Aachen - Braucht das Schulessen Fördermittel?

Braucht das Schulessen Fördermittel?

Von: Margot Gasper
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Hier wird bald nicht mehr für die Schulen gekocht: Die stellvertretende Küchenchefin Tanja Paulus und Koch Frank Geist in der Küche des Sozialwerks. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wie geht es weiter mit dem Betrieb der Schulmensen in Aachen? Das Sozialwerk Aachener Christen steigt, wie berichtet, aus Kostengründen aus der Mittagsverpflegung für die Schulen aus. Dieser Rückzug wirft erneut ein Schlaglicht auf die Organisation des Mensabetriebs, die an etlichen Schulen als unbefriedigend empfunden wird.

Jochen Geradts, Schulleiter des Rhein-Maas-Gymnasiums, findet klare Worte: „Die Stadt als Schulträger muss ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen und sich um den Mensabetrieb kümmern. Und wenn man in den Schulen mehr Essen verkaufen will zu einem Preis, den die Eltern tragen können, dann muss dieses Essen bezuschusst werden.“ Ansonsten, befürchtet Geradts, werden die schönen Mensen, die die Stadt für viel Geld gebaut hat, „letztlich mit einem Kioskverkauf enden“.

Das NRW-Schulgesetz verpflichtet die Schulträger, Mensen für den Ganztag an weiterführenden Schulen einzurichten. Den Betrieb dieser Kantinen aber sollen in Aachen nach dem Willen der Politik die Schulen übernehmen: Elternvereine, Fördervereine oder eigens gegründete Mensavereine. „Die Stadt erwartet von Privatleuten, dass sie Verträge mit den Caterern unterzeichnen“, kritisiert Geradts. Am Rhein-Maas-Gymnasium ist die neue Mensa im November offiziell eröffnet worden. Damit der Laden läuft, waren Elternvertreter trotz arger Bedenken letztlich bereit, die Verantwortung zu übernehmen. „Unsere Elternschaft hat unendlich viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt“, erinnert Geradts.

Mit dem Rückzug des Sozialwerks ist dem Rhein-Maas-Gymnasium nun aber der Vertragspartner abhanden gekommen. Noch bis Ostern, so hat man vereinbart, liefert das Sozialwerk weiterhin zwei warme Mahlzeiten am Tag. Bis zu den Sommerferien wird in der Mensa auf jeden Fall ein Bistrobetrieb sichergestellt.

„Wirklich tolle Mensa“

Wie es aber grundsätzlich weitergehen soll, das will die „Mensagruppe“ der Schule demnächst noch einmal auf den Prüfstand stellen. Dann wird für die Eltern – wieder einmal – die Frage im Raum stehen, ob sie tatsächlich einen Kantinenbetrieb organisieren können und wollen. „Die Stadt hat uns eine wirklich tolle Mensa gegeben“, betont Geradts. „Aber Schule und Eltern wissen nicht, wie wir den Betrieb hinkriegen sollen. Der Frust ist riesig.“

Letztlich geht es auch um die Frage, was ein qualitativ hochwertiges Schulessen denn kosten darf. Die Verantwortlichen beim Sozialwerk haben jetzt die Reißleine gezogen. „Wir können das Projekt in dieser Form nicht weiter durchführen“, bedauerten die Vorstandsmitglieder Peter Köster und An­dreas Lorenz am Montag.

3,25 Euro kostet eine Mahlzeit am Rhein-Maas-Gymnasium und am Gymnasium St. Leonhard. „Wir haben wirklich nicht schlecht kalkuliert“, versichert Köster. „Aber wir müssten mit rund 230 Essen pro Tag und Schule rechnen können, um als gemeinnütziger Verein nicht in Unterdeckung zu geraten.“ Und so viele Abnehmer kann derzeit keine Schule auch nur annähernd garantieren. Häufig würden bestellte Mahlzeiten auch nicht abgenommen, berichtet Köster, „an manchen Tagen 20 Prozent der bestellten Essen“. Hier fehle an den Schulen ein gutes Buchungssystem.

Als die neuen Mensen eingerichtet wurden, verwies man städtischerseits stolz auf das schonende „Cook-and-Chill-Verfahren“, bei dem die Mahlzeiten erst in der Mensa zu Ende gegart und serviert werden. „Dafür brauchen wir aber mindesten vier Leute vor Ort“, rechnet Köster vor. Auch dieser Personaleinsatz erhöhe die Kosten. Beim Sozialwerk kommt man deshalb ebenfalls zu dem Schluss: „Wenn das Schulessen öffentlich gefördert würde, könnten auch wir mit unserer Gastronomie das Schulsegment weiter bedienen.“ Und auch Köster fragt: „Warum wird jede Studentenmensa und jede Betriebskantine subventioniert, aber das Schulessen für ihre Kinder sollen die Eltern komplett selbst bezahlen?“ Arthur Bierganz, Schulleiter am Inda-Gymnasium, würde eine öffentliche Subventionierung der Mahlzeiten ebenfalls begrüßen.

Politische Maßgabe

Die städtische Schulverwaltung indes verweist auf die politische Maßgabe, die Organisation der Mensen den Schulen zu überlassen. „Der Schulbetrieb versucht aber, die Schulen bestmöglich zu unterstützen, und hat als Serviceleistung die Leihverträge entwickelt“, erklärt Karl-Josef Mathar, Abteilungsleiter im städtischen Schulbetrieb. „Und diese Hilfestellung bieten wir auch weiter an.“ 20 Schulen der Sekundarstufe I haben eine Mittagsverpflegung. „Die Kosten liegen meist zwischen 2,50 bis 3,50 Euro pro Essen“, so Mathar. Klagen über die Qualität gebe es nicht. „Das bestätigt unsere Vorgehensweise. Die Organisation durch die Schulen funktioniert.“

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