Aachen - Bürger kämpfen gegen Bebauung auf der Beverau

Bürger kämpfen gegen Bebauung auf der Beverau

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
8062498.jpg
Kämpfen für den Erhalt dieses schönen Zwickels Aachens am Beginn des Eselswegs nahe der Adenauerallee: Irma von Agris mit Riesenschnauzer Arek sowie Lutz Dechamps. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Die Wildgänse landen hier, der Storch steht hier, und hier lassen die Kinder ihre Drachen fliegen“, sagt Irma von Agris energisch. Energisch deswegen, weil sie das grüne Refugium auf der Beverau von Bauabsichten bedroht sieht.

Auf dem idyllischen Stück Aachen zwischen der Adenauerallee und der Kaserne am Kornelimünsterweg, häufig Ausflugsziel von Kindergartengruppen, sollen nach ihren Angaben 300 Wohneinheiten entstehen. Zwar handele es sich nur um erste Vorstellungen, doch die Anwohnerin („Ich bin an der Adenauerallee geboren“) fürchtet, dass bei der Stadt „schon alles gelaufen ist“ und die anstehende Bürgerbeteiligung nur noch Augenwischerei darstellt. Viele Anhörungstermine seien kurzfristig angesetzt worden oder lägen in den Ferien.

Zunächst waren es Gerüchte von möglichen Bauabsichten, die auf der Beverau die Runde machten. Bei der ersten Anhörung zum Flächennutzungsplan am 23. Juni sei dann zum ersten Mal öffentlich bekanntgeworden, dass es Erwägungen gibt, die Dreiecksfläche südwestlich des beliebten Eselswegs als Bauland auszuweisen. Als sich die Anwohner etwas in die Materie vertieften, sei man fündig und stutzig geworden, berichtet Lutz Dechamps.

Da sei in einem Gutachten auf einmal von einer Landwirtschaftsfläche die Rede gewesen, obwohl es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handele, das landwirtschaftlich genutzt werde. Anfangs sei eine noch größere Fläche, bis hin zu Gut Schönthal, auf Bebaubarkeit geprüft worden, doch bei der Umweltprüfung seien dann erhebliche Bedenken aufgetaucht, so dass eine Reduzierung der Fläche empfohlen wurde. Doch bei dieser Fläche oberhalb vom Eselsweg handele es sich immer noch um 400.000 Quadratmeter, „eine ruhige Ecke, die von der Bevölkerung genutzt wird“.

Deshalb haben die Anwohner unverzüglich die Bürgerinitiative „Erhalt des Landschaftsschutzgebietes Eselsweg – Beverau“ gegründet. Dechamps: „Derartige Überlegungen stoßen bei vielen Aachenern auf Ablehnung. Es handelt sich um ein Kaltluftgebiet, die Luftpumpe für Beverau und das Frankenberger Viertel. Wenn man diese Fläche verkleinert, kann es sein, dass dann nicht mehr genügend Druck vorhanden ist, um die Luft über den Bahndamm zu befördern.“

Klinken putzen

Es handele sich bei dem Weideland um ein seit Jahrzehnten bestehendes Landschaftsschutzgebiet, das 1986 festgelegt worden sei, „zur Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts und der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter; insbesondere zum ökologischen Ausgleich in einem Siedlungszentrum; wegen der Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbildes; und wegen der besonderen Bedeutung für die Erholung insbesondere zur Sicherung von Freiflächen im Stadtgebiet“. Sprecher Dechamps: „Warum diese Zielsetzungen heute keinen Bestand mehr haben sollen, erschließt sich vielen Bürgern nicht einmal ansatzweise.“

„Die Leute haben uns angesprochen, dass wir etwas tun müssen. Wir werden Klinken putzen und informieren“, sagt der 63-Jährige weiter. Die Bürgerinitiative hält die angedachte Baulandausweisung insbesondere aufgrund der erheblichen Umweltbelange für rechtswidrig. Überdies dürften erhebliche Verkehrs- und Lärmprobleme zu erwarten sein, weil die Kreuzung Adenauerallee/Erzbergerallee schon jetzt stark befahren sei. Ferner stehe die Umwandlung des Landschaftsschutzgebiets in Bauland vielen Zielen des Masterplans (Projekt „Aachen 2030“) diametral entgegen: Erhalt der siedlungsnahen Grünflächen zur Klimatisierung des Stadtkerns und Sicherstellung quartiersnaher Erholung sowie größere Rückzugsräume für Artenvielfalt etc.

Von großer Relevanz ist nach ihrer Ansicht auch die „noch nicht umfassend geprüfte wassertechnische Problematik“. Es handele sich nämlich um ein Quellgebiet mit unterirdischen Zuläufen zum Beverbach. Anwohner berichteten, dass die Weide bei starkem Regen komplett unter Wasser stehe. Dechamps: „Nicht abzusehen ist, welche Auswirkungen eine Bebauung und weitere Versiegelung des Bodens auf die Grundwassersituation der näheren Umgebung haben könnte.“

Viele Aachener seien verunsichert dadurch, dass die Stadt das Dreiecksgelände erst als Bauland ernsthaft in den Blick genommen habe, nachdem Gut Schönthal an neue Eigentümer verkauft worden sei.

Mehr Informationen

Informationen zum neuen Flächennutzungsplan finden sich auch auf der Seite der Stadt Aachen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert