Aachen - Brückenbauer zwischen Aachen und Prag

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Brückenbauer zwischen Aachen und Prag

Von: Jan Mönch
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Ende Juli werden sie den tschechischen Kardinal Miloslav Vlk in Aachen empfangen und mit dem erstmalig vergebenen Kulturpreis Karl IV. ehren: Dompropst Helmut Poqué und OB Marcel Philipp sowie Vera Blazek, AN-Chefredakteur Bernd Mathieu und Herbert Zantis vom Kulturverein Aachen-Prag (von links nach rechts). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Sich mit Wirken und Werdegang des Preisträgers auseinanderzusetzen, ist im Vorfeld einer Preisverleihung unumgänglich. Bei der Veranstaltung, die am 25. Juli um 11.30 in der Domschatzkammer ansteht, ist noch eine ganz andere Frage wesentlich. OB Marcel Philipp formuliert sie so: „Wie spricht man eigentlich einen Namen aus, der sich V-L-K schreibt?”

Den für Westeuropäer kaum auszusprechenden Familiennamen trägt der emeritierte Erzbischof von Prag, Miloslav Vlk. Für seine Verdienste um die Beziehungen zwischen Aachen und Prag wird der 78 Jahre alte Kardinal den „Kulturpreis Karl IV.” des Kulturvereins Aachen-Prag entgegennehmen - als erster Preisträger überhaupt, denn die Ehrung wurde erst Anfang des Jahres ersonnen und beschlossen.

„Uns war wichtig, dass eine Person geehrt wird, die diesem Preis eine gewisse Wertigkeit verleiht”, stellt Jurysprecher Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, fest - die Wahl auf Kardinal Vlk fiel einstimmig. „Unabhängig von seinen Verdiensten ist es auch seine Biographie, die eine sehr deutliche Sprache spricht”, findet Mathieu und nennt in diesem Zusammenhang auch die Karlspreisträger Václav Havel (Tschechien) und Donald Tusk (Polen): „Das sind Menschen, die mit dem Regime nicht einverstanden waren.”

Dass der Kulturverein sich für einen Kaiser Karl als Patron für seinen Preis entschieden hat, ist die einzige Gemeinsamkeit mit dem traditionsreichen Karlspreis. So ist Karl IV. auch keinesfalls zu verwechseln mit demjenigen Kaiser Karl, der gerade in Aachen so häufig zitiert wird.

Karl IV. wurde 1349 in Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt, wirkte also rund ein halbes Jahrtausend nach seinem berühmten Namensvetter. 1355 folgte die Kaiserkrönung in Mailand. 1316 in Prag geboren und 1378 ebenda verstorben, gilt Karl IV. heute auch wegen der Ehrerbietung, die er Karl dem Großen entgegenbrachte, als frühes Bindeglied zwischen Aachen und Prag.

Als Vlk 1968 zum Priester geweiht wurde, war das Technologiezeitalter längst angebrochen, die Grenzen lagen näher beieinander. Unüberwindlich waren sie dennoch, von Norden nach Süden verlief der Eiserne Vorhang. 1978 wurde Vlk seiner regimekritischen Haltung wegen die Ausübung des Priesteramts verboten - acht Jahre lang schlug er sich daraufhin als Fensterputzer durch, seine Pastoraltätigkeit konnte er nur heimlich ausüben.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks machte der in Südböhmen geborene Vlk sich zunehmend um die Verständigung zwischen Deutschland und Tschechien im Allgemeinen sowie Aachen und Prag im Besonderen verdient.

„Kardinal Miloslav Vlk begleitete persönlich über die gesamte Zeit des Bestehens des Kulturvereins Aachen-Prag dessen Aktivitäten (...) und förderte alle konkreten Treffen und gemeinsamen Aktivitäten der Bürger beider Regionen”, heißt es in der Begründung der Preisjury. Auch ermöglichte Vlk die Teilnahme von über 200 tschechischen Pilgern an der Aachener Heiligtumsfahrt 2007.

Dass Kardinal Vlk auch „einer mit Ecken und Kanten” ist, ist laut Mathieu Ausweis für eine ausgeprägte Persönlichkeit und Meinungsstärke, „seine Zusage kam aber ganz einfach per Mail. Auf eine gewisse Weise kann der Kardinal anscheinend doch recht unkompliziert sein”.

Übrigens: Den Familiennamen des Kardinals spricht man aus wie Fleck, nur mit weichem W - „Wleck”.

Kulturverein hat inzwischen 125 Mitglieder

Der Kulturverein Aachen-Prag wurde 1998 gegründet. Derzeit gibt es 125 Mitglieder, die es als ihre Aufgabe betrachten, die Beziehungen zwischen Aachen und Prag im Sinne der Völkerverständigung zu fördern.

Dies geschieht etwa durch Vorträge, Tagungen und Ausstellungen in den beiden Städten sowie durch Studienreisen. Im Februar wurde beschlossen, den Kulturpreis Karl IV. zu vergeben.

Der Preis besteht aus einer Urkunde und einer Medaille. Die Medaille zeigt Karl IV. und wurde geschaffen von dem tschechischen Künstler Lumir Sindelar.

In der Jury sitzen die Vereinsvorsitzende Vera Blazek, Milena Kozumpliková (Bürgermeisterin im Prager Stadtbezirk 3), Bernd Mathieu (Chefredakteur unserer Zeitung), Professor Harald Müller (Lehrstuhl für Mittlere Geschichte am Historischen Institut der RWTH) sowie Dompropst Helmut Poqué. Wie oft der Preis vergeben wird, steht noch nicht fest.

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