Campus: Investoren vom Erfolg des Milliarden-Projekts überzeugt

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
6691446.jpg
Sie bauen den Campus in Aachen: (von links) Norbert Hermanns (ante4C GmbH), Marc Büllesbach (Capricorn), Hermann Brandstetter (bis November RWTH Aachen Campus GmbH), Bernd Klass (BLB Aachen), Robertino Wild (Capricorn) und Jens Kreiterling (ante4C GmbH) auf der Baustelle im Hochschulerweiterungsgebiet der RWTH in Melaten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Sie bauen auf den Campus. Sonst würden sie den Campus nicht bauen. Es ist ein landesweit einmaliges Modell. Statt dem Bau-und Liegenschaftsbetrieb als Bauherr des Landes sind es privatgewerbliche Investoren, die auf eigenes Risiko in Aachen-Melaten die Gebäude der Cluster errichten.

Zig Millionen investieren sie, international renommierte Architekten haben sie gewinnen können. Klar, sie werden, wenn ihre Gebäude stehen, als Vermieter auftreten. Die an den Clustern beteiligten Unternehmen werden Mietverträge unterschreiben. Die RWTH Aachen Campus GmbH ist letztlich so etwas wie der Makler bei der ganzen Geschichte. Doch die Investoren – am Ende sollen an Ort und Stelle rund zwei Milliarden Euro investiert werden – müssen vom Erfolg überzeugt sein, sonst würde das Düsseldorfer Unternehmen Capricorn nicht 50 Millionen Euro für das Cluster Integrative Produktionstechnik und die deutsch-niederländische „ante4C GmbH“ nicht 27 Millionen Euro in das Cluster Logistik und 11,5 Millionen in das Cluster Optische Technologien (jedenfalls in den ersten Bauabschnitt) stecken. „Der Campus wird ein Erfolg! Technologieunternehmen und Industrie spüren den Mehrwert, auf dem Aachener Campus zu forschen und zu entwickeln“, sagt dementsprechend Norbert Hermanns, geschäftsführender Gesellschafter der ante4C GmbH. „Dieses Projekt hat internationale Größe. Qualität, Architektur, Größe und Technik - alles ist erste Klasse“, erklärt Robertino Wild, Geschäftsführer der Capricorn Group.

1985 hat er das Unternehmen gegründet, gestartet ist es in der Automotive-Branche. Also in der großen weiten Welt des Automobils. Insbesondere der ganz schnellen Automobile. 19 Weltmeisterschaften wurden mit Kolben, Kurbelwellen, Zylinderlaufbuchsen, Pleueln, Gussteilen und Leichtbau aus dem Hause Capricorn gewonnen. Auch in der Luft- und Raumfahrt kommt der Marktführer zum Tragen.

Als Lotus bei seiner Rückkehr in die Formel 1 binnen fünf Monaten ein neues Auto bauen musste, vertraute der Rennstall Capricorn die Konstruktion des Monocoques und weiterer wesentlicher Bauteile. Das war im September 2009. Und in Rekordzeit gelang den Capricorn-Fachleuten dieser Coup. Irgendwann stand Capricorn an dem Punkt, besondere Anforderungen an die eigenen Häuser zu formulieren. Und begann 2002, sie selbst als Bauherr zu erfüllen. Die Capricorn Development baut – und auch hier will das Unternehmen immer ganz vorne mit dabei sein.

Capricorn ist in der Welt zu-hause. Es gibt Standorte in Charlotte (USA), Basingstoke (England), St. Etienne (Frankreich), Modena und Anzola Dell‘Emilia (Italien), Mönchengladbach und ein Testcenter am Nürburgring. Gebaut wird in der Düsseldorfer Heimat – aber auch anderswo. Das Cluster ist die erste Visitenkarte, die die Baugesellschaft in Aachen ablegt. „Wir sehen unseren Auftrag nicht nur in schönen Gebäuden, sondern in sinnhaften Projekten. Das hier ist eine ganz große Sache und nicht irgendein erweiterter Gewerbepark in Uninähe“, erklärt Wild.

Stück für Stück wächst der Campus. Der BLB NRW ist Eigentümer der Hochschulerweiterungsflächen in Melaten. Er ist für die Erschließung des Gebäudes verantwortlich. „Das ist eine spannende Aufgabe für den BLB NRW, an der Entwicklung dieser einmaligen Forschungsinfrastruktur beteiligt zu sein“, sagt Bernd Klass, Sprecher der Aachener Niederlassung des BLB.

Der neue Campus-Boulevard schlängelt sich bereits entlang der Bauflächen. „Der Campus Melaten hat eine tolle Infrastruktur. Das ist kein Gewerbegebiet. Wir bauen hier herausragende Gebäude in einem bestens entwickelten Wissenschaftspark“, sagt Norbert Hermanns. Sein Unternehmen hat die Architekturbüros Meyer en van Schoten aus Amsterdam und Kohn Pedersen Fox (KPF) aus New York gewonnen. Die bauen überall auf der Welt. „Architekten wie KPF haben die Möglichkeit, sich ihre Projekte auszusuchen. Sie haben das Potenzial des Campus erkannt“, sagt ante4C-Geschäftsführer Jens Kreiterling.

Robertino Wild hat neulich mit Renzo Piano zusammengesessen. Der Genueser Architekt hat schon am Potsdamer Platz in Berlin, dem „Nemo“ in Amsterdam oder am Centre Pompidou in Paris gewirkt. In seinem Büro hingen Pläne für einen Hochschulbau an der UCLA (University of California), Wild erzählte vom Aachener Campus. Und Piano wurde hellhörig. „Die Außenwirkung hat sich deutlich gedreht. Aachen ist der Hochschulstandort in NRW und einer der besten der Welt“, erklärt Wild.

Die Nummer 1 der Autobauer

In Aachen baut Henn Architekten (330 Mitarbeiter) für Capricorn. Das Büro ist die Nummer 1 unter den großen Automobilherstellern, wenn die bauen, Henn ist unter anderem für die Autostadt samt Gläserner Manufaktur in Wolfsburg verantwortlich. Das von Henn entworfene Cluster auf dem Campus der RWTH Aachen wird am südlichen Rand des neuen Boulevards liegen. Der Spatenstich ist für Februar 2014 terminiert, 14 Monate später soll alles stehen – mit Platz für 800 Wissenschaftler und Mitarbeiter von Unternehmen wie Audi, BMW, Daimler, Bosch, Siemens, Hilti, und, und, und. Der 50-Millionen-Euro-Komplex wird sich aus zwei Gebäudeteilen zusammensetzen: einem L-förmigen sechsgeschossigen Bürogebäude und einer eingeschossigen Versuchshalle, die bereits Ende 2014 stehen soll. Die Fassadenplanung kommt dabei aus Aachen – von Rache Engeneering.

Über 120 nationale und internationale Unternehmen sowie 30 Lehrstühle haben sich bereits für den Campus entschieden. Sechs Startcluster wurden auf den Weg gebracht: Logistik, Integrative Produktionstechnik, Optische Technologien, Bio-Medizintechnik, Schwerlastantriebstechnik und Umweltfreundliche Energietechnik. Erste Gebäude wie das „Heavy Drive Center“ des Clusters Schwerlastantriebstechnik oder das Zentrum für Bio-Medizintechnik stehen bereits.

„Es hat etwas länger gedauert. Und wenn man realistisch ist, hätte man das erwarten müssen. Die Planung war langwierig und komplex“, berichtet Wild. Aber nun geht es eben sichtbar voran. „Entweder ist man hier oder gar nicht dabei. Das hier ist kein Shopping-Center, wo man die Wahl hat, nach Oberhausen oder Essen zu gehen. Dieser Campus wird die Kraft des Faktischen haben.“

Entscheidend für die Region

Davon war Norbert Hermanns von Anfang an überzeugt: „Ich habe sehr früh erkannt, dass das Campus-Projekt für die wirtschaftliche Entwicklung der Region das ent-scheidende Projekt ist. Es geht hier nicht um einen kurzen Impuls. Es gab hier Nadeln und Kohle, es gibt noch Süßwaren, aber die Wissensindustrie ist die tragfähigste für die Region“, erklärt er. Und: „Es gab in Deutschland eine Wahrnehmung Aachens vor Campus, und es gibt eine seit Campus. Aachen ist nicht mehr nur Fußball, Reitturnier und Karlspreis. Es wird ganz anders wahrgenommen. Wir bekommen viele Anfragen im Bereich Wohnungsbau und Einzelhandel, mehr als wir herstellen können.“

Hermanns sieht den Campus so als Motor für die gesamte Region. „Wir müssen nun die Frage stellen, wie es uns gelingen kann, die Absolventen in Aachen zu halten. Die Menschen müssen hier wohnen und arbeiten können. Wir reden über kaufkräftige Gruppen, über Unternehmensgründer, die neue Arbeitsplätze schaffen. Hier wird viel passieren“, sagt der Investor. „Es muss einfach cool sein, nach Aachen zu ziehen, weil der anspruchsvolle Akademiker hier findet, was er sucht.“

Und so bleibt am Ende ein Satz stehen, der letztlich auch die Investoren auf dem Campus bewegt hat: „Man schaut nicht nur in Deutschland, was da in Aachen passiert“, sagt Norbert Hermanns.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert