Aachen - Camp Hitfeld: Wieder droht der Stadt eine Schlappe

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Camp Hitfeld: Wieder droht der Stadt eine Schlappe

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Vom Ladenhüter zum Zankapfel: Seit die Immobilienentwickler der Landmarken Camp Hitfeld gekauft haben, ist auch die Stadt daran interessiert, hier ein Gewerbegebiet zu entwickeln. Foto: Manfred Kistermann
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Militärbrache mit Entwicklungspotenzial: Das Gelände könnte für Zulieferbetriebe der E-Mobile genutzt werden. Foto: Manfred Kistermann
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Wird es künftig noch gebraucht? Blick auf das Wasserwerk Eicher Stollen im Aachener Süden. Foto: Stephan Kreutz

Aachen. Vor Gericht musste die Stadt in letzter Zeit einige Schlappen verkraften, und es deutet sich an, als könnte die unschöne Serie auch im Streit um die Militärbrache Camp Hitfeld fortgesetzt werden. Für die Stadt scheinen die Chancen schlecht zu stehen, mit ihrem Vorkaufsrecht noch zum Zuge zu kommen und das ehemalige Belgier-Camp selbst in Besitz nehmen zu können.

Namentlich will sich dazu niemand äußern – schon weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, für das nicht mal ein Gerichtstermin angesetzt ist, aber auch, weil der kleine Funke Hoffnung noch glimmt, das knapp 38 Hektar große Gelände dem Aachener Immobilienentwickler Landmarken noch wegschnappen zu können.

Besonders gekonnt ist das allerdings nicht vorbereitet worden, wie viele Politiker hinter vorgehaltener Hand beklagen und wie sich unter anderem auch daran zeigt, dass die im Jahr 2005 erlassene Vorkaufssatzung in diesen Tagen auf die Schnelle nachgebessert werden muss – und zwar rückwirkend.

Anfangs hieß es noch, man wolle das ehemalige Kasernengelände städtebaulich für den Breitensport und Freizeitnutzungen sowie Renaturierungsmaßnahmen entwickeln. Fünf Jahre später lautete das neue Ziel, dort ein riesiges Solarfeld aufzubauen und Sonnenstrom zu ernten. Inzwischen zieht die Stadt jedoch längst – neben den geschützten Bereichen des Augustinerwalds und den Aufforstungsflächen – die Entwicklung eines Gewerbegebiets in Betracht.

Eine „Fehlerheilung“

Dieses neue städtebauliche Ziel soll so auch in der neuen Vorkaufssatzung für den Bereich zwischen Autobahn A 44, Augustinerwald, Augustinerweg und Hitfelder Straße festgeschrieben werden – rückwirkend zum 30. Oktober 2017. Die Stadt bezeichnet das als „Fehlerheilung“ und verbindet damit offenbar die bescheidene Hoffnung, ihre Position im Rechtsstreit mit Landmarken verbessern zu können. Landmarken hatte Anfang des Jahres bekanntgegeben, das seit 1992 brach liegende und mit Altlasten verseuchte Gelände erworben zu haben – zu einem Quadratmeterpreis von 1,90 Euro. Nur wenige Tage später hat die Politik einstimmig beschlossen, das Vorkaufsrecht geltend zu machen und das Gelände in städtischen Besitz zu bringen. Dagegen ist derzeit die Klage von Landmarken anhängig.

Dass der einstige Ladenhüter heute so begehrt ist, ist auf die enorme Wertsteigerung zurückzuführen, die der künftige Grundstückseigentümer mit einiger Berechtigung erwarten kann. Denn zum Zeitpunkt des Verkaufs wurde auch bekannt, dass das dortige Wasserwerk Eicher Stollen möglicherweise nicht mehr für die Wassergewinnung benötigt wird. Erst die Aufhebung der Wasserschutzzone würde die Ansiedlung von Gewerbe in dem sensiblen Bereich möglich machen.

Ob der Eicher Stollen tatsächlich aufgegeben wird, ist längst nicht gewiss, wie auch Stawag-Sprecherin Eva Wußing betont. Umfangreiche Gutachten müssen noch eingeholt und bewertet werden, bevor der Stawag-Aufsichtsrat über die Zukunft der Wassergewinnung in der Stadt entscheiden wird. Angesichts des zurückgehenden Wasserverbrauchs in Aachen stehen alle Wasserwerke der Stawag auf dem Prüfstand. Vor Ende des Jahres dürften die Stellungnahmen jedoch kaum vorliegen.

Hoher Reinigungsaufwand

Gegen den Weiterbetrieb des Eicher Stollens, dem ältesten Wasserwerk der Stadt, spricht angeblich der hohe Aufwand, der dort betrieben werden muss, um die Trinkwasserqualität sicherzustellen. Die Grünen haben sich dennoch jüngst für den Erhalt des Eicher Stollens ausgesprochen – wohl auch, um damit der Bürgerinitiative Rückendeckung zu geben, die im Aachener Süden seit Jahren für den Erhalt des Augustinerwalds kämpft und die ihre Arbeit im Zuge der nun bekanntgewordenen Pläne für ein Gewerbegebiet wieder aufgenommen hat.

Deren größte Sorge ist, dass mächtige Schneisen in den Augustinerwald geschlagen werden könnten, um das Gelände verkehrlich erschließen und über die Monschauer Straße an die nahe Autobahn anbinden zu können. Ein wertvolles Erholungsgebiet gehe damit verloren, fürchtet die Initiative, die den beschwichtigenden Erklärungen, die Oberbürgermeister Marcel Philipp noch im März in der Ratssitzung gegeben hat, keinen Glauben schenkt. Tatsächlich hat sich Philipp in den zurückliegenden Monaten über Camp Hitfeld widersprüchlich geäußert, was ihm auch seitens der Politik vorgeworfen wird.

Win-win-Situation?

Angesichts der schwachen Position der Stadt gibt es in Politikerkreisen derzeit auch die Forderung, den Rechtsstreit mit Landmarken doch besser außergerichtlich zu klären und beizulegen. Sie erhoffen sich eine Win-win-Situation für beide Seiten. Landmarken könne dann das Gewerbegebiet entwickeln, von dem auch die Stadt profitiere. Die Stadt wiederum würde Landmarken nicht länger Steine in den Weg legen und die Entwicklung auch planungsrechtlich zügig vorantreiben.

Geduld ist angesichts der vielen offenen Fragen allerdings so oder so gefragt: Was passiert mit dem Eicher Stollen? Wer kriegt den Zuschlag für das Gebiet? Wie kann es überhaupt erschlossen werden? Bis alles beantwortet ist, können problemlos noch vier bis fünf Jahre ins Land gehen, sind die Kenner der Materie überzeugt. Der Aufwand sei jedoch nötig, weil die Stadt mehreren Studien zufolge einen erheblichen Mangel an Gewerbeflächen habe und in den nächsten 20 Jahren mehr als 100 Hektar zusätzlich benötige. Das Gelände am Augustinerwald ist unter anderem für Zulieferer der Aachener Elektroauto-Produktion im Gespräch.

 

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