Aachen - Café Cest la Via macht dicht

Café Cest la Via macht dicht

Von: Georg Dünnwald
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Horst Bauer, Beate Haupt, Marg
Horst Bauer, Beate Haupt, Margit Hammer, Gabriele Jülich und Ursel Graff-Meisenberg (v.l.) sind betroffen. Seit dem 1. September
ist das Café „Cest la Via” im Preuswald geschlossen. Es war der letzte Anlaufpunkt für die Bürger. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Knapp drei Jahre diente das Café „Cest la Via” im Preuswald als Bürgertreff. Am vergangenen Donnerstag hat es dicht gemacht. Für die mehr als 2000 Bürger des Preuswalds ist das fatal.

Margit Hammer, die im vor rund 40 Jahren aus dem Boden gestampften Quartier wohnt, klagt: „Das Café war die einzige Anlauf­stelle, wenn man mal raus wollte, sich mal einfach bei einem Tässchen Kaffee und einem Stückchen Kuchen mit netten Leuten unterhalten wollte.” Auch Horst Bauer, der ebenfalls im Viertel lebt, ist traurig: „Im Café konnte man auch mal Wünsche äußern, wenn man etwas Besonderes auf dem Teller haben wollte.”

Das ist jetzt perdu. Weil das Bundesarbeitsministerium die Fördermittel für jugendliche Arbeitslose stark gekürzt hat. In die Städteregion fließen beispielsweise 14 Millionen Euro weniger. Bei knapp 7000 Menschen ohne Arbeit macht das pro Erwerbslosen, darunter nicht nur junge Menschen, immerhin 2000 Euro weniger aus.

Das Qualifizierungsprojekt von In Via absolvierten jährlich etwa 130 junge Menschen. „Immerhin haben rund 60 Prozent der Teilnehmer es geschafft, eine Lehr- oder eine Arbeitsstelle zu bekommen”, verdeutlicht Gabriele Jülich, Geschäftsführerin von In Via, einer der Caritas nahestehenden katholischen Organisation, den Erfolg mühseliger Arbeit.

Die jungen Leute wurden für Berufe im Hotel-und Gaststättengewerbe qualifiziert. sie hatten im vorgestern geschlossenen Café die Möglichkeit, die Arbeit hautnah kennenzulernen, brauchten also keine Trockenübungen zu absolvieren.

Die vorwiegend älteren Stammbesucher des Cafés loben die jungen Menschen über den grünen Klee. „Die gingen richtig auf.” Was auch Ursel Graff-Meisenberg bestätigt. Die hauptberufliche Leiterin des Cafés von einem jungen Mann, der von der Polizei zu den jugendlichen Intensivtätern gezählt wurde. „Der kam morgens pünktlich, die Arbeit machte ihm sichtlich Spaß. Nach einem Praktikum in einem Hotel-Restaurant bekam er einen Lehrvertrag.” Ein großer Erfolg also, dem jetzt das Ministerium von der Leyen einen Riegel vorgeschoben hat.

Keine Miete fürs Café

Die Deutsche Annington, der ein Großteil der Wohnungen im Preuswald gehört, hatte die Café-Räume der In Via kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit dem Wohnungs-Unternehmen, der Stadt Aachen und anderen bildet In Via den Arbeitskreis „Preuswald” , um neue Perspektiven für den Stadtteil zu entwickeln und auch zu verhindern, dass er ein soziales Problemviertel wird. Denn im Quartier gibt es zu wenige Angebote für die Bewohner, der von In Via unterhaltene gemeinnützige Laden besteht aber weiter.

„Ich habe, als ich von der Schließung des Cafés hörte, Unterschriften dagegen gesammelt. Da haben viele Leute ihre Unterschrift gegeben. die Unterschriften habe ich vor Wochen an Oberbürgermeister Marcel Philipp weitergegeben. Bis heute warte ich auf Antwort”, sagt Margit Hammer.

„Obwohl der OB doch den Preuswald zur Chefsache erklärt hat”, schüttelt die In-Via-Vorsitzende Beate Haupt den Kopf, zurzeit gebe es null Alternativen. Auch dass ein Stadtteilbüro immer noch nicht eingerichtet sei, gibt ihr zu denken. „Das soll aber bald kommen, obwohl es schon seit längerem angekündigt ist.”

Jetzt denken die In-Via-Verantwortlichen darüber nach, was geschehen kann. Denn der Preuswald liegt weitab vom Schuss, „die Leute aber wollen auch mal raus und können dann nur per Bus in die Stadt”, erklärt Gabriele Jülich.

Deshalb regt sie an, dass Ehrenamtler wenigstens einmal die Woche das Café öffnen.

Kontakt: zentrale@invia-aachen.de, Telefon 0241/609 08 12.
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