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Bunker: Richter stoppen vorläufig die Probesprengung

Von: Heiner Hautermans
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Fachbereichsleiter Fauck am Dienstagvormittag vor der Bunker-Baustelle, die inzwischen von rund 3000 Quadratmeter Schallschutzwand auf drei Seiten umgeben ist – auch das eine Auflage. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Um 11.30 Uhr sollte am Dienstag probegesprengt werden. Am Fuße des Lousbergs, auf dem Abbruchgelände zwischen Rütscher und Försterstraße, wurde aber kein Ammongelit gezündet, das Verfahren zur weiteren Entfernung des Luftschutzbunkers war gleich von zwei Gerichten gestoppt worden.

Einmal vom Verwaltungsgericht Aachen, das von Anwohner Prof. Christoph Schulten angerufen war. Er hatte unter anderem moniert, dass der unterirdische Verbau an der Försterstraße nicht fachgerecht ausgeführt sei. Diese Betonpfähle im Untergrund sollen ein Abrutschen in die Baugrube verhindern. Auch sei eine falsche Entfernungsangabe im Sprenggutachten zwischen der störenden und anders nicht zu entfernenden Betondecke und seinem Haus gemacht worden. Außerdem erließ das Landgericht Aachen eine einstweilige Verfügung, die die Sprengung ebenfalls untersagt. Sie war von Immobilienbesitzern an der Nizzaallee erwirkt worden, die Schäden an einer Stützmauer befürchten. Bei einer „Zuwiderhandlung“ werden 250.000 Euro Ordnungsgeld angedroht.

Statt der Probedetonation in der Bunkerdecke fand deshalb um 11.30 Uhr im Baucontainer der niederländischen Abbruchfirma ein großer Ratschlag aller am Verfahren Beteiligten statt, von den Unternehmern über Architekten, Sprengexperten bis hin zu Vertretern von Stadt und Bezirksregierung. Darunter Detlev Karsten, Geschäftsführer des Bauherrn, der Lousberg Höfe GmbH: „Wir sind heute Morgen überrascht worden.“ Der Architekt kündigte an, dass seine Anwälte gegen die Verfügung des Landgerichts rechtliche Mittel einlegen werden. „Wir überlegen, wie es weitergeht, und hoffen, dass wir irgendwann sprengen können.“

Luft und Zeit

Für die Stadt war Martin Fauck, Fachbereichsleiter Bauaufsicht, an den Ort des (Nicht-)Geschehens geeilt. Auch er hält es für möglich, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Das Verwaltungsgericht habe ja noch keine Entscheidung getroffen, sondern nur gesagt, dass es noch Zeit brauche und zwei Punkte offen seien. Einmal gehe es um die Entfernung zwischen den Sprenglöchern und dem Haus des Antragstellers, die tatsächlich 20 Meter betrage, 12 Meter sei nur die Bunkerecke von dessen Haus entfernt. Zum anderen gehe es um die Schutz- und Sicherheitsvorkehrungen, die jetzt schon sehr groß seien, aber noch einmal verschärft würden: „Da kommen riesige Matten drauf.“

Aus reiner Vorsicht habe man die Auflagen erteilt, die angrenzenden Straßen zu sperren und die umliegenden Häuser zu räumen. Wenn nun noch mehr Matten draufgepackt würden, brauche man diese Maßnahmen nicht mehr, dann werde die Schutzzone auf den Baustellenbereich selbst begrenzt: „Wir sitzen hier zusammen und beraten, wie man das in der Sprenganzeige formuliert.“ Fauck ist zuversichtlich, dass das Verwaltungsgericht „die Sprengarbeiten bald wieder freigibt“.

Bei der Bürgerinitiative Lousberg, die vergeblich gegen den Abriss gekämpft hatte und die jetzt für die Einbeziehung der noch stehenden Bunkerreste in das Neubauvorhaben (hochwertige Eigentumswohnungen und Stadthäuser) eintritt, ist man froh über die Gerichtsanordnungen. Herrmann Tücks: „Das verschafft uns etwas Luft und Zeit in der Argumentations- und Überzeugungsarbeit. Man darf sich nicht alles gefallen lassen.“ Sollte gesprengt werden, erwartet er auf Dauer größere Schäden. Jetzt schon habe sich ein Hausbesitzer von der Ecke Lousbergstraße/Försterstraße gemeldet, dem Steine in den Kamin gefallen seien: „Dieser muss nun aufgeschlagen werden.“

Projektentwickler Norbert Hermanns, der Mann hinter der Lousberg Höfe GmbH, sieht auf der Gegenseite jetzt nur noch Einzelakteure am Werk: „Es gibt nur wenige Anwohner, die den Abriss verhindern wollen. Auf der anderen Seite sind aber viele vorhanden, die möchten, dass der Abriss jetzt möglichst rasch und störungsfrei abgeschlossen wird.“ Immerhin wäre das Weltkriegsrelikt längst niedergelegt, wenn nicht immer wieder Sperrfeuer eröffnet worden wäre. Ein Zaungast an der Rütscher Straße, Frans Plum aus Kerkrade, ist über den Fortgang der Arbeiten eher skeptisch: „Ich komme nächstes Jahr noch mal wieder.“

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