Camp Pirotte: Millionen-Kur für extrem unschöne Brachfläche

Von: Alfred Stoffels
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Abreißen und Sanieren heißt die Devise: Das frühere belgische Militärlager „Camp Pirotte” in Brand soll für fast zehn Millionen Euro zu einem Gewerbegebiet hergerichtet werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Man sieht es dem Gelände nicht an, aber auf diesem Teil der Brander Heide fand das erste Pferderennen nach englischer Manier auf deutschen Boden statt. Das ist lange her, ziemlich genau 190 Jahre, und seitdem hat sich Camp Pirotte, wie das Areal heute heißt, in eine extrem unschöne Brachlandschaft verwandelt, nach Installation einer Waggonfabrik, Nutzung durch deutsches und belgisches Militär und zuletzt jahrelangem (Fast-)Leerstand.

Dennoch ist die Stadt Aachen froh und erleichtert, die 140.000 Quadratmeter nach zähem Rechtsstreit in ihren Besitz gebracht zu haben - dort soll nun ein Gewerbegebiet für kleine und mittlere Unternehmen entstehen.

Weg müssen unter anderem auch 35.000 Tonnen Schlacke

Zuvor muss allerdings eine Menge Geld in die Hand genommen werden. Rund 9,5 Millionen Euro sind nötig, um das Terrain zu erschließen, nach „konservativer Wirtschaftlichkeitsberechnung”. Bis Sommer 2011 soll das Sanierungs- und Abbruchkonzept stehen; eine der aufwändigsten Einzelmaßnahmen dürfte der Abtransport von 35.000 Tonnen Schlacke sein, mit der das unebene Gebiet verfüllt wurde. Das bedeutet zahllose Lkw-Fahrten, für die eine Passage durch unbewohntes Gelände Richtung „Erdbeerfeld” (Debyestraße) geschaffen werden soll.

Ansonsten ist Gerhard Kmoch, Geschäftsführer des Altlastensanierungs- und -aufbereitungsverbands NRW (AAV) sicher, dass Camp Pirotte in puncto Entsorgung „kein hochriskantes Vorhaben” darstellt. Ob dennoch das Auftreten giftiger Stäube möglich ist, soll ein Gutachten klären. Die Stadt hat sich die Kompetenz der Fachleute gesichert, indem sie die AAV als formalen Projektträger mit ins Boot geholt hat.

Bezirksbürgermeister Herbert Henn, Bezirksamtsleiterin Marianne Krott sowie Edmund Feiter und Anette Reinholz vom Fachbereich Immobilienmanagement zeigten sich vor der Presse sehr zufrieden, dass es nun vorangehen könne auf Camp Pirotte, das bis 1995 von den Belgiern als Militärlager genutzt wurde. Weniger Begeisterung herrschte über das Verhalten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die die 14 Hektar vor gut fünf Jahren trotz Vorkaufsrechts der Stadt Aachen und besseren Angebots an einen privaten Interessenten veräußert habe. Die Folge waren juristische Auseinandersetzungen durch mehrere Instanzen.

Die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen

Zwischenzeitlich wurde Camp Pirotte als Palettenlager und für Paintball-Spiele genutzt, mehrmals brannte es, das Grundstück war nicht richtig gesichert, so dass jeder Unbefugte wohl Zutritt hatte. Als eine Delegation der Stadt die neue Erwerbung inspizierte, „haben wir die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen” (Reinholz), so malad sei der Zustand des ganzen Objekts gewesen, offene Kanalschächte und einsturzgefährdete Baracken inklusive.

Als erstes hat die Stadt daher ein Verkehrssicherungskonzept umgesetzt: Die Löcher in dem Riesenzaun wurden geflickt, Gefahrenstellen wurden beseitigt, das Camp wird jetzt regelmäßig kontrolliert, die Polizei unternimmt gezielte Beobachtungsfahrten. Das Betretungsverbot ist total, Schilder mit Totenkopf sollen ungebetene Gäste abhalten.

Der Ablaufplan: Noch in diesem Winter wird gerodet, im Frühjahr folgt der Abriss der so genannten „Becker-Halle” (die eine Weile von der gleichnamigen Tuchfabrik genutzt wurde), dann geht es an Kanal- und Straßenbau. Zuvor aber soll das Erdbeerfeld eingebunden werden, damit die Laster nicht über die Nordstraße fahren müssen. Im Sommer 2012 sollen die Arbeiten beendet sein.

Auf einen Schlag würde die Stadt ihren Bestand an erschlossenen Gewerbegebieten (180.000 Quadratmeter) fast verdoppeln. Die Nachfrage sei vorhanden, so Feiter, der betonte, im Brander Nordwesten würden sich tatsächlich nur kleine und mittlere Betriebe ansiedeln, „eine große Fabrik wird es nicht geben”.
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