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Bürgermeisterin Scheidt verlässt die Deutsch-Israelische Gesellschaft

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Aachener Bürgermeisterin Hilde Scheidt, Grüne, hat ihren Austritt aus der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Aachen angekündigt. Sie reagiert damit auf die Verleihung des DIG-Ehrenpreises an den umstrittenen Publizisten Henryk M. Broder, Mitbetreiber des Internet-Blogs „Die Achse des Guten”.

Dort pöbelt der wortgewaltige Provokateur gerne gegen den Islam und „linksreaktionäres Gutmenschenpack”, in Abwandlungen auch gegen das „alternative friedensbewegte rote Pack”. Ganz aktuell zeigt er auch das Abbild einer Körperöffnung, das den „Nachrichten”-Berichterstatter zeigen soll, der jüngst über die Preisverleihung in Aachen schrieb.

Damit sei endgültig „eine Situation erreicht, die ich nicht mehr mittragen will”, begründet Scheidt ihren Rückzug aus der DIG. Sie sei von Anfang an gegen eine Ehrung Broders gewesen und habe auch nicht am Festakt teilgenommen. „Ich möchte ihm nicht Beifall klatschen”, sagt sie. „Er polarisiert, und seine Polemik ist gefährlich. Wir brauchen keine Hetze von dieser Seite.”

Damit spielt sie auch auf Broders Nähe zu dem Internetportal „Politically Incorrect” an, in dem sich Islamfeinde und Volksverhetzer aller Art auslassen können. Dies sei so etwas wie ein „über die Stränge schlagender Fanklub von Broder”, schreibt die Frankfurter Allgemeine. Aus Broders Provokationen werde dort eine Legitimation für „undifferenzierten Hass”. Tatsächlich sollen unter den Gästen bei der DIG-Preisverleihung in Aachen mehrere junge Männer gewesen sein, die dem rechten Netzwerk angehören, hat der Aachener Journalist und Szenekenner Michael Klarmann beobachtet.

Einer von ihnen hat unter dem Namen „Tiberius1966” einen Text ins Netz gesetzt, der Broders Aufforderung aufgreift, nicht länger nur zu schreiben, sondern auch zu handeln: „Auf in den Kampf. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.” Was immer damit gemeint sein soll - friedlich klingt es nicht. Gerne bekennt sich Broder, bei dem sich auch der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik für sein „Manifest” bedient hat, zu seiner „Intoleranz gegen die Banalität der Guten”.

Fragwürdiger Clown

Für Scheidt sind solche Sätze und auch Broders Angriffe auf das „Friedenspack” unerträglich. Dann entscheide sie sich doch lieber für den Friedenspreis, erklärt sie, den sie ebenfalls kritisch begleitet. In der DIG könne sie offenbar nichts mehr bewirken. Den gegenwärtigen Kurs der Aachener Gruppierung hält sie für bedenklich. Und schon gar nicht wolle sie sich von einem diffamieren lassen, der „als Clown durch die Lande zieht, und sich über alle lustig macht, außer über sich selbst”. Broder polarisiere und zerstöre das öffentliche Diskussionsklima.

Dies sieht eine Mehrheit in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen offenbar anders. Broder plädiere „auf der Basis gegenseitiger Toleranz” für faire und enge Deutsch-Israelische Beziehungen, heißt es in der Begründung. Er wehre sich „couragiert gegen Antisemitismus, Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit und jede Form von Extremismus”, schreibt der Aachener DIG-Vorsitzende Axel H.A. Holst.

Holst bedauerte am Dienstag ausdrücklich den von Scheidt angekündigten Austritt. „Ich schätze sie sehr als Gesprächspartnerin und höre gerne auf ihre Ratschläge.” Im Januar wolle man sich auf einer Vorstandssitzung zu einer Aussprache treffen. „Vielleicht kann man noch etwas bewegen”, hofft er. Von einer rechten Unterwanderung der DIG könne jedoch keine Rede sein.
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