Busausfälle: Verdi wirft der Aseag Versäumnisse vor

Von: Gerald Eimer
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Die Aseag-Busse müssen am Woc
Die Gewerkschaft Verdi macht die Aseag-Spitze für die vielen Busausfälle und die gegenwärtige „Personalunterdeckung im Fahrdienst“ mitverantwortlich. Foto: M. Jaspers

Aachen. Die Gewerkschaft Verdi macht die Aseag-Spitze für die vielen Busausfälle und die gegenwärtige „Personalunterdeckung im Fahrdienst“ mitverantwortlich. „Jahrelang wurde es versäumt, entsprechend ausgebildetes Personal einzustellen“, heißt es in einer Presseerklärung.

Zugleich sei seit langem vor den Folgen der hohen Belastungen gewarnt worden, denen die Fahrer ausgesetzt seien, und die sich nun in einem höheren Krankenstand niederschlagen würden. Die gravierenden Probleme, die viele Aseag-Kunden in den letzten Wochen zu spüren bekommen haben – alleine am vergangenen Freitag sind 110 von insgesamt rund 3500 Fahrten ausgefallen –, werden nach offizieller Lesart in erster Linie auf die vielen Krankmeldungen, aber eben auch auf eine vor Jahren begonnene „Restrukturierung“ des Betriebs zurückgeführt. Dazu gehört unter anderem auch ein neuer Tarifvertrag für Busfahrer, die seit 2001 nur noch bei der Aseag-Tochter Esbus angestellt werden. Kritiker sagen, dass dies einerseits zu einer „Leistungsverdichtung“ geführt habe, andererseits die Bezahlung schlechter geworden sei.

Doch dass sich in dem hohen Krankenstand auch eine allgemeine Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen bei der Aseag ausdrücke, glaubt weder Betriebsrat Claus Schramm, noch Aseag-Chef Michael Carmincke. „Busfahren ist stressig“, sagt Schramm, „und die Belastungen nehmen zu.“ Vor allem ältere Fahrer leiden darunter. Traditionell verzeichneten alle Verkehrsunternehmen einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand.

Warum das Problem in Aachen derzeit so akut ist, fragt sich nun allerdings auch der Aseag-Aufsichtsratsvorsitzende Heiner Höfken. Doch auch er weiß, dass die Personaldecke knapp ist. „Wir sind gezwungen zu sparen“, sagt der Sozialdemokrat. Immerhin 19 Millionen Euro lässt sich die Stadt derzeit jährlich den öffentlichen Nahverkehr kosten – bei sinkenden Landeszuschüssen und steigenden Spritpreisen. „Und die Fahrpreise sollen ja auch noch im Rahmen bleiben.“

„Bugwelle abbauen“

Dennoch sollten die Fahrgäste eigentlich nichts von internen Umstrukturierungen merken, sagt Carmincke – sprich: Busausfälle sollen möglichst vermieden werden. „Das geht an die Ehre der Disponenten, die notfalls sogar selber einspringen und fahren“, versichert er. Dass man nicht früh genug mehr Fahrer eingestellt und vorgesorgt habe, will er sich jedoch nicht nachsagen lassen.

Alleine in den letzten vier Jahren habe man mehr als 100 neue Fahrer eingestellt – ebenso viele sollen noch in den nächsten zehn Jahren hinzukommen, was in etwa der Zahl ausscheidender Fahrer entspricht. Dennoch gebe es Schwankungen, die nicht immer planbar seien. Und so habe sich die Aseag in diesem Jahr entschieden, erstmals auch zehn Fahrer „über Bedarf“ einzustellen. Damit wolle man auch eine „Bugwelle von Überstunden“ abbauen, die sich aufgestaut habe.

Gut fünf Monate dauert es, bis die Fahrer ihren Führerschein haben, Linien und Bustarife kennen und damit fit für den Job bei der Aseag sind. Gleich nach den Sommerferien sollen 18 frischgeschulte Fahrer ihren Dienst in der roten Flotte aufnehmen. Carmincke erhofft sich davon eine deutliche Entspannung. Denn einen „stillen Protest“ gegen schwierige Arbeitsbedingungen will auch er nicht aus dem derzeitigen Krankenstand ablesen. „Das sehe ich nicht“, sagt er. Die Einsatzbereitschaft der Fahrer sei groß. Das belege auch die CHIO-Turnierwoche, bei der in diesem Jahr auf mehr als 2600 Fahrten gut 122.000 Fahrgäste befördert worden seien. Rund 2250 Stunden haben die Aseag-Mitarbeiter dafür in einer Woche zusätzlich abgeleistet.

Ob in dieser Woche erneut mit vielen Fahrtausfällen zu rechnen ist, konnte Carmincke am Montag noch nicht absehen. Aktuelle Informationen dazu gibt es im Internet unter www.aseag.de. Möglichst noch in diesem Jahr soll ein weiterer Service eingerichtet werden: Echtzeit-Abfahrtszeiten können dann auch per Smartphone abgerufen werden.

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