CDU steuert auf den großen Showdown am Montag zu

Von: gei
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Aachen. Auch in großer Runde ist es der Aachener CDU am Montag nicht gelungen, die verhärteten Fronten aufzuweichen und die tief zerstrittene Ratsfraktion zu befrieden. Knapp 80 Leute sind immerhin zur ersten Zusammenkunft nach den Osterferien gekommen, die damit beinahe schon Parteitagsdimensionen hatte.

Einen Ausweg aus der beispiellosen Krise haben Vorstand, Ratsmitglieder, Vorsitzende der Ortsverbände und weitere Aktive nicht finden können.

So läuft nun offenbar alles auf den großen Showdown am kommenden Montag hinaus, bei dem der bisherige Fraktionschef Harald Baal per Abwahlantrag entmachtet werden soll. Am Ende könnte eine Neuausrichtung der CDU stehen, durch die nicht zuletzt die schwarz-grüne Mehrheit gefährdet ist.

Noch will Parteivorsitzende Ulla Thönnissen nicht alle Hoffnung fahren lassen. Wie berichtet arbeitet sie in etlichen Gesprächsrunden auf einen Kompromiss hin, durch den die Arbeitsfähigkeit der 28-köpfigen Ratsfraktion wieder hergestellt werden soll. Er sieht den mehr oder weniger freiwilligen Rückzug von Baal in die zweite Reihe vor, zugleich soll ein Vorsitzender oder eine Vorsitzende als Kompromisslösung die zerstrittenen Gruppen wieder versöhnen.

Noch gibt es aber von der 16-er Gruppe, die Baal stürzen will und die intern wegen ihrer Treffen im Lokal „Krokodil“ auch „die Krokodile“ genannt wird, keine Signale, Thönnissens Vorschlag aufzugreifen. „Wenn man einen guten Kompromiss finden kann, sollte man es versuchen“, sagt zwar Maike Schlick, die als mögliche Baal-Nachfolgerin bereitsteht, noch aber habe Thönnissen nicht „abschließend definiert“, wie der Kompromiss aussehen soll. Schlick hält etwa auch die Neuwahl eines kompletten Fraktionsvorstands für einen gangbaren Weg.

Unterdessen habe die breite Mehrheit der anwesenden CDU-Mitglieder am Montag deutlich gemacht, dass sie für die derzeitige Außendarstellung ihrer Fraktion wenig Verständnis hat. So jedenfalls hat es Parteichefin Thönnissen empfunden, die sich ansonsten über „eine gute Sitzung“ und sachliche Auseinandersetzungen gefreut hat. „Es gab keine aggressive Stimmung.“

Noch-Fraktionschef Harald Baal erklärt: „Ich musste mich nicht unwohl fühlen.“ Den Wortbeiträgen hat er entnommen, dass es in der Partei für den gegen ihn gerichteten Abwahlantrag kaum Verständnis gibt. Das allgemeine Schweigen der Krokodile deutet er als Nachdenklichkeit. „Vielleicht gehen einige doch noch auf den Kompromissvorschlag ein. Ansonsten bleibt nur die kontroverse Lösung.“

Die Partei scheint somit mehrheitlich der Thönnissen-Linie folgen zu wollen, die auch eine Rücknahme des Abwahlantrags vorsieht. Ob sich die 16-er Gruppe dazu durchringen kann, wird sich wohl erst am nächsten Montag zeigen. Das Treffen in großer Runde sei ja kein Rahmen für personelle Entscheidungen gewesen, sagt Schlick.

Der 15. April könnte damit zum Schicksalstag für die Aachener CDU werden, an dem sich zeigen wird, ob überhaupt noch irgendein Beteiligter ohne Gesichtsverlust aus diesem Streit hervorgehen kann und wem die Führung der zerstrittenen Fraktion noch zugetraut wird.

Und auch für Schwarz-Grün steht viel auf dem Spiel. Zwar erklärt Schlick als Sprecherin der 16-er Gruppe immer wieder, die Koalition nicht in Frage stellen zu wollen. Offenes Geheimnis ist jedoch auch, dass im Hintergrund etliche Alt-Konservative die Fäden ziehen. Ihnen passt weder der durch Armin Laschet, Marcel Philipp und Harald Baal eingeleitete Modernisierungskurs ihrer Partei, noch die Zusammenarbeit mit den seit jeher ungeliebten Grünen.

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