Aachen - Buchhandlung Meurer: Näher am Kunden als das Internet

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Buchhandlung Meurer: Näher am Kunden als das Internet

Von: Werner Czempas
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Seine Bücher hat Werner Meurer im Griff und auch die Herausforderungen, die das moderne Internetzeitalter für den klassischen Buchhandel bereithält. Seine Buchhandlung in der Horngasse 1 feiert nun 50-jähriges Bestehen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Im Haus Horngasse 1 klirren am kommenden Dienstag, 15. Oktober, die Sektgläser. Dort, an der Ecke Bahnhofstraße, wird ein für die Branche nicht alltägliches Jubiläum gefeiert: Die Buchhandlung Meurer wird an diesem Tag 50 Jahre alt.

Meurer, das war schon immer die Bahnhofstraße. Bei der Eröffnung im Oktober 1963 unter Wilhelm und Gertrud Meurer lag die kleine Buchhandlung noch in Steinwurfnähe zum Hauptbahnhof. Der Buchhandel florierte. 1987, ein Jahr vor dem 25-Jährigen, waren die Meurers stolz, ihre Kunden in den heutigen, doppelt so großen Räumen ein paar hundert Meter runter am kleinen Platz Horngasse bedienen zu können. Sohn Werner kehrte nach seiner Buchhändlerlehre beim großen Bierbaum in Düsseldorf (längst verschwunden) 1972 „nach Hause zurück“. Seit Januar 1999 ist Werner Meurer (63) der Chef. Fünf Mitarbeiter, vier Buchhändlerinnen und ein männlicher Kollege, komplettieren das Team.

Schwerpunkt Theologie

Von Anfang an führte Meurer im Sortiment als Schwerpunkt die Theologie. Gründervater Wilhelm pflegte das Spezialgebiet keineswegs als lukrative Nische, sondern aus Überzeugung. Damals gab es noch das Priesterseminar in der Leonhardstraße mit bis zu 50 Anwärtern. Sie und weite Teile des Aachener Klerus bis hinauf zu den hohen Prälaten zählten zum frommen Kundenstamm. Vergangene Zeiten, obwohl die Theologie bei Meurer auch heute noch einen stattlichen Raum einnimmt. Neben dem breiten Belletristik-Sortiment in den Regalen achten „die Meurers“ bis heute auch auf ein sorgfältiges Angebot an Kinder- und Jugendbüchern.

„Da ist vor allem der Leser und Bücherfreund, der ausgesprochen gerne in diese Buchhandlung geht“, schrieb der damalige IHK-Präsident Heinz Malangré zum 25-jährigen Bestehen noch ins Firmen-Stammbuch. Heute, noch einmal 25 Jahre später, ist es mit den Bücherfreunden wie mit jungen Priestern. Ihre Zahl wird überschaubar. Gerade in diesen Tagen der Frankfurter Buchmesse ist in den Medien vielfach vom Wandel, vom Umbruch, vom Sterben der klassischen Buchhandlung die Rede. In Zeiten von Internet und digitalen Büchern müsse die Branche sich neu erfinden, mahnt die „Süddeutsche Zeitung“. Die Bücher-Jahre gehen zu Ende, heißt es in der überregionalen Tageszeitung skeptisch. „Eine Welt geht unter“, fürchtet die „Süddeutsche“ und will einen der Gründe ausgemacht haben: „Die letzte Generation der Büchersammler ist gerade dabei, ihre Wohnungen zu verkleinern.“

E-Book und Internethandel heißen in der Branche die Schreckensrufe. Auf der anderen Seite meldet Juergen Boos, Direktor der Buchmesse, neue Rekorde an Ausstellern, beteiligten Ländern und Besuchern. Boos setzt auf eine „Renaissance des Buchhandels“, die bei Meurer allerdings noch nicht wirklich angekommen ist.

„Das Kundengeschäft allein reicht schon lange nicht mehr“, schildert Jubilar Werner Meurer nüchtern die Lage. Das Überleben, sagt er, werde heute „durch das Rechnungsgeschäft“ gesichert und nickt von den Buchregalen weg Richtung Büro. Rechnungsgeschäft meint in einer großen Universitätsstadt wie Aachen die Buchbestellungen aus Instituten und sonstigen Einrichtungen der vielen Aachener Hochschulen.

Werner Meurer verrät beileibe kein Geschäftsgeheimnis: „Die Entwicklung in den letzten Jahren macht schon Sorgen.“ Internethandel und die Buchbestellung direkt beim Verlag sind eine bedrohliche Konkurrenz für den klassischen Buchhandel. „Früher gab es Bücher nirgendwo anders als in Buchhandlungen“, erinnert sich Meurer an die goldenen Jahre. Wobei ihm vor dem E-Book nicht die Knie schlottern: „Das E-Book können wir bei uns auch vermitteln.“

Ansonsten herrscht im Hause Meurer die Devise: „Ganz nahe am Kunden bleiben.“ Das war schon immer so. Als es das in dieser Form andernorts noch gar nicht gab, marschierte der Meurer-Stammleser beim Eintritt zunächst einmal zum „Taschenbuch-Tischchen“, zur Pin-Wand, wo die Damen und Herren des Teams ihre persönlichen Besprechungen, Bewertungen und Empfehlungen auf farbigen Kärtchen an die Korkwand heften. „Das Tischchen“, freut sich Werner Meurer, „geht immer noch sehr gut.“ Der Chef selbst gilt als zuverlässiger Thriller- und Amerika-Experte.

Qual der Wahl

„Ganz nah am Kunden“ heißt bei Meurer auch, dessen Vorlieben genau zu kennen. Wer in der Horngasse 1 eintritt und ruft: „Ihr Lieben, was muss ich unbedingt in diesem Herbst noch lesen?“ sitzt prompt vor der Qual der Wahl, einem Packen Bücher, auf ihn zugeschnitten, inklusive fachkundiger Kurz-Rezension. Schon wenn die Verlagsvertreter ihre Neuerscheinungen preisen, haben Meurers den Stammkunden im Visier und denken, das Buch könnte Müller, Meier, Schmitz und, und, und gefallen. Nah am Kunden heißt, mit einem Büchertisch raus aus dem Laden auf Veranstaltungen gehen, wie jetzt etwa bei der Nacht der offenen Kirchen mit einem Stand in St. Josef am Adalbertsteinweg.

Äußerst beliebt und nah am Kunden sind bei Meurer auch die Buchbesprechungen zur Weihnachtszeit. Ob des Andrangs müssen sie vielfach wiederholt werden. Voller Spannung erwartetes Hochamt einer Literatur-Schau, die der amüsanten Buch-Zelebration eines Denis Scheck in nichts nachsteht.

„Heute nicht mehr wegzudenken aus Aachen“, schrieb Pastor Hugo Baurmann zum 25-Jährigen. Das gilt noch viel mehr zum 50-Jährigen. Zum Jubiläum am Dienstag erwartet das Meurer-Team die Kunden auf ein Glas. Die Preise der seit Wochen laufenden Tombola werden verteilt. Und die Plätzchen stehen parat.

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