Brutaler Tod in der Gartenstraße: Lügengestrüpp angeprangert

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Was am 16. Juli 2011 des Nachts im Haus an der Gartenstraße wirklich passierte, dürfte nicht mehr lückenlos aufzuklären sein.

Das jedenfalls war die einhellige Meinung von Staatsanwalt René Gilles und den fünf Verteidigern der drei jungen Angeklagten, die seit beinahe einem Dreivierteljahr in U-Haft saßen und inzwischen wieder auf freiem Fuß sind. Denn auch der Staatsanwaltschaft war seit einigen Prozesstagen klar: Von der anfänglichen Anklage wegen Totschlags an dem 42-jährigen Alois B. ist inzwischen nicht viel übrig geblieben.

Die Tat: Nach einer nächtlichen gewalttätigen Auseinandersetzung war B. im Treppenhaus niedergeschlagen und „mit erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung auf Körper und Kopf”, wie der Rechtsmediziner im Prozess ausführte, traktiert worden. Das Opfer brach auf einem Treppenabsatz zusammen, verlor nach Tritten auf den Kopf das Bewusstsein und verstarb am Tag darauf.

Besonders der Angeklagte Markus J. (27) dürfte erleichtert sein, dass im Plädoyer des Staatsanwalts ein Freispruch beantragt worden war. Auf ihm lastete ein ganz besonderer Druck, weil Markus J. am Tatwochenende Freigänger der JVA-Aachen und einschlägig vorbestraft war.

Doch nach Zeugenaussagen wurde klar, dass sich der Freigänger eben nicht an der Tat beteiligt hatte. Er sei, so Gilles, zur falschen Zeit mit falschen Freunden am falschen Ort gewesen.

Für die beiden anderen Angeklagten, David C. und Alexander J., sah Gilles immerhin den Tatbestand der Körperverletzung nach einer aktiven Beteiligung an einer Schlägerei verwirklicht und forderte Bewährungsstrafen von einem Jahr und neun Monaten für C. sowie von einem Jahr und sechs Monaten für Alexander J..

Trauriger Höhepunkt

Der Staatsanwalt ging hart mit den Zeugen ins Gericht, die oftmals Drogen- und/oder alkoholabhängig seien und entsprechende Aussagen vor der Schwurgerichtskammer gemacht hätten. „Ein trauriger Höhepunkt war, als ein Zeuge unter Drogen und Alkohol stehend behauptete, er sei ein bekannter Musiker”, meinte Gilles.

Nicht mehr zu klären war, wie sich die tragischen Szenerie auf der zweiten Etage entwickelt hatte. Opfer B. war mit einem Freund hoch gekommen, um vermeintlich nach dem Rechten zu sehen. Wahrscheinlich hatte das Duo keine lauteren Absichten, denn es hatte ein Messer dabei, wie die Verteidigung immer wieder thematisierte.

Rechtsanwalt Rainer Dietz betonte, dass auch der Familie des Opfers erhebliches Leid angetan wurde. Anstatt einer Rechtsfindung beizuwohnen, hätte sich in dem Verfahren eine Gestrüpp von Lügen aufgetan. Für die Angeklagten hatten die Verteidigerinnen Freispruch beantragt, das Urteil fällt am Donnerstag um 11 Uhr.
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