Aachen - Bürgerberatung für neuen Flächennutzungsplan läuft gut an

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Bürgerberatung für neuen Flächennutzungsplan läuft gut an

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das war ein Auftakt nach Maß. Im Ballsaal des Alten Kurhauses an der Komphausbadstraße beteiligten sich rund 100 Bürger an der Beratung für einen neuen städtischen Flächennutzungsplan. Die vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen perfekt organsierte „frühzeitige Beteiligung der Bürger“ geriet zu einer Information, wie sie sich der Bürger nicht besser wünschen kann.

So sperrig das Wort „Flächennutzungsplan“ auch daherkommt, dahinter verbirgt sich ein Panorama-Blick in die Zukunft der Stadt. Es geht um ihre Fortentwicklung und Modernisierung. Dass dieser Blick in die nächsten Jahrzehnte kommunalpolitisch enorm spannend und wichtig ist, dafür sorgten im Ballsaal die städtische Fachbereichsleiterin Christiane Melcher und Andrea Kranefeld vom Büro BKR Aachen (Büro für Kommunal- und Regionalplanung). Das Damen-Duo präsentierte sich umfassend vorbereitet und blieb keine Antwort und keine Auskunft schuldig. Auch das wissbegierig interessierte Publikum trug wesentlich zum Gelingen bei.

Wenn denn schon Bestnoten verteilt werden, darf einer nicht außen vor bleiben: RWTH-Professor Klaus Selle vom Lehrstuhl Planungstheorie und Stadtentwicklung moderierte bestechend souverän. Sein elegant-ruhiger Auftritt ließ möglichem „Wutbürger“ keine Chance. Alle im Saal spürten: Zuhören, hier ist eine Menge Hochinteressantes zu erfahren. Der Bürger fühlte sich auch ernst genommen.

Nach einleitenden Erläuterungen über das Wie und Warum eines Flächennutzungsplans (FNP) und das Verfahren konnten Bürger an sechs Stationen (Gesamtstadt, Aachen-Mitte, Laurensberg-Richterich, Kornelimünster-Walheim, Brand, Haaren-Eilendorf) im Dialog mit Mitarbeitern des Fachbereichs Stadtentwicklung ins Detail gehen. Vor allem am Stand Aachen-Mitte knubbelte sich die engagierte Menge.

Melcher & Co. fassten die Themen-Schwerpunkte an den Stationen aus den Reihen der Bürger zusammen: Im FNP kommen Grünflächen zu kurz. Preuswald mit geplant 20 bis 30 neuen Wohneinheiten „nur eine halbherzige Lösung“, die keine Trendwende dort bringen. Wiederholte Kritik an der „Windkraftkonzentrationszone Münsterwald“. Häufiger Wunsch, Landschaft mehr zu schützen, Vorrang für Naturschutz, weniger für Wohnraum und Gewerbe ausweisen. Leerstehende Gewerberäume in der Innenstadt nutzen. Enormer Bedarf an Grünflächen in Eilendorf. Wohnraum im Norden und Süden Haarens. Autobahnauffahrt Verlautenheide entlasten. Nahversorgung in Brand östlich der Trierer Straße sichern. Neue Hinweise auf Kreuzungen Vennbahnweg.Freiräume an der Vaalser Straße entwickeln, Luftschneisen freihalten. Im Gebiet Grünenthal in Richterich keinen weiteren Wohnbau. Ländlichen Charakter von Horbach erhalten. Richtericher Dell weiter umstritten. Keine Bebauung im Bereich südlich Adenauerallee-Eselsweg („Die Adenauerallee ist verkehrlich dicht, da kommt heute schon keiner rüber“). Für den Büchel wurde eine Grünfläche oder eine Markthalle vorgeschlagen.

Weitere Anregungen und Kritik aus der Bürgerschaft gab es in der großen Runde: Erhebliche Zweifel am im FNP ausgewiesenen riesigen Flächenbedarf für neuen Wohnraum, richtiger wäre es, Bestandsobjekte vor allem in der Innenstadt „attraktiver, moderner zu machen“ – etwa durch Balkone, Lifte. Die Stadt habe den „sozialen Wohnungsbau vergessen“. Nicht nur neue Grünflächen ausweisen, sondern bestehende „endlich mal in Ordnung bringen“, etwa am Boxgraben und Jakobsplatz.

Ein „grün-ökologisches Gesamtkonzept“ wird vermisst, es gehe immer nur „ums Bauen, Bauen, Bauen“. Im Gegensatz zum alten FNP aus dem Jahr 1970 weise der neue trotz des „großen Nachholbedarfs“ weniger Gewerbeflächen aus. Auf die mehrfachen Fragen nach einem städteregionalen oder sogar grenzübergreifenden FNP verwies Christiane Melcher auf die Rechtslage: „Bei einem FNP darf die Stadt keinen Quadratmeter über die Stadtgrenze hinausgehen.“

Nach zweieinhalb Stunden engagiertester Diskussion musste Moderator Professor Selle zeitbedingt „abbrechen ohne aufzuhören“. Denn noch bis zum 1. August können Bürger ihre Anregungen und Stellungnahmen schriftlich einreichen, Adresse: Stadt Aachen, Fachbereich 61, Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, Lagerhausstraße 20, 52064 Aachen oder per Mail: flaechennutzungsplan@mail.aachen.de (Telefon: 0241-432-6109). „Heute war nicht das letzte Wort“, wies Professor Klaus Selle auf die kommenden Beratungen in den politischen Gremien hin, in die alle Meinungen aus der Bürgerschaft einfließen und „beachtet werden müssen“ Nach der politischen Beratung wird der FNP erneut öffentlich ausgelegt, dann haben die Bürger ein zweites Mal Gelegenheit zur Stellungnahme.

Der Vorentwurf des FNP liegt bis zum 1. August auch im Verwaltungsgebäude Marschiertor aus. Es gibt auch eine lesenswerte Darstellung im Netz.

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