Brandstifter vernichten Ausrüstung des Rollstuhl-Sportclubs Aachen

Von: Heiner Hautermans
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Nur noch ein Haufen Schrott aus geschmolzenem Stahl und Speichen: Josef Fürst (l.) und Dirk Branigk sind entsetzt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Von außen ist nicht zu erkennen gewesen, dass der mittelgroße Anhänger, der auf dem Gelände der Grundschule Brander Feld abgestellt war, eine kostbare, für die Besitzer gar nahezu unersetzbare Fracht barg: Eine rote Plane verdeckte die 26 Sportrollstühle, die dort mit Zustimmung der städtischen Ämter deponiert waren.

In der Nacht zum Sonntag ist der Anhänger in Brand gesetzt worden, das komplette Equipment des Rollstuhl Sportclubs Aachen 2003 wurde ein Opfer der Flammen - eine Katastrophe für den Verein. Die um so gravierender ist, als die fahrbaren Untersätze nicht versichert waren. 1. Vorsitzender Raymond Böhmer: „Es ist ganz, ganz schlimm.”

Er ist seit einem Unfall 1990 querschnittsgelähmt und hatte den RSC zusammen mit einer Gruppe von Behinderten, Rollstuhlfahrern und Nichtbehinderten vor sieben Jahren aus der Taufe gehoben. Von Anfang an war es das Ziel, Sportangebote für diese drei Gruppen anzubieten. Für die meisten ist der RSC mehr als ein Verein, eher eine große Familie. Und von der Gründung an spielte der RSC mit den Piranhas in der bundesweiten Rollstuhlhockeyliga. 2005 errangen die Aachener Piranhas gar die deutsche Meisterschaft. Außerdem veranstaltete man jedes Jahr einen Spender-Cup, an dem auch viele nichtbehinderte Mannschaften teilnahmen. Der Erlös kam sozialen Zwecken zugute. Für den 8. Mai ist eine erneute Auflage geplant, Grillen inklusive.

Das steht nun alles auf der Kippe. Unabdingbare Voraussetzung für das Hobby sind nämlich Sportrollstühle, das Stück rund 2500 Euro teuer. Und da nicht jeder diese sperrigen Geräte mit nach Hause oder in die Mietwohnung nehmen oder im Bus transportieren konnte, entstand die Idee, in Form des Hängers ein mobiles Lager zu installieren. „Die sind jetzt alle zerstört, davon kann man nichts mehr gebrauchen”, sagte 2. Vorsitzender Dirk Branigk am Montag in einem Hinterhof an der Hermann-Löns-Straße in Brand, wohin man den Hänger, der nicht mehr auf dem Schulhof bleiben konnte, geschleppt hatte.

Die Polizei beziffert den Schaden auf 30.000 Euro, das entspricht aber nur dem Zeitwert, sagt Dirk Branigk. Wenn die Stühle neu gekauft werden müssten, könne man mühelos das Doppelte ansetzen. Die Ermittler gehen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Sprecher Paul Kemen: „Auf dem Hänger waren absolut keine Gegenstände, die sich selbst hätten entzünden können.” Er bittet Zeugen des Vorgangs, sich unter Telefon 0241/95770 zu melden.

Selbst wenn die Täter ermittelt werden, hilft das dem Verein mit seinen 30 aktiven und weiteren 20 inaktiven Mitglieder aber wenig. Vorstand Dirk Branigk: „Uns trifft das hart, wir haben keine Ausweichmöglichkeit.” Josef Fürst, Spieler und für die Wartung der Sportrollstühle zuständig: „Wer macht so etwas? Das ganze Ausmaß ist für mich noch nicht zu erkennen. Ich bin fassungslos.” Zusätzlich bitter war dann die Auskunft der Versicherung, dass man nicht zahlen werde. 1. Vorsitzender Raymond Böhmer: „Dafür braucht man eine Sportgerätebrandversicherung. Die hatten wir nicht.”

Er hofft nun, dass er aus dem Versorgungspool der Krankenversicherung nicht mehr benötigte Rollstühle bekommt, doch damit kann man den Bundesliga-Sport nicht bestreiten. Möglicherweise lässt sich die Versicherung ja doch noch erweichen oder finden sich Spender: „Wenn nicht schnell etwas passiert, bedeutet das den Untergang. Der Sport ist für die Mitglieder oft das Einzige, was sie vom öffentlichen Leben haben.”
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