Aachen - Brillante Beiträge bei der Thouet-Preisverleihung

Brillante Beiträge bei der Thouet-Preisverleihung

Von: Georg Dünnwald
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Zum Schluss sangen im Krönungssaal die Akteure gemeinsam mit dem Preisträger Bernd Büttgens und dem gesamten Publikum die Stadthymne „Urbs aquensis”, und zwar auf Latein und auf Öcher Platt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. 25 Jahre Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen. Ist da überhaupt eine Steigerung möglich? Ja. Konsequent haben die Programmmacher der Preisverleihung, Uwe Brandt und Manfred Birmans, in den letzten Jahren begonnen, die Veranstaltung zu entrümpeln.

In diesem Jahr haben sie das Tüpfelchen auf dem „i” geschafft. Brillant die Beiträge, angemessen und schön das Drumherum. Mit Fanfarenstößen begrüßten die Öcher Duemjroefe als Rathauswache die 700 geladenen Gäste, im Rathausfoyer spielte Thouetpreisträger Gert Leuchtenberg auf der Drehorgel. Wie immer sangen an den Eingängen zum Krönungssaal Sternsinger und sammelten für arme Kinder.

Glänzend aufgelegt führte Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt zügig durchs zweieinhalbstündige Programm. Auch Brandt hat schon d´r Thouetpriis.

Die Domsingschulknaben unter der Leitung von Rektor Gerhard Dünnwald stimmten mit Öcher-Platt-Leddcher - „D´r Dom es ose Stoelz” und „Öcher Platt es en Weltsproech” und ihrer Interpretation der Stadthymne „Urbs aquensis” auf einen kurzweiligen Abend ein. Für swingende Zwischentöne sorgten zwischen den Nummern die Männer der Thouetpreis-Showband, Ägid Lennartz, Barthel Blees, Paul Mund und Charly Endres. Und weil der Öcher Heimatdichter, Hein Engelhardt, mit einer Bronchitis zu Hause bleiben musste, trug Brandt dessen Gedicht, „Die Öcher sind alle Sonntagskinder” alleine vor.

Ein strahlender Konsul

Ein strahlender Konsul Hans-Josef Thouet erwähnte in seiner Begrüßungsrede so nebenbei, dass vor 25 Jahren der erste Thouetpreis verliehen wurde. Damals noch im kleinen Rahmen, sein Sohn Christophe hatte ihn als Karnevalsprinz aus der Taufe gehoben. Hans-Josef Thouet begründete die Wahl Büttgens als Preisträger: „Er ist kein Heimatdichter, sondern als Journalist ein Heimatbeschreiber, der ungekünsteltes Öcher Platt spricht.”

Danach wagte sich Oberbürgermeister Marcel Philipp mit dem Rümselche „Os Kellertrapp” von Hein Görgen ans Mikrofon. Seine Mundartkenntnisse begrenzen sich wohl eher aufs Verstehen denn aufs Sprechen, aber mit viel Üben klappt das irgendwann. Reizend die kleine Laura Lennartz. Zehn Jahre ist die Tochter von Ägid Lennartz, sie sang das Dreikönnigs-Leddche, gekonnt, fast professionell.

Brillant, köstlich trocken gab die Öcher-Platt-Koryphähe Dr. Karl Allgaier eine Übersicht darüber, wie weit die Erstauflage des „Öcher Sprachschatzes” gelungen ist. „Noch ein Jahr, dann sind wir fertig”, versprach er. Um dann mit den Anwesenden einen Schnellkurs auf Platt abzuhalten, Sprechübungen inbegriffen. Ein Beispiel für das Wort Ja, ungeduldig und auf Mundart: „Joooe. Haste werklich de Döör avjeschlouße? Joooooe!!” Die Begrüßung unter Öchern beschrieb Allgaier so: „Alles in einem Wort. Wiejeähtetdaa?, Antwort: Ochetjeähtatesue.”

Noch ein paar Vokabeln für Ausdrücke der Verwunderung: Chresteskengerdejjemarjantjuesefneä, „Christus, Kindergottes, Maria und Josef, nein!”, auch Idiome für mangelnde Begeisterung oder Ablehnung oder Empörung, danach konnten die Menschen im Saal nicht mehr vor lauter Lachen.

Die Thouetpriis-Träger Capella a Capella unterhielten mit Aachener Liedern, danach kamen Kalle Büttgens (der Bruder des Preisträgers) und Olaf Lindenau (Bernd Büttgens Vetter) zu Wort. Sie unterrichteten das Auditorium über familiäre Hintergründe und so manche „sportliche” Wanderleistung des stellvertretenden Chefredakteurs der „Aachener Nachrichten” auf dem Eifelsteig.

Eine Überraschung, die absolut gelang und die Leute anschließend jubelnd von den Stühlen riss. Paul Pooetz aus der Viktoriastraße sang „Vür sönd allemoele Öcher Jonge” zur Musik von „Nessun dorma” aus Puccinis Oper Turandot. Der Engländer Paul Potts würde vor Neid erblassen. René Brandt von den 4Amigos kann stolz auf seine Leisutng sein.

„D´r Jong es joe net schleäht”, befand Manfred Birmans in seiner Laudatio auf den neuen Preisträger. Birmans spielte sogar einen Podcast ein, in dem sich Büttgens auf Platt mit seinen Kindern unterhält. Diese Beiträge sind im privaten Blog (http://www.7uhr15.ac) des Journalisten zu finden.

Christophe Thouet überreichte schließlich die Urkunde und teilte mit, dass der Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen mit 2500 Euro dotiert ist. Es war ein Abend, der sich gelohnt hat. So sollte es immer sein.
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