Bürgerinitiative sieht durchaus auch Erfolge

Von: Werner Czempas
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Zahlreiche Interessierte kamen gegen 15 Uhr zur Begehung zwecks Umgestaltung der Lütticher Straße mit Oberbürgermeister Marcel Philipp. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Auch den Anwohnern der Lütticher Straße fuhr gewaltig der Schreck in die Glieder, als sie vom Kahlschlag in ihrer historischen Baumallee hörten. 58 Bäume müssen „aufgrund massiver Schäden im Stamm- und Wurzelbereich” gefällt werden.

Bei einer Ortsbegehung mit Oberbürgermeister Marcel Philipp wehrten sie sich aufs Heftigste gegen den möglichen Eindruck in der Öffentlichkeit, gefällt werde plötzlich nur, damit an der Lütticher Straße jede Menge Parkplätze erhalten blieben.

Der OB war mit Kämmerin Annkathrin Grehling und Straßenbau-Managerin Regina Poth zu einer Bürgerbegehung gekommen. Vom Eck Lütticher Straße/Hohenstaufenallee bewegte sich der etwa 25-köpfige Pulk stadteinwärts bis zur Limburger Straße und von dort auf der anderen Seite wieder zum Ausgangspunkt zurück. In Plänen, Zeichnungen und Statistiken wurde dabei gekramt und kreuz und quer auf Bäume, Straße und Hauseinfahrten gezeigt.

„Den Umbau der Lütticher Straße haben wir so intensiv wie kaum eine andere Maßnahme beraten. Es gibt unterschiedliche Interessenlagen und wir sitzen zwischen allen Stühlen”, schilderte der OB offen die manchmal verzwickte Lage von Politik und Verwaltung. Interessenkonflikte aufzulösen gehe aber nur, wenn man miteinander rede. Viele Dinge beim Ausbau der Allee hätten sich dadurch „schon positiv erledigt”.

Regina Poth stellte klar: „Auch wir haben um jeden einzelnen Baum gekämpft. Die Bäume wurden nicht für krank erklärt, damit in die Lütticher Straße mehr Parkplätze kommen.” Vier Gutachter hätten unabhängig voneinander erklärt, dass die Bäume krank seien. Durch den Ausbau der Straße sehe die Stadt die Chance, die kranken Bäume zu entfernen und durch neue zu ersetzen. Erforderliche Schutzmaßnahmen zum Erhalt der kranken Bäume über eine nicht absehbare Zeit würden „pro Baum mehrere tausend Euro” kosten. Der OB sekundierte: „Die Annahme, die Bäume würden gefällt, um dem Wunsch der Bürgerinitiative nach mehr Parkplätzen nachzukommen, ist schlicht Quatsch”. Er zweifle nicht an den Gutachten.

Doch Anwohner – zumindest einige – befürchten, dass „durch die Rodung der Alleencharakter verloren geht”. Was in Höhe der Limburger Straße, wo eine Baumreihe schon früher komplett gefällt wurde, anschaulich demonstriert wird. Günter Radermacher: „Hier sind schon alle Bäume weg. Das sieht doch furchtbar aus. Wir müssen doch auch ans Stadtbild denken und den Charakter der Baumallee erhalten. Wir sollten sukzessive vorgehen, so wie ein Baum krank ist, aber doch nicht radikal auf einmal.”

OB Philipp regte an, mit den Fachleuten und Bürgern vor Ort die Fragen von Baum zu Baum noch einmal zu klären. Philipp blickte skeptisch in die Baumkronen ringsum: „Wir sind ja gerade erst im September, aber viele Bäume sehen doch schon aus wie tiefer Herbst.” In der Tat macht die als historische Baumallee so vielbesungene Doppelbaumreihe einen erbarmungswürdigen Eindruck auch auf den gärtnerischen Laien, zudem sie einen völlig ungepflegten Grünstreifen voller Unkraut mit schlammigen Pfützen und Autos an Autos zieren soll. Zwischendurch schlängelt sich ein seltsamer Dreckspfad durchs Unkraut, den ein total verwittertes, kaum lesbares Schild zum Radweg erklärt, der aber eher aussieht, als diene er fetten Ratten zum Abtransport ihrer Beute.

Thomas Bürgerhausen, gemeinsam mit Luzie Leibenguth Sprecher der Bürgerinitiative, trug ein weiteres Anliegen vor. Ob denn nicht stadteinwärts ein kombinierter Geh-Radweg angelegt werden könne, statt die Radler mit einem Fahrrad-Schutzstreifen auf die Straße zu vertreiben. Regina Poth wies auf „enorme Sicherheitsprobleme mit querenden Einfahrten”, weshalb sogar europaweit der Radverkehr so geregelt werde wie für die neue Lütticher Straße.

Es gehe auch nicht an, einen Radweg in einem Abschnitt so und im nächsten anders zu führen, wie auch angeregt wurde, was Poth leicht giften ließ: „Bevor wir den zweiten Bauabschnitt beginnen, können wir ja alles wieder von vorn anfangen und über den Haufen werfen.”

„Wir müssten die Begehung einmal morgens um halb Acht hier machen, dann würden Sie sehen, was morgens hier los ist”, meinte eine junge Frau. Eltern brächten ihre Kinder zum Couven-Gymnasium, Auto an Auto halte, „die stehen dann demnächst alle auf dem Fahrradschutzstreifen”. Friedlich und freundlich gingen bei allem dennoch alle miteinander um .

Wünsche aufgenommen

Auf der stadtauswärts führenden Seite der Lütticher, derzeit baumlos, sollen 23 neue Bäume in einen Parkstreifen gesetzt werden. „Ein nicht so sinniger Zweck”, fand Luzie Leibenguth. Den Erhalt von Parkplätzen und zwei Ampelanlagen und des Standortes Haltestelle Franziskushospital sowie den Nichtbau der geplanten Mittelinsel vor dem Couven-Gymnasium sieht die Bürgerinitiative durchaus als Erfolg ihrer jahrelangen Bemühungen an.

Für Regina Poth, Leiterin der Abteilung Straßenbau, hielt Thomas Bürgerhausen deshalb sogar ein dickes Lob und Dank parat. Poth habe die Bürger immer gut informiert und deren Wünsche auch in die Vorlagen für die Politik aufgenommen.

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