Bunker-Abriss: 100 Anwohner wehren sich

Von: Heiner Hautermans
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Anwohner der Försterstraße und der Rütscherstraße würden von dem Neubauprojekt auf dem Bunkergelände am Fuße des Lousbergs massiv tangiert. Deshalb protestieren sie. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Bauantrag ist noch nicht gestellt, da gibt es Krach um ein Vorhaben im Lousberg-Viertel. Der Architekt Prof. Christoph Schulten, selbst wohnhaft in der Försterstraße, der steilen kleinen Straße zwischen Lousbergstraße und Nizzaallee, hat schon mehr als 100 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt, auf dem Gelände des Bunkers zwischen Rütscher Straße und Försterstraße einen größeren Gebäudekomplex zu errichten.

Die Bauvoranfrage einer Lousberg Höfe GmbH ist schon gestellt und von der Stadt positiv beschieden worden, teilt Axel Costard vom Presseamt auf Anfrage mit. Der Planungsausschuss habe sich in seiner letzten Sitzung in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Vorhaben in attraktiver Wohnlage befasst. Auch der Architekten habe grünes Licht gegeben.

Der Hochbunker an der Rütscherstraße spielt eine Rolle bei den letzten Kampfhandlungen um die Aachener Innenstadt. Aufgrund der immer weiter in die Innenstadt vorrückenden amerikanischen Truppen verlegte Kampfkommandant Oberst Wilck seinen Gefechtsstand dorthin. Als die amerikanischen Truppen nun unmittelbar den Lousberg erreicht hatten, erklärte Wilck am 21. Oktober 1944 die Kapitulation Aachens.

Trotz dieses geschichtlichen Hintergrunds steht das Kriegsrelikt nicht – wie andere Bunker, etwa an der Kasinostraße – unter Denkmalschutz. Costard: „Alle Bunker sind Ende der 90er Jahre von der Bezirksregierung und dem Landschaftsverband überprüft worden und entweder in die Denkmalliste eingetragen worden oder nicht.“ In diesem Fall offenbar nicht, denn die Pläne sehen nach Auskunft der Anwohnerinitiative den Abriss des wuchtigen Gebäudes vor. Dagegen wenden sich die Anwohner.

Allerdings weniger wegen der historischen Bedeutung, sondern wegen der zu erwartenden „höchsten Lärm-, Staub- und Verkehrsbelastung für das westliche Lousbergviertel“. Außerdem bestehe die Gefahr von Gebäudesetzungen – wegen des sandigen Baugrunds am Fuße des Lousbergs. „Der Investor/Bauherr plant auf dem Bunkergrundstück hochverdichteten Wohnungsbau. 6 Geschosse und Tiefgarage an der Rütscherstraße und 5 Geschosse und Tiefgarage an der Försterstraße – 2 Geschosse mehr als die vorhandene Bebauung“, schreibt die Initiative.

Von einem Einfügen in die Umgebung nach § 34 Baugesetzbuch könne deshalb keine Rede sein. daher lehnen die Bürger den Abriss ab und fordern Mitsprache bei der zukünftigen Umplanung des Bunkers, sie haben die Unterschriftenliste dem Oberbürgermeister zukommen lassen. Versuche, Genaueres über das Projekt zu erfahren, scheiterten gestern. Die angegebene Gesellschaft, angeblich aus dem Umfeld des Investors Norbert Hermanns, teilt mit dass die AMW Projekte GmbH nur als Verwalter mit Hausmeisterfunktionen eingesetzt sei. Der Architekt befindet sich derzeit im Urlaub.

Die Frage, ob ein Bauantrag, wenn er denn eingereicht wird, genehmigt würde, wird von Sprecher Costard klar bejaht: „Es kommt nicht auf die Geschossanzahl an, sondern auf die Traufhöhe.“ Die benachbarte Bebauung stamme teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert, damals habe man halt noch großzügiger gebaut: „Aus unserer planungsrechtlichen Sicht bestehen keine Einwände gegen eine Bebauung nach § 34.“ Stärker noch: Ein Bauherr habe sogar Anspruch auf eine Genehmigung, wenn festgestellt werde, dass sich das Vorhaben in die Umgebung einfügt.

Allerdings seien beim eigentlichen Bauantrag noch verschiedene Dinge zu prüfen, etwa die Abstandsflächen. Und das könne dann durchaus noch dazu führen, dass sich an der Traufhöhe, geplant sind 12 bis 13 Meter, noch etwas ändere.

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