Aachen - Campus: Kultur unter dem Diktat der Realpolitik

Campus: Kultur unter dem Diktat der Realpolitik

Von: Sarah Maria Berners
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Großes Interesse an der Diskussionsrunde zum Mega-Projekt RWTH Campus: Auch Kultur und Freizeit spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für eine Stadt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der RWTH Campus kommt und mit ihm sollen viele Menschen - vorwiegen Akademiker - in die Stadt ziehen. Die sollen sich aber nicht nur für Aachen als Arbeitsplatz sondern auch als Wohnort entscheiden und nicht etwa von Köln täglich nach Aachen pendeln.

Dazu muss die Stadt potentiellen Zuzüglern etwas bieten - Betreuungsangebote für Kinder, Wohnungen und ein attraktives Kultur- und Freizeitangebot. Um die sogenannten weichen Standortfaktoren Freizeit und Kultur drehte sich eine Podiumsdiskussion im SuperC.

Rund 200 Zuschauer fanden sich zu der Diskussionsrunde, die von Bernd Mathieu, dem Chefredakteur unserer Zeitung, moderiert wurde, ein. In seinem Impulsreferat machte Alt-Oberbügermeister Jürgen Linden deutlich, dass die Stadt im Dreiländereck ein gutes Kultur- und Freizeitprogramm biete, welches es zu erhalten und zu stärken gelte.

Allzu hohe Erwartungen an einen Kulturboom bremste Linden ab: „Das ambitionierte Kulturpapier der Koalition steht unter dem Diktat der Realpolitik.” Angebote wie die Kurpark Classix und das Septemberspecial stünden vor Finanzierungsschwierigkeiten, da sie von Sponsoren finanziert werden, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weniger freigiebig wären. Muss der Status quo reichen, um Menschen nach Aachen zu locken?

Vorhandene Räume nutzen

„Es geht darum, unterscheidbare Alleinstellungsmerkmale zu zeigen”, betonte Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch. Unterstützt wird er von Brigitte Franzen, der Leiterin des Ludwig Forums. Die zwei Kulturschaffenden und die weiteren Podiumsteilnehmer Frithjof Kraemer (Alemannia Geschäftsführer) und Margareta Ritter (Bürgermeisterin in Monschau) haben hohe Erwartungen an den Campus.

Sie hoffen, dass (noch) mehr Menschen ihre Angebote nutzen werden und glauben, gut aufgestellt zu sein. Natürlich wären für sie ein neues Museum oder ein Haus für Musik wünschenswert. „Wir haben unser Publikum in den letzten Jahren vervierfacht und der Stadt fehlt eine solche Architektur”, sagt Generalmusikdirektor Bosch. Aber, wo kein Geld zu viel ist, da sind auch keine üppigen Investitionen möglich, auch nicht in eine neues Museum. Daran ändern auch forsche Aufforderungen aus dem Publikum nichts. „Mit solchen Forderungen kommen wir nicht weiter. Wir müssen vorhandene Räume - auch im Campus - nutzen”, betonte Franzen. „Ich denke da etwa an Kunst-Projekte im öffentlichen Raum.” An Ideen mangelt es in Musik und Kultur nicht.

Margareta Ritters Anmerkung, das es sinnvoll sei, das Angebot auf die Stadt Aachen zu konzentrieren, wurde von Jürgen Linden mit dem Vorschlag gekontert, dass sich die Städteregion doch an der Finanzierung beteiligen könne, schließlich würde das Angebot von allen genutzt. Um das Kultur- und Freizeitprogramm in Aachen überhaupt nutzen zu können, braucht es vor allem Wohnungen. „Wir haben jetzt schon eine Flucht von jungen Familien”, betont Linden und unterstrich damit seine Forderung nach hochwertigem Wohnraum. Diskutiert wird dieser Aspekt in der nächsten Runde.
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