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CDU und Grüne einig: „Wir müssen vor Ort etwas tun”

Von: Werner Czempas
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Aachen. Neue Windkraftanlagen in Aachen, ja oder nein? Im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz sprachen sich CDU und Grüne sowie die Linke uneingeschränkt dafür aus, die SPD enthielt sich der Stimme, und die FDP stimmte dagegen.

Kurz vor Eintritt in die entscheidenden Beratungen der Ratsgremien haben Aachens Naturschutz- und Umweltverbände ihre Bedenken gegen Windkraftanlagen im Münsterwald vorgetragen. Und auch die SPD meldet trotz „tendenzieller Zustimmung”, so ihre Sprecherin Sibylle Reuß im Umweltausschuss, weiteren Beratungsbedarf an. Der betreffe Aachens Norden. Dort sei mit den ersten Windkraftanlagen „der Bevölkerung schon einiges zugemutet” worden. „Mit neuen Anlagen haben wir unsere Probleme und große Bedenken gegen weitere Belastungen.”

Die FDP bleibt bei ihrem von Anfang an erklärten Nein zu Windkraftanlagen im Münsterwald. Sprecher Peter Blum: „Es ist unverantwortlich, so wertvolles Gebiet wie den Münsterwald in die Planung für Windkraftanlagen aufzunehmen.” Die Befürworter täten so, als sei die Energieversorgung Deutschlands von Aachen abhängig. Viele Argumente seien fadenscheinig und stünden auf tönernen Füßen. Gutachten seien teils „schöngefärbt”. Tausende Bäume müssten abgeholzt werden. Blum, sei „prinzipiell nicht gegen Windkraftanlagen, aber: „Wir möchten keine im Wald.”

Wegen ihrer Bedenken forderte die SPD die getrennte Abstimmung über mögliche Windkraftflächen im Norden und Süden der Stadt. Was wohl sagen wollte: Ja der SPD zum Münsterwald, aber Nein zum Norden. Das wurde von CDU und Grünen strikt zurückgewiesen. Nach Fukushima, so ein aufgebrachter Ferdi Corsten für die CDU, habe sich die Gesellschaft darauf verständigt, die Kernkraft abzuschalten und sich für erneuerbare Energien ausgesprochen. Man dürfe nicht nur die Politiker in Berlin und Düsseldorf über die Energiewende reden lassen. Corsten: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und müssen vor Ort etwas tun.” Aachens Energiekonzept gehe beim Regierungspräsidenten nur als „Gesamtpaket” durch.

Ein Argument, auf das sich auch Elmar Wieczorek bezog. Der Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt wies auf den Windkrafterlass hin, wonach für Windkraft Wald nur dann genutzt werden dürfe, wenn es ansonsten keine freien Flächen gebe. Woraus folgt: Wird den neu geplanten Teilflächen im Norden nicht zugestimmt, könnten Gerichte die Nutzung des Münsterwaldes stoppen.

Wie Ferdi Corsten warb auch Jochen Luczak für die Grünen um die „eigene Verantwortung”, bei der Energiewende „selber aktiv zu werden”. Bei der Suche nach einer Antwort auf die Fragen, wo und wie Energie erzeugt werden könne, würden „weltweit Zumutungen auf uns alle zukommen”. Ignoranz werde erkennbar, wenn man sich scheue, im eigenen Umfeld aktiv zu werden. Das jetzt vorliegende 429-Seiten-Papier der Stadt gehe keineswegs rücksichtslos mit Menschen, Wald und Tieren um. Luczak: „Wir sind nicht die ersten, die Windkraftanklagen im Wald errichten. Wir sind auf dem richtigen Weg.”

„Nicht nachvollziehen” konnte der Linke Jörg Hofmann die Einwendungen von BUND und Nabu „kurz vor Schluss”. Wie CDU und Grüne stimmte er gegen den Antrag der SPD, über neue Windkraftanlagen im Norden und Süden getrennt abzustimmen.

Nicht ohne Bauchschmerzen

So ganz ohne Bauchschmerzen verdaut wohl aber auch die CDU nicht ihr Ja zu neuen Anlagen im Norden der Stadt. Ihr Ratsherr Alexander Gilson aus Laurensberg beantragte, die Verwaltung zu beauftragen, „zeit- und ortsnah eine Bürgerinformationsveranstaltung zu den nunmehr festgelegten neuen Konzentrationsflächen Alter Heerler Weg, Avantis und Bocholtzer Weg/Vetschauer Weg durchzuführen und dabei auch die Standorte für die geplanten Windkraftanlagen aufzuzeigen”.

Da waren sich am Ende von links bis rechts und einschließlich der Naturschutzverbände dann doch alle wieder einig und stimmten Gilson zu.

Auch die Bürgerinitiativensind vertreten

Zum Thema „Windkraft in Aachen: Die entscheidende Phase” veranstalten die „Aachener Nachrichten” am Mittwoch, 18. April, um 19 Uhr im Kasino des Zeitungsverlages an der Dresdener Straße 3 ein Forum.

Zu Wort kommen unter anderem Bau- und Umweltdezernentin Gisela Nacken, Prof. Dr. Georg Jacobs vom Institut für Maschinenelemente und Maschinengestaltung an der RWTH, Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie GmbH, Umweltexperten und Fraktionsspitzen aus der Politik, Vertreter der Naturschutzverbände Nabu und BUND sowie der Bürger­initiativen „Windparkprotest” (Vetschau) beziehungsweise „Kein Windpark im Münsterwald”.

Für das Publikum besteht die Möglichkeit, bei der Veranstaltung Fragen zu stellen und zu diskutieren.

Um eine Anmeldung per Mail an an-lokales-aachen@zeitungsverlag-aachen.de, per Fax (5101-440) oder an AN-Lokalredaktion, Postfach 500110, 52085 Aachen (Stichwort AN-Forum Windkraft) wird gebeten.

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