Radarfallen Blitzen Freisteller

Bürgerinitiative wirft Stadt falsches Spiel vor

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
5040570.jpg
Aachens Einkaufswelt im Umbruch: Die Bürgerinitiative gegen die Kaiserplatzgalerie will nun per Unterschriftenaktion weiteren „sinnlosen Abriss“ an der Adalbertstraße verhindern. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie? Nein Danke!“ ist überzeugt, dass durch die Neubauvorhaben an der Adalbert­straße deutlich mehr preiswerter Wohnraum vernichtet wird, als bislang verlautbart.

Die beiden Sprecher Christoph Allemand und Horst Schnitzler werfen der Verwaltung und den beiden Investoren ECE und Strabag, die die Kaiserplatzgalerie und ein weiteres Geschäftshaus am Kugelbrunnen planen, ein „Spiel mit falschen Karten“ vor. Schnitzler spricht von einer „öffentlichen Inszenierung des Feilschens um Wohnraum“, die seiner Überzeugung nach mit geschönten Zahlen erfolge. So liegt der Bürgerinitiative eine Liste vor, wonach in dem Häuserblock zwischen Adalbertsberg und Harscamp­straße insgesamt 2421 Quadratmeter Wohnfläche verlorengehen.

Die Stadtverwaltung spricht hingegen von 1500 Quadratmeter. Nur 900 Quadratmeter davon sollen an gleicher Stelle neu errichtet werden. Weitere 600 Quadratmeter Wohnraum sind bislang strittig zwischen Investoren und Verwaltung. Die Politik drängt auf den vollen Ersatz, doch der müsste nach Ansicht der Bürgerinitiative nun sogar noch wesentlich größer sein – zumal die Stadt angesichts der drohenden Wohnungsnot ohnehin in einer Kampagne um „Extraraum bettelt“, wie es Allemand ausdrückt.

Auf Nachfrage geht die städtische Planungsverwaltung hingegen weiterhin davon aus, dass lediglich zwischen 1400 und 1600 Quadratmeter Wohnraum verloren gehen. Genauer lasse sich dies nicht mehr nachvollziehen, da Unterlagen vernichtet worden seien, vielfach aber auch ehemaliger Wohnraum längst umgewidmet worden und nur noch als Lagerraum genutzt worden sei.

Wie berichtet, sollen in dem Block weitere Häuser abgerissen werden und Platz für ein neues Geschäftshaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur geplanten Kaiserplatz-Galerie machen. Eigens dafür haben die Planungspolitiker im Januar den Planbereich vom Mischgebiet zum Kerngebiet umgewidmet. Auf diese Weise können dort größere Verkaufsflächen geschaffen werden.

Aus Sicht der Bürgerinitiative ist das ein weiterer Sündenfall. Denn sie halten bereits die Kaiserplatzgalerie mit einer Geschäftsfläche von knapp 30.000 Quadratmeter für überdimensioniert. Kommen nun nebenan nochmals 3000 Quadratmeter Geschäftsfläche hinzu, führe dies endgültig zum Ruin vieler Einzelhändler.

Allemand und Schnitzler fürchten einen radikalen Verdrängungswettbewerb, der neuen Leerstand und eine Verödung der City nach sich ziehe. So habe eine Untersuchung in 60 Städten gezeigt, dass meist nur die Shoppingcenter selbst profitieren, die Innenstädte aber leiden. Demnach würden potenzielle Kunden in aller Regel mit dem Auto direkt am Center parken, dort im Schnitt zweieinhalb Stunden verweilen, shoppen und essen und anschließend wieder nach Hause fahren.

Den Bau der Kaiserplatzgalerie wird die Bürgerinitiative nicht mehr verhindern können, ist auch Allemand überzeugt. Doch mit Hilfe einer Unterschriftenkampagne unter Aachener Einzelhändlern wollen sie nun zumindest noch für eine Überplanung des benachbarten Areals sorgen. „Stoppt die desaströse Planung an der Adalbertstraße“ haben sie ihre Kampagne überschrieben. Ziel ist es, „weiteren sinnlosen Abriss“ zu verhindern, preiswerten Wohnraum im Innenstadtkern zu erhalten und die Verkaufsflächen in dem neuen Geschäftshaus zwischen Adalbertsberg und Harscampstraße auf das Erdgeschoss zu begrenzen.

Mit ihrer Unterschriftenaktion wollen sie Geschäftsleute in der ganzen Stadt ansprechen – „auch die in Burtscheid und anderswo, denn betroffen sind ja alle“, meint Schnitzler.

Leserkommentare

Leserkommentare (7)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert