Aachen - Burtscheid ist froh: Brunnen darf wieder fließen

Burtscheid ist froh: Brunnen darf wieder fließen

Von: Werner Czempas
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Wasser marsch: OB Marcel Philipp (Mitte) setzte am Samstag den Thermalbrunnen auf dem Burtscheider Markt wieder in Betrieb. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Die Burtscheider, wissen die Alten, haben sich mit ihrem Thermalwasser die Erbsensuppe gekocht. Geschlachtete Schweine und Hühner damit abgebrüht. Das Kochen von Eiern im heißen Wasser zählte zu den Attraktionen. Und samstags haben sie sich daheim in der Zinkwanne darin abgeschrubbt.

Bis in unseren Tagen hohe Herren meinten „Schluss mit dem Zauber” und den Hahn abdrehten. Das haben die Burtscheider nicht geschluckt - und jetzt sprudelt das Wasser eben wieder.

Aller Ärger fing damit an, dass der Trinkbrunnen am Burtscheider Markt in die Jahre gekommen war. Platten fielen herunter, Gestrüpp ringsum, ungepflegt sah die Anlage aus. Der alte Brunnen wurde restauriert. Nach getanem Werk erklärte der Kölner Regierungspräsident: Schöner Brunnen, aber das Wasser darf nicht mehr laufen. Unhygienisch. Gesundheitsgefährdend. Die Burtscheider dachten an ihre Erbsensuppe, die Eier, die Schweine und Hühner und an ihr wohliges Badewasser, schüttelten ungläubig den Kopf - und protestierten mit vereinten Kräften aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung. Die Kölner gaben nach zähen Disputen nach. Der Spuk war zu Ende.

„Alles wird wieder gut. Das Wasser fließt wieder”, rief denn auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, als er am Samstag auf dem Burtscheider Markt an der Ecke Hauptstraße für den restaurierten Brunnen „Wasser Marsch!” kommandierte. Der OB ist Experte in Sachen Burtscheider Thermalwasser: In der nahen Bendstraße aufgewachsen, sei es in seiner Kinderzeit selbstverständlich gewesen, aus dem immer mitgeführten Klappbecher vom Thermalwasser zu trinken. Philipp: „Das Wasser steht für Aachen, für seine Wirtschaft, für das Kurwesen, für die Medizin, für Burtscheid. Das Wasser steht für die Öcher Seele.”

Wie sehr es für die Öcher Seele steht, zeigten zuvor Kinder der Schule Am Höfling in einem zauberhaften Spiel mit dem einer Zinkwanne entsteigenden „Quellgeist Granni”. Den kauzigen, grau-blauen Wasserkobold spielte mit netzumschlungen grüner Handpuppe Stephan Wunsch vom Puppenspiel Rosenfisch so meisterlich, dass die Kinder im Rollenspiel ungezwungen und heiter dem Publikum von ihrem großen Abenteuer erzählten: Sie haben die Quellpatenschaft für den restaurierten Trinkbrunnen übernommen, messen jeden Tag mit einem elektronischen Thermometer die Temperatur des Wassers und tragen alle Daten in Tabellen ein und legen Arbeitsblätter an. Auch das Blumenbeet wollen sie hübscher gestalten. Quellgeist Granni applaudierte entzückt: „Ganz schön fleißig.”

Humorvoller Vortrag

Applaus verdient hatte auch Stadtführer Michael Prömpeler, der gemeinsam mit dem „Ur-Burtscheider” Ralf Dentzler und der Bürgerstiftung Lebensraum eine text- wie bilderreiche Ausstellung und einen von ihm gewohnt humorvollen Vortrag über die Geschichte Burtscheids und seine Thermalquellen präsentierte. „Kein Trinkwasser” mahnt ein Schildchen am Marktbrunnen, doch Prömpeler gibt Entwarnung: „Richtig, kein Trinkwasser, es ist ein Heilwasser. Burtscheider Thermalwasser entschlackt den Körper, ein bis zwei Gläschen sind gesund.”

Nicht nur am Trinkbrunnen wurde gefeiert. Ein paar hundert Meter weiter an den Kurparkterrassen ging das sonnenbeglückte Burtscheider Festwochenende weiter. Die IG Burtscheider Vereine hatte eingeladen zum traditionellen Lichterfest. Als die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen schickte und im Kurpark über den prachtvollen alten Bäumen die Weltkugeln auf den Kuppeln von St. Michael und St. Johann golden strahlten, bot sich ein märchenhaftes Panorama: Auf dem Rasengrün leuchteten Tausende Teelichter in blauen, roten, gelben und transparenten Bechern in die Dämmerung.

Die vielen Zuschauer pilgerten an neun Schaubildern vorbei. Die St. Johannes-Schützen wiesen mit gelber Armbrust auf ihre 125 Jahre, eine Fontäne sprudelte beim Burtscheider Bürgerverein, mit „Gut Schuss und in Freundschaft” grüßten die Tellen und die Benediktiner Jonge, die rot-blaue elegante Narrenkappe der KG Lachtauben gefiel wie der trutzige Helm der HG Spritzemänner, die Gilde 1882 reckte riesige Armbrust, bei Bona Vitae blitzte gelb die Sonne auf, das Emblem der St. Hubertus-Schützen kletterte mit großem Hirschkopf und -geweih hügelan, und als erste zündeten die Sportler vom VfL 1905 ihren großen Lichter-Fußball.

Gastronom Ralf Bremen bot auf seinen Kurparkterrassen ein nicht abreißendes Programm. Punkt 22 Uhr schoss die erste Salve des Feuerwerks in den Himmel. Ruhe über „Botsched bovver Oche”.
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