Aachen - Campusbahn: Großer Ärger um das Projekt „Busnetz 2015+“

Campusbahn: Großer Ärger um das Projekt „Busnetz 2015+“

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
5110107.jpg
Die Gegner setzen weiter auf den Bus ohne Trassenverlauf, die Befürworter würden gerne die Campusbahn über den Adalbertsteinweg fahren sehen. Am Sonntag stimmen die Bürger ab. Foto: Harald Krömer

Aachen. Bus und Campusbahn? Für die Gegner des schienengebundenen Großprojekts stellt sich die Frage nicht. Vielmehr ziehen sie ein von der Stadt 2009 in Auftrag gegebenes Gutachten aus der Schublade. Titel: „Busnetz 2015+“. Vorgestellt wurde es am 21. Juni 2012 im Mobilitätsausschuss. Zum Abschluss gekommen ist es bislang aus Kostengründen nicht.

In der noch unfertigen Untersuchung geht es in erster Linie darum, wie mehr Menschen für den ÖPNV gewonnen werden können. „Wir wollten einen Blick von draußen auf unser jahrzehntelang gewachsenes Netz werfen lassen und Optimierungsmöglichkeiten prüfen lassen“, erläutert Aseag-Vorstand Michael Carmincke.

Es zeige, so Maximilian Slawinski, Sprecher der Bürgerinitiative „Campusbahn=Größenwahn“, dass Aachen ohne Campusbahn nicht „verkehrstot“ sei. „Auch mit Bussen kann der Anteil des ÖPNV erhöht werden und die Qualität dank veränderter Linienführung verbessert werden“, erläutert Slawinski. Außerdem müssten die Bürger viel weniger umsteigen: „1800 Umsteigevorgänge an den zentralen Haltestellen würden wegfallen.“ Seine Folgerung: „Der Bus ist in Aachen nicht am Ende.“

„Ich verstehe nicht, das dieses Gutachten fest im Giftschrank verschlossen ist“, ärgert sich nun CDU-Ratsherr Egbert Form. „Es wird zurückgehalten, damit man ungestört die Campusbahn auf die Schiene setzen kann“, sagt das Mitglied des Mobilitätsausschusses.

Auch Initiativsprecher Slawinski bläst ins gleiche Horn und fragt sich, warum dieses Gutachten zögerlich veröffentlicht und nicht zu Ende gebracht worden sei. Es könne doch Ansätze für einen Plan B liefern. „Wir sollten die Entwicklung der Stadt abwarten und das Busnetz peu à peu ändern“, fordert Slawinski. So sei das Kostenrisiko für die Stadt geringer.

„Diese Darstellung ist völlig falsch“, wettert Roland Jahn von den Grünen: „Wir haben nichts verschwinden lassen, denn es gibt ja gar kein fertiges Gutachten“, sagt der Vorsitzende des Mobilitätsausschusses. Außerdem seien die Unterlagen allgemein verfügbar, ergänzt der CDU-Fraktionsvorsitzende Harald Baal.

Entscheidende Punkte – nämlich das Kapazitätsproblem und die Energiefrage – seien, so Jahn, in der Studie überhaupt nicht untersucht worden. Deshalb, so SPD-Ratsmitglied Michael Servos, könne diese nicht abgeschlossene Untersuchung auch keinesfalls als Plan B herhalten: „Die Zielsetzung war damals eine ganz andere.“

Die Untersuchung stelle keine Alternative zu dem 240-Millionen-Euro-Projekt dar, sondern bestenfalls eine „Ergänzung“, unterstreicht Dezernentin Gisela Nacken. „Das ist mitnichten ein möglicher Plan B“, betonen auch Nacken und Carmincke.

Ausdrücklich heißt es in der damaligen Sitzungsvorlage des Mobilitätsausschusses: „Die vorgeschlagenen Planungen stellen in jedem Fall eine Verbesserung des ÖPNV-Angebotes dar und sind kein Vorgriff auf die noch ausstehende Campusbahnentscheidung.“

In einen Folgeauftrag zur Fortführung des Busnetzgutachtens sei kein Geld mehr investiert worden, weil die Mehrheit im Rat die Campusbahn-Variante favorisiere, erklärt Baal. „Wir warten die Abstimmung am Sonntag ab, dann wird entweder ein Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht oder ein Ersatzplan diskutiert“, sagt Baal. „Neue Aufträge, die Kosten im hohen fünfstelligen Bereich verursachen, werden erst vergeben, wenn das Ergebnis vorliegt.“

Selbst Campusbahngegner Peter Blum von der FDP hält es für richtig, dass das Projekt „Busnetz 2015+“ nicht weiterverfolgt worden ist. „Es ist aber auch nicht gestoppt worden“, sagt der Ratsherr. Dass es in die Schublade gewandert sei in dem Moment, wo die Campusbahn in den Mittelpunkt gerückt sei, habe „einen logischen Hintergrund“ und sei „nachvollziehbar“.

Leserkommentare

Leserkommentare (38)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert