Aachen - Bunker in einen schicken Wohnkomplex verwandelt

Bunker in einen schicken Wohnkomplex verwandelt

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Können stolz auf ihr gemeinsames Millionen-Projekt an der Lütticher Straße sein: Jörg Schlun (l.) und Christian Wego haben den ehemaligen Bunker in einen attraktiven Wohnblock verwandelt. Foto: Ralf Roeger
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Attraktive Ausblicke: Hohe Fenster sorgen innen für viel Licht Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Wenn er ein Haus baut ebenfalls. Wenn er jedoch einen Bunker umbaut, können daraus abendfüllende Erlebnisberichte werden. So geschehen Projektentwickler und Makler Christian Wego und Bauherrn Jörg Schlun, die an der Lütticher Straße ein Kriegsrelikt in einen schicken Wohnblock mit trendigen Penthäusern verwandelt haben.

Schlun: „Es war spannend bis zum Schluss, weil wir immer wieder Überraschungen und neue Herausforderungen erlebt haben.“ Der Luftschutzbunker ist wie viele andere Anfang der 1940er Jahre in aller Eile zum Schutz der Zivilbevölkerung errichtet worden, nachdem die Alliierten mit den Bombardements Aachens begonnen hatten. Anfang letzten Jahres starteten die Arbeiten zum Umbau des in dritter Reihe liegenden Gebäudes, das noch bis in die 50er Jahre als Notunterkunft diente.

Bei der Umgestaltung gab es klare Vorgaben. „Wir mussten den Spagat schaffen. Die Stadt wollte den Bunker als Zeitzeugnis erhalten, gleichzeitig sollte aber auch der Wohnbedarf gedeckt werden.“ Das ist auch gelungen. Zwei Etagen des Kolosses wurden zu je 16 Wohnungen zwischen 57 und 88 Quadratmetern umgestaltet, auf das massive Dach fünf Penthäuser zwischen 90 und 193 Quadratmetern gesetzt.

Wobei die zwei Meter dicke Hülle eher hinderlich war. In sie mussten in monatelanger mühsamer Arbeit mit Hilfe von diamantbesetzten Seilsägen 20 großformatige Öffnungen geschnitten werden. Sie dienen jetzt als Wintergarten oder Balkon. Wego: „Wir haben aus der Not der Einschnitte eine Tugend gemacht.“ Jeder Wohnungsinhaber hat jetzt eine Loggia, die durch verschiebbare Glaselemente in einen attraktiven Austritt verwandelt werden kann.

Dennoch ging der zähe Baufortschritt den Bauherrn an die Nerven. Jörg Schlun: „Der spannendste Moment kam, als die Säge am ersten Loch aussetzte.“ Und auch statisch wurden – trotz der massiven Wände – immer wieder Umplanungen erforderlich, denn das Innere kommt einem Neubau gleich. Teilweise mussten neue tragende Wände gesetzt werden, der Boden des Gebäudes wurde komplett herausgenommen.

Nicht einmal thermisch genügte die Stahlbeton-Außenhaut modernen Ansprüchen, davor musste eine 20 Zentimeter dicke Dämmung gesetzt werden. Vorteilhaft sind die überdimensionalen Wände allerdings, weil die Temperatur nicht groß schwankt. Schlun: „Im Sommer ist es kühl, im Winter warm. Das Klima innen ist sehr angenehm.“

Fotos vom alten Zustand

Ungewöhnlich ist auch, dass im Innern an zahlreichen Stellen Fotos vom Zustand vor dem Umbau aufgehängt worden sind, etwa von den Treppenhäusern mit phosphoreszierenden Stufen – falls in einer der vielen Bombennächten der Strom ausfiel. Ein spannender Kontrast, der zeigt, wie viel Phantasie die Bauherren aufbringen und Arbeit die Bauleute leisten mussten.

Der Bunker sollte äußerlich nicht nur erhalten, sondern als solcher auch erkennbar sein. So sind die ehemaligen Lüftungshutzen an einer Seiten erhalten geblieben, ebenso wie die umlaufende Attika. So sind auch alle Neuteile, etwa die Aufbauten oder das Treppenhaus, das vor den Bunker gestellt wurde, in Dunkelgrau gestrichen, der Bunker-Kubus hellgrau, Beton ähnelnd.

Ausgebaut wurde mittels einer Treppe die Fußverbindung zwischen Lütticher Straße und Wichernstraße. Im Erdgeschoss ist ein Lebensmittelmarkt untergebracht, das Konzept des City-Discounters sei eingeschlagen, sagt Christian Wego: „90 Prozent der Kunden kommen zu Fuß.“

Kommt man angesichts der Unwägbarkeiten bei einer derartigen Millionen-Investition nicht ins Schwitzen? Jörg Schlun: „Man rechnet eine Sicherheit ein und hofft, dass man sie nicht braucht. Dann braucht man sie doch. Da steckt auch ein Stück Liebhaberei drin.

Als reine Renditemaßnahme würde man das anders machen.“ Immerhin geben ihm das Ergebnis und der Erfolg recht. „Das Interesse ist groß, es gibt viele Anfragen.“ Von den Apartments, die für zehn Euro kalt pro Quadratmeter vermietet werden, geht der Blick je nach Lage bis Dom und Lousberg oder zum Stadtwald.

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