Campusbahn: Erste Schienen nicht vor 2018

Von: Werner Breuer
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Alles noch Vision: Sollte die
Alles noch Vision: Sollte die Entscheidung für die Campusbahn Anfang nächsten Jahres fallen, würden erst 2018 die ersten Gleise verlegt. Wie hier auf der Wüllnerstraße sollte auch auf der Trierer Straße der Schienenstrang von Autos überfahren werden können.

Aachen. Der Preis für den größten Weitblick geht diesmal an Andreas Müller: Der Ratsherr der Linken fragte am Donnerstag im Mobilitätsausschuss schonmal nach, ob bei der Planung der Endhaltestellen der Campusbahn in Brand auch bedacht worden sei, wo die Fahrer ihre Pausen verbringen würden.

„So weit sind wir nun wirklich noch nicht”, antwortete Regina Poth von der Verwaltung trocken. Der Fahrplan für das ambitionierte Bahnprojekt hat einen wesentlich längerfristigen Takt.

Demnach würden erst in den Jahren 2018 und 2019 die Schienen verlegt, was sicher ein großes Hallo geben dürfte, „weil wir an vielen Stellen gleichzeitig arbeiten”, erklärte Regina Poth. Und natürlich wäre darüber nachzudenken, ob bei manchen Straßen nicht in einem Aufwasch ein Komplettausbau angepackt werden sollte. Der eigentlichen Gleisbau könnte allerdings recht flott über die Bühne gehen.

Regina Poth konnte auf ermutigende Beispiele aus Düsseldorf verweisen, wo 550 Meter Schienenstrang in gerade mal sieben Tagen verlegt wurden. Solche Arbeiten würden schließlich von Teams erledigt, die sonst in Betriebspausen oder an verlängerten Wochenenden flott fertig werden müssten. Solche Leute seien ein anderes Tempo gewöhnt als etwa Straßenbauer.

Das dürfte sicher eine frohe Kunde für die Brander sein, denen der Umbau der Trierer Straße noch in den Knochen steckt. Größtenteils müsste sich der Gleisbau in Brand im Schnellverfahren abwickeln lassen, meint Poth. An anderen Stellen, etwa im Bereich der geplanten 24 Haltestellen, dürfte die „bauliche Umsetzung” wohl etwas länger dauern.

Verlegt würde der Schienenstrang in der Mitte der Trierer Straße, die jeweils linke der beiden Fahrspuren in jede Richtung müssten sich Campusbahn und Autoverkehr dann teilen. Die Bedenken des Christdemokraten Michael Jansen, dass wegen des auch von Autos befahrbaren Schienenstrangs die Fördergelder deutlich knapper ausfallen könnten, konnte Baudezernentin Gisela Nachen zerstreuen. Zwar würde eine eigene, nur für die Bahn reservierte Trasse aus gewissen Töpfen höher bezuschusst, erklärte die Beigeordnete, Wenn aber wegen der Kombi-Lösung weniger Geld aus der einen Quelle fließe, würde das durch höhere Zuschüsse an anderer Stelle wieder aufgefangen. „Wir gehen von einer Förderung von 90 Prozent bei allen Strecken aus”, so Nacken.

Verschiedene Szenarien

Die übrigen zehn Prozent machen immer noch ein hübsches Sümmchen aus. Die Verwaltung kalkuliert mit einem zusätzlichen Finanzbedarf von entweder vier oder 6,5 Millionen Euro pro Jahr. Der Unterschied ergibt sich vor allem aus den höheren Kosten bei einer sogenannten Doppeltraktion. Dann würde die Campusbahn mit jeweils zwei Wagen zwischen dem Uniklinikum und Brand verkehren - und zwei Fahrzeuge kosten üblicherweise mehr als eins.

Eins schafft aber auch nicht so viel weg wie zwei, weshalb ein höheres Fahrgastaufkommen mit der Doppel-Traktion besser zu bewältigen wäre. Dementsprechend fließen in das Rechenmodell auch noch die Einsparungen im Busverkehr ein, der dann weniger Kilometer abspulen müsste. So kommt die Verwaltung schließlich bei verschiedenen Annahmen zu verschiedenen Szenarien und unter dem Strich auch zu verschiedenen Zahlen. Doch auf eines legt Regina Poth wert: „Dieser Fahrgastzuwachs ist nicht hypothetisch, sondern entspricht Erfahrungswerten aus anderen Städten.”

Nicht das ganze Risiko

Eigene Erfahrungen haben die Kommunalpolitiker mit Bauprojekten, die am Ende etwas teuer werden als ursprünglich geplant. SPD-Verkehrspolitiker Michael Servos fürchtet denn auch, dass mögliche Mehrkosten sich alleine auf den zehnprozentigen Anteil der Stadt auswirken könnten. Nach Auskunft der Verwaltung wären solche Zuschläge aber auch förderfähig. „Es ist nicht so, dass die Stadt das komplette Riskiko trägt”, betonte Gisela Nacken. Aber Geld müsste sie erst einmal in die Hand nehmen. In den kommenden zwei Jahren müssten höhere sechsstellige Beträge für die Planungskosten in den Haushalt eingestellt werden, prophezeite Regina Poth.

Doch zu allererst müsste überhaupt eine Entscheidung für oder gegen die Campusbahn gefällt werden. Das soll erst geschehen, wenn die Kosten für das Projekt genauer ermittelt sind. Ende dieses Jahres sollen genauere Zahlen auf dem Tisch liegen, Anfang nächsten Jahres käme dann für Aachens Kommunalpolitiker der Tag der Entscheidung. Bei einem grundsätzlichen Ja (mit einem von der FDP schon erklärten Nein) gingen die nächsten Jahre dann mit Genehmigungsverfahren, Ausführungsplanungen oder Fahrzeugbeschaffung dahin.

Und irgendwann müsste man sich auch mal Gedanken darüber machen, wo die Chauffeure in Brand ihre Pause machen.
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