Braune Zellen treffen sich in Aachener Hinterzimmern

Von: Michael Klarmann
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Aachen. „Ich bin geschockt,” sagt Marco Elsen, Sohn eines Hoteliers, dessen in Bahnhofsnähe gelegenes Hotel die NPD angeblich kaufen will.

Am vergangenen Freitag hat ein kleines Neonazi-Treffen in dem Hotel stattgefunden. Abends saßen die teils aus dem militanten Spektrum stammenden Rechten mit Hassparolen und dreiarmigen Hakenkreuzen auf ihren T-Shirts im Restaurant des Hauses.

Der NPD-Kreisverband Aachen hat Bilder von der Versammlung auf seiner Homepage publiziert. Zu Beginn postierten sich die überwiegend aus der Region stammenden „Kameraden” dabei für Gruppenfotos vor dem Hotel, später hörten sie dem NPD-Kreischef, dem Stolberger Ratsherrn Willibert Kunkel, bei einer Rede zu. Laut NPD soll die Gruppe das Hotel auch besichtigt haben.

Im Rahmen jener „Besichtigung” habe aber auch eine „Versammlung” stattgefunden, so die NPD weiter. Laut der eng mit der NPD verwobenen Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) handelte es sich dabei um einen „Vortragsabend”. Man habe des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß gedacht. Heß war bei dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hatte sich am 17. August 1987 in Kriegsverbrechergefängnis Spandau umgebracht.

Nicht begeistert

Der Hotelier war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Rainer Spenke, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein, sagte auf Anfrage, begeistert sei sein Verband nicht über solche Veranstaltungen und das NPD-Interesse an der Immobilie. Jedoch habe man keinen Einfluss auf das Handeln von Verbandsmitgliedern wie dem Hotelier.

Polizeisprecher Paul Kemen sagte den „Nachrichten”, da das Treffen in einem „geschlossenen Raum” stattgefunden habe, sei seine Behörde außen vor. Es habe zum Zeitpunkt der Versammlung im Umfeld „keinen Einsatzanlass gegeben.”

Wie berichtet, hatte der Stolberger NPD-Ratsmann Kunkel im Mai angekündigt, das Hotel mit rund 20 Gästezimmern kaufen zu wollen, um dort Schulungen von „Kameraden” durchzuführen. Später hieß es, ausländische Investoren wollten das Haus zwecks „Vernetzung mit Nationalisten aus dem europäischen Ausland” fördern. Die Immobilie wolle man nach dem Erwerb als Hotel weiter führen, so die NPD. Fachleute und Lokalpolitiker vermuten, dass die NPD blufft. Finanziell und logistisch sei sie nicht in der Lage, das Haus zu kaufen und fortzuführen.

Marco Elsen, Sohn des Hoteliers, zeigte sich angesichts des Treffens von Freitagabend entsetzt. Der 40-Jährige hatte schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass Geschäfte mit der NPD dem Grundgedanken des 40 Jahre lang von seiner mittlerweile verstorbenen Großmutter geführten Hauses widersprechen.

Zu den Recherchen der „Nachrichten” sagte Bürgermeisterin Margrete Schmeer, falls die Versammlung so stattgefunden habe, sei es „beunruhigend”, dass „braune Zellen” in Aachener Hinterzimmern heute noch Hitler nahe stehende Personen verehrten.
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