Aachen - Café Zuflucht: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Aachener Flüchtlingsberater

Christopher Robin Kino Freisteller Winnie Puuh

Café Zuflucht: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Aachener Flüchtlingsberater

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
16992761.jpg
„Heute keine Beratung“: Im „Café Zuflucht“ hofft man, dass dieser Aushang kein Dauerzustand wird. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derweil gegen zwei Mitarbeiter. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Passanten, die an diesem Morgen kurz vor Weihnachten am „Café Zuflucht“ in Aachen vorbeigingen, trauten ihren Augen kaum, als sie Polizisten in dem Haus sahen, in dem normalerweise Flüchtlingen geholfen wird. Die Beamten von Bundespolizei und Staatsanwaltschaft trugen Computer aus dem Haus und Handys, elektronische Geräte aller Art.

Ein Mitarbeiter des Cafés drohte damit, einen hochrangigen Amtsträger einzuschalten, doch die Beamten ließen sich nicht beirren. Mittlerweile wird gegen zwei der acht hauptamtlichen Mitarbeiter des „Café Zuflucht“ ermittelt, der Verdacht: Beihilfe zum Einschleusen von Ausländern. Andrea Genten vom Trägerverein des „Café Zuflucht“ sprach am Montag von „erheblichen Vorwürfen“.

Einer der Beschuldigten ist Adnan R. (anonymisiert), er kam Ende der 1980er aus Mazedonien nach Deutschland und bezeichnet sich selbst mittlerweile als Rheinländer. Er gehört zum Volk der Roma und ist seit elf Jahren hauptamtlicher Mitarbeiter im „Café Zuflucht“. Ein ruhiger, zugewandter Mensch Anfang 40, ein engagierter Flüchtlingsberater, jemand, der die Rechte von Ausländern in Deutschland sehr genau kennt. Im Herbst 2016 wurde Adnan R. in Aachen mit dem Maria-Grönefeld-Preis für besonderes soziales gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet, der damalige Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz (SPD), schickte ein Grußwort nach Aachen, das bei der Preisverleihung verlesen wurde. „Wenn ich Menschen wie Adnan R. sehe“, stand in Schulz‘ Grußwort, „ist mir um Europa nicht bange.“

2017 war nach Recherchen unserer Zeitung im Ausländeramt der Städteregion Aachen aufgefallen, dass aus der Gegend von Kumanovo, einer Stadt im Norden Mazedoniens nicht weit von der serbischen Grenze entfernt, immer wieder Roma-Familien gezielt nach Aachen kamen. Innerhalb eines Jahres waren hunderte Roma aus der Region Kumanovo in Aachen registriert worden. Das mag angesichts der vielen Zuwanderer keine große Zahl sein, doch so viele Menschen einer einzigen Volksgruppe aus einem einzigen Gebiet in Mazedonien, 2000 Kilometer von Aachen entfernt? Das Ausländeramt informierte die Staatsanwaltschaft.

Ermittlungen dauern an

Viele der Roma aus Kumanovo hatten sehr ähnliche Anträge beim Ausländeramt eingereicht, und die Ermittlungen ergaben, dass viele der Roma im „Café Zuflucht“ von Adnan R. beraten worden waren, der selbst aus Kumanovo stammt. In Kumanovo, erzählten Zeugen den Ermittlern, sei das Aachener „Café Zuflucht“ ein Begriff.

Die Ermittlungen gegen Adnan R., eine Kollegin und drei weitere Beschuldigte, die allerdings mit dem „Café Zuflucht“ nichts zu tun haben, dauern an, und sie sind kompliziert. Es braucht Zeit, bis alle im Dezember sichergestellten Geräte ausgelesen und ausgewertet sind. Ein weiteres Hindernis ist offenbar, dass die anderen Mitarbeiter des „Café Zuflucht“ lange nicht mit der Staatsanwaltschaft kooperiert haben. Wie Jost Schützeberg, Sprecher der Ermittlungsbehörde, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, habe keiner der hauptamtlichen Mitarbeiter eine Aussage machen wollen, alle hätten sich auf ein Auskunftsverweigerungsrecht berufen. Es bestehe die Gefahr, hätten die Mitarbeiter argumentiert, dass sie sich durch eine Aussage selbst belasten würden.

Mittlerweile sind vier hauptamtliche Mitarbeiter von einem Richter vernommen worden. Einer ist zur Vernehmung nicht erschienen. Es bestehe derzeit kein Verdacht, erklärte die Staatsanwaltschaft am Montag, dass weitere Mitarbeiter des „Café Zuflucht“ sich strafbar gemacht haben könnten.

 

Die Homepage wurde aktualisiert