Aachen - Bürgerinitiative Dell macht Boden gut

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Bürgerinitiative Dell macht Boden gut

Von: Gerald Eimer
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Ländliches Idyll im Norden Richterichs: Der feine Ackerboden soll jedoch nach und nach unter einem neuen Wohngebiet verschwinden. Dies will die „BI-Dell“ verhindern, die sich nun auf einer Linie mit dem NRW-Umweltministerium sieht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Bürgerinitiative „BI-Dell“ sieht sich durch ein Schreiben des NRW-Umweltministeriums in ihrem Bestreben gestärkt, das im Norden von Richterich geplante Neubaugebiet Dell noch verhindern zu können.

„Wir werden nicht nur eindeutig, sondern zehndeutig gestützt“, frohlockt Peter Philippen-Lindt, einer der Sprecher der Initiative. Unter dem Motto „Flächenfraß ohne Maß“ sind er und einige Mitstreiter vor einigen Monaten angetreten, die ehrgeizigen Wohnbaupläne der Stadt in Frage zu stellen und am besten ganz zu stoppen. Überflüssig sei die Erschließung des Gebiets, auf dem in den nächsten 15 bis 20 Jahren rund 3000 Menschen ihr neues Zuhause finden sollen, argumentiert die BI.

Sie zweifelt erstens die Bevölkerungsprognosen der Stadt an, und ist zweitens überzeugt, dass genügend Brachflächen innerhalb des Stadtgebiets vorhanden sind, um die Nachfrage nach Wohnraum befriedigen zu können. Zugleich kritisiert sie, dass in Richterich „wertvollster Bördeboden“ dem Wohnungsbau geopfert werden soll.

In all diesen Punkten kann sie sich nun durch ein Schreiben aus dem Hause des grünen Umweltministers Johannes Remmel bestätigt fühlen. Der für den Bodenschutz zuständige Referatsleiter erläutert darin unter anderem das Ziel der Landesregierung, den Flächenverbrauch in NRW allgemein deutlich senken zu wollen und langfristig gar einen „Netto-Null-Flächenverbrauch“ anstrebt. Im Plangebiet Richtericher Dell scheint dies besonders interessant. So gelten dort laut „Bodenfunktionskarte“ 95 Prozent der Böden als „sehr schutzwürdig“ und fünf Prozent als „besonders schutzwürdig“.

Das Umweltministerium halte daher „die Ermittlung von Brachflächenpotenzialen und Baulücken für erforderlich, um Alternativflächen unter Berücksichtigung des aktuellen Wohnbauflächenbedarfs prüfen zu können“. Ziel sollte es sein, „den aktuell nachgewiesenen Bedarf möglichst innerhalb des bestehenden Siedlungsbereichs abzudecken, um damit diese Freifläche zu schonen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Auch die Planung einer Umgehungsstraße dürfte „dieser Prüfung nicht vorgreifen“.

„Mit dieser Mitteilung aus Düsseldorf sehen wir uns im Aufwind“, sagt Philippen-Lindt. Obwohl es in Politik und Verwaltung eine gewaltige Mehrheit für Aachens größes Neubaugebiet gibt, ist er überzeugt, die Planungen noch aufhalten zu können. Denn weder habe die Stadt bislang den aktuellen Wohnflächenbedarf „nachprüfbar und nachvollziehbar“ nachgewiesen, noch habe sie Alternativflächen ausreichend geprüft. „Die Stadt plant weiter, ohne die Grundlagen zu haben“, kritisiert die BI. So sei auch noch immer keine Kosten-Kalkulation für das Gesamtprojekt vorgenommen worden. Die BI ist zudem überzeugt, dass der Flächenverbrauch in Richterich am Ende mit gut 60 Hektar deutlich größer sein könnte als bisher verlautbart (rund 37 Hektar).

„Keine K.o.-Kriterien“

Eher gelassen reagiert hingegen Aachens Bau- und Umweltdezernentin Gisela Nacken auf das Schreiben aus dem Hause ihres Parteifreunds. „Hier werden keine K.o.-Kriterien formuliert, sondern Vorgaben gemacht, die wir im Verfahren erfüllen müssen“, sagt sie.

Im Gegensatz zu den schrumpfenden Städten im Ruhrgebiet gehöre Aachen vor allem dank der Hochschulen zu den wenigen noch wachsenden Städten, betont sie. Daher gebe es einen starken Druck auf den Wohnungsmarkt. „Und das können wir auch nachweisen“, sagt sie. In Arbeit ist derzeit zudem ein Baulandkataster, der auch Brachflächen und Baulücken ausweist. Aus Sicht von Verwaltung und Politik reichen diese Flächen ganz sicher nicht, um die Erschließung der Richtericher Dell überflüssig zu machen.

Dass dort wertvolle Böden verloren gehen, bezweifelt Nacken nicht. Sie hält auch das generelle Ziel des Landes für richtig, den immensen Flächenverbrauch zu senken. Aber: „Man muss das im Einzelfall abwägen“, sagt sie. Auch für den Campus Melaten seien schutzwürdige Böden geopfert worden. Den vom Land geforderten Ausgleich für das „Schutzgut Boden“ werde man erbringen.

Die BI-Dell macht sich derweil für eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung des Baugebiets stark, bevor weiter geplant wird. Zugleich will sie noch vor der Kommunalwahl im Mai die Parteien zur Diskussionsrunde bitten. „Wir werden ja bisher totgeschwiegen“, bedauert Philippen-Lindt. Doch auch dies soll sich mit der Stellungnahme des Landesumweltministeriums im Rücken nun endlich ändern.

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