Aachen - Buchhandlung Schmetz: „Domiger geht´s nicht mehr”

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Buchhandlung Schmetz: „Domiger geht´s nicht mehr”

Von: Heinrich Schauerte
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Halb Literaturjünger, halb Umzughelfer: Dem Publikum kam bei der letzten Lesung der Buchhandlung Schmetz am Dom am alten Ort eine tragende Rolle zu, denn nach der Lesung ging´s samt Sitzmöbel zum Signieren in die neuen Räume am Münsterplatz. Foto: Walter Vennen

Aachen. Zum Abschluss ein Debüt - unter diesem paradox wirkenden Motto hat die Buchhandlung Schmetz am Dom ihre erste Lesung in diesem Jahr gestellt, die zugleich die letzte an diesem Ort sein sollte. Aber das ist noch nicht alles an Sprachspielereien: Der vorgelesene Roman „Was zusammengehört” illustriert trefflich, aber zufällig die Zukunft der veranstaltenden Buchhandlung.

Und schließlich wird die Bezeichnung „am Dom” jetzt, nach insgesamt 60 Jahren, erst richtig wahr.

Das nämlich kam so: Das Buchhändler-Ehepaar Vennen/Hoppe empfand ihre Ladenlokale in der Kleinmarschierstraße schon lange als recht eng, und die räumliche Trennung von der gegenüberliegenden Kinderbuchhandlung war auch nicht so toll. So bot sich mit einem frei werdenden Ladenlokal am Münsterplatz die große Chance, das gesamte Angebot an einem Ort zu konzentrieren und gleichzeitig noch 50 Quadratmeter Verkaufsfläche zu gewinnen.

Doppelt so viel Platz

Hinzu kommt noch, dass man sich künftig in deutlich stilvolleren Räumen befindet, wo die Kundschaft durch die Glasfenster des kürzlich verstorbenen Glasmalers und Grafikers Prof. Ludwig Schaffrath verwöhnt wird. Auch für Lesungen ist dort doppelt so viel Platz. Und, wie gesagt, das Ganze ist dann wirklich direkt am Dom: „Domiger geht´s nicht mehr”, sagt Walter Vennen.

Auch die letzte Lesung an alter Stelle war wieder ausverkauft, und Walter Vennen erinnerte schmunzelnd an seine erste Veranstaltung im Jahr 1995 mit Erwin Wickert. Man habe durch die längst etablierte Lese-Reihe seither viele Einblicke ins pralle Autorenleben gewonnen und zahlreiche tolle Gesprächsrunden erlebt. Diesmal las Markus Feldenkirchen aus seinem Erstling „was zusammengehört”. Darin geht es um vielerlei, das zusammengehört, angefangen von der deutschen Wiedervereinigung bis hin zu seiner wahren Liebe, von der er nach 20 Jahren einen Brief aus Irland erhält.

Der Held ist inzwischen Banker, hat Freundin, Geliebte und alles, was dazugehört, und irische Banken sind als Thema auch gerade en vogue. Alles mit festem Blick auf die Spiegel-Bestsellerliste geschrieben, alles aus strikt westdeutscher Perspektive und in dem sachlich-unprätentiösen Stil, den ein Spiegel-Autor so an sich hat. Darüber hinaus aber verfeinert mit erfrischender Selbstironie. Der Vortrag war gewürzt mit komödiantischen Einlagen, mal wurde Merkel lebensecht imitiert, mal sächsischer Dialekt zum Besten gegeben - das Publikum amüsierte sich prächtig und ließ sich zahlreiche Bücher signieren.

Staunen, Heiterkeit, Neugier

Allerdings nicht an Ort und Stelle, denn es war nicht nur die letzte Lesung in der alten Buchhandlung, sondern auch die erste Signierstunde in der neuen, wie Walter Vennen den überraschten Gästen eröffnete. Alle sollten ihre Stühle nehmen und wandeln. Erst ungläubiges Staunen, dann allgemeine Heiterkeit und Neugier.

Ex-Stadtrat Heinrich C. Friedhoff freute sich, dass er sogar bei einer Lesung mal so richtig zum Tragen kam. Andere rätselten, ob sie metaphermäßig zum „Auszug aus dem gelobten Land” tendieren oder eher „mal wieder so eine typische Vennen-Aktion” konstatieren sollten. Jedenfalls zog der illustre Zug, halb Literaturjünger, halb Umzugshelfer, samt Sitzmöbeln über den abendlichen Münsterplatz in die neuen Räume. Dort gab es vieles zu bestaunen und zum Dank für die tragende Rolle des Publikums ein gutes Glas Wein. Markus Feldenkirchen war zufrieden, die Reise aus Berlin auf sich genommen zu haben, denn „ein voller Raum und eine dichte Atmosphäre sind immer gut.”

Letzter Verkaufstag in den alten Buchhandlungen in der Kleinmarschierstraße ist Samstag, 19. Februar. Von Montag, 21. bis Mittwoch, 23. Februar findet der Verkauf in der Annahalle, Annastraße 14-16, statt. Dort gibt es auch einen großen Verkauf von Restbüchern, dessen Erlös dem Kinderheim Maria im Tann zukommt.

Ab Donnerstag, 24. Februar, sind die Buchhändler nur per Telefon und E-Mail erreichbar, ab Freitag eventuell schon in den neuen Räumen Münsterplatz 7-9. Am Samstag, 26. Februar, ist dort offizielle Neueröffnung.

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