Aachen - CDU-Mitglieder sagen ja zu Schwarz-Grün

CDU-Mitglieder sagen ja zu Schwarz-Grün

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
Schwarz-Grün Aachen
Verblüffende Erkenntnis auf der Mitgliederversammlung der Kreis-CDU: Man mag jetzt ganz offiziell die Grünen, den Gegner von einst. Wie zum Beweis: Am Rednerpult steht Sabine Göddenhenrich - und die ist Sprecherin der Grünen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Irgendwann musste Armin Laschet dann doch mal mitteilen: Liebe Freunde, wir diskutieren hier nicht über ein Parteiprogramm, in das man noch alles Mögliche reinschreiben darf, sondern es geht um eine Koalitionsvereinbarung mit den Grünen.

Und da kann man am Ende ja oder nein sagen, ändern kann man nichts mehr. Zu dieser Intervention sah sich der CDU-Vorsitzende veranlasst, als die Debatte länger und länger wurde: Bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag Abend hatten viele Teilnehmer viele Fragen.

Sehr im Unterschied zur grünen Veranstaltung, die 24 Stunden zuvor vergleichsweise ruckzuck über die Bühne gegangen war. Es war zu erwarten, dass sich die christdemokratische Basis nicht ganz so leicht tun würde, ein Bündnis mit den politischen Gegnern von einst zu schmieden.

Ein verblüffender Vorgang

Für viele Christdemokraten scheint die Liaison mit den Grünen immer noch ein verblüffender Vorgang zu sein, und gewöhnungsbedürftig war wohl auch, dass die grüne Sprecherin Sabine Göddenhenrich am Präsidiumstisch saß, als ob sie immer schon dazu gehört hätte.

Andererseits wurde an diesem Abend deutlich, dass sich auch die Aachener CDU ganz tief gewandelt hat. Laschet: „Wen das überrascht, der kann uns aber 15, 20 Jahre nicht beobachtet haben.”

Zu den Punkten, die besonders großen Nachfragebedarf auslösten, gehörten das riesige Campus-Projekt, natürlich die Vorgänge am Elisenbrunnen sowie die maroden Finanzen der Stadt.

Der frühere Oberstadtdirektor Dr. Heiner Berger wollte wissen, ob der Verzicht auf eine Erhöhung der Gewerbesteuer tatsächlich bis 2014 gelte, komme, was wolle; die ehemalige JU-Vorsitzende Sonja Rothe klagte generationengerechtes Wirtschaften ein; Klaus Dornseifer von der CDA verlangte mehr Tatkraft bei der Förderung des Schienenverkehrs; Dieter Bischoff von der Mittelstandsvereinigung erklärte, ihn störe sehr der Satz, CDU und Grüne stimmten darin überein, die Energieversorgung langfristig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bereitzustellen.

Obwohl nicht präsent, wurde auch der SPD-Opposition Aufmerksamkeit zuteil.

Die hatte nämlich in Zweifel gezogen, ob das Campus-Projekt von Schwarz-Grün noch im gehörigen Maße betrieben werde. Dazu erklärte der frischgebackene Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke: „Es gibt keine Fragezeichen außer denen, die die TH selbst genannt hat” - dass es nämlich eine Mindestbelegung geben müsse, bevor man richtig loslegen könne.

Zu Beginn hatte Laschet das geplante schwarz-grüne Unternehmen mit großer Emphase begründet und gelobt.

Kernsätze: Die „alten parteipolitischen Schlachten” zwischen Schwarz und Grün sind vorbei, der Gegensatz zwischen Wirtschaft und Umwelt muss überwunden werden, außerdem habe man den Wählerwillen erkunden und erfüllen müssen.

Der Vorsitzende: „Die SPD bewegt sich auf einem seltsamen Kurs. Eine Koalition mit ihr wäre nur eine auf Abruf gewesen.” Da seien die Grünen schon der bessere Partner, zumal es „menschlich stimmt und viele programmatische Gemeinsamkeiten da sind”.

So sah das auch der Ehrengast. Sabine Göddenhenrich bedankte sich bei der CDU ausdrücklich für die Art und Weise des Umgangs miteinander bei den Verhandlungen, es sei offen, fair und sachorientiert zugegangen.

Allerdings: In Zukunft werde es ganz sicher auch Themen geben, bei denen man auseinander sei - die spannende Frage laute: „Was dann? Können wir Gegensätze zu etwas Neuem zusammenbringen?&raqo;

Froh stand einer der Hauptarchitekten des neuen Bündnisses auf dem Podium. Fraktionsvorsitzender Harald Baal sprach von einem ganz besonderen Tag für ihn selbst: „Der neue OB ist ein Schwarzer, die neue Mehrheit ist eine schwarz geführte” - aber dann musste er doch wieder erklären, dass man nicht daran denke, die Busse vom Elisenbrunnen zu entfernen.

Oder doch irgendwie still und heimlich mehr Windkraft in Vetschau zu entfachen. Oder in Sachen Gentechnik der Landwirtschaft Hemmnisse zu bescheren.

Dann aber doch ein triumphales Ergebnis für ihn und seine Mitstreiter: Von 164 anwesenden Mitgliedern gab es nur eine Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Am Freitag kann unterschrieben werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert