialen Einrichtungen sind kaum noch möglich. Der Hilfeschrei der Wohlfahrtsverbände rief die SPD auf den Plan. Sie fordert, kurzfristig ein „Arbeitsgespräch zur Zukunft des sozialen Ehrenamts” anzusetzen (wir berichteten). Das Verhalten von OB Marcel Philipp gegenüber den Sozialverbänden sei „verderblich für die Gesellschaft”, attackierte Ratsherr Claus Haase, die Mittelkürzung bedeute „die Zerschlagung eines gut funktionierenden Netzwerkes”, legte sein Parteikollege Boris Linden nach.

Massive Kappung

Die SPD präsentierte denn auch im Sozialausschuss ihren Antrag. Die Kürzungen seien „fatal und ein falsches Signal”, so Boris Linden. Es gehe keineswegs darum, das Ehrenamt gegeneinander auszuspielen, doch wegen der wachsenden Anforderungen und des steigenden Kostendrucks im sozialen Bereich sei das soziale Ehrenamt „eine Besonderheit”. Es brauche eine andere Begleitung als Ehrenamt etwa in einem Sportverein. Leo Deumens (Die Linke) unterstützte die Forderung als „Schritt in die richtige Richtung”.

Die Ratsmehrheit sah das anders. „Jedes Ehrenamt ist uns sehr viel wert. Wir dürfen beim Ehrenamt keinen Unterschied machen”, erklärte CDU-Sprecherin Ruth Wilms. Ob im Gartenverein, bei der Feuerwehr, in der Kultur, beim Sport oder im Sozialen, überall sei Ehrenamt immer zeitaufwändig. Wilms kritisierte die von der SPD vorgeschlagene Beteiligung der sozialpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen am Runden Tisch. Es sei nicht Aufgabe des Sozialausschusses, sich in die anstehenden Verhandlungen der Stadt mit den Freiwilligenzentren über neue Leistungsvereinbarungen „einzumischen”. Wilms: „Verwaltung und Verbände wissen, was zu tun ist.”

Stefan Warmke (Grüne) sekundierte der Koalitionspartnerin: „Ein Ehrenamtlicher im Sport ist genau so sozial tätig wie einer im sozialen Bereich.” Ergebnis: CDU, Grüne und FDP lehnten das „Arbeitsgespräch zur Zukunft des sozialen Ehrenamts” ab.
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