Bossa Nova stilecht genuschelt

Von: Daniel Gerhards
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Jazzbühne im Grenzlandtheater
Jazzbühne im Grenzlandtheater: Heribert Leuchter (2. v. links) und seine Combo spielten Bossa Nova von der Copacabana. Für Moderator Uwe Brandt (rechts) ist das einfach „coole Musik”. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Diese Musik vermittelt einfach ein gutes Gefühl. Das war den Musiker auf der Bühne anzusehen. Gleich bei den ersten Klängen strahlten Schlagzeuger Steffen Thormählen und Bassist Manfred Hilgers über das ganze Gesicht.

Beim Konzert „Jazz und Bossa Nova” spielte Heribert Leuchter mit seiner Jazz-Combo Melodien von der Copacabana. Das Konzert fand im Rahmen der Reihe „JazzBühne - Jazzgeschichten im Grenzlandtheater” statt.

Doch wer heißblütige Tänzerinnen, brasilianischen Karneval und Cocktails erwartete, lag falsch. Der Bossa Nova ist „zurückgenommen”, erklärte Leuchter. Die Musikrichtung ist „langsam, gesanglich und harmonisch sehr reich”, sagte der Saxophonist.

Also etwas zum Entspannen und Zurücklehnen. Das fand auch Brandt, der am Sonntag als Moderator durch das Programm führte: „Das ist coole Musik.” Bei Rio de Janeiro und Brasilien erwarte man feurige Rhythmen. „Aber der Bossa Nova ist ruhig und entspannt.”

Ganz so entspannt, wie die Zuhörer konnten sich die Musiker nicht zurücklehnen. Denn die Stücke verlangten ihnen ihr gesamtes Können ab. Einzelne Passagen müsse man „wahnsinnig virtuos” spielen, erklärte Brandt. Besonders an Klavier und Gitarre gibt es Teilstücke, die nur von echten Könnern zu spielen sind: „Wenn ich das am Klavier greifen würde, würde ich mir die Finger brechen”, sagte Leuchter.

Dazu sei die Abstimmung zwischen Gitarrist Csaba Székely und Pianist Gero Koerner besonders anspruchsvoll. „Der nuschelige Gesang findet sich in der Musik wieder. Die Melodie ist ständig schwebend, es gibt nichts Festes”, erklärte Leuchter.

Für den Gesang mit dem für das brasilianische Portugiesisch charakteristischen Nuscheln sorgte Sonja Mischor. Der Gesang spielt beim Bossa Nova eine ganz wichtige Rolle. Die Musikrichtung entstand aus der brasilianischen Folklore. „Da steckt unglaublich viel Poesie drin. Die Texter bezeichnen das, was sie machen auch als Poesie. Das ist schon was ganz anderes als unser deutscher Schlager”, sagte Leuchter.

Entstanden ist der Bossa Nova - zu Deutsch „Neue Welle” - in den 1950er und 1960er Jahren. Damals machten die Musiker zum „Widerstand gegen die Militärdiktatur eine neue Musik, die aus der Tradition kommt”, erklärte Leuchter. So entstand eine Mischung aus Samba und Cool Jazz. Später gingen die besten brasilianischen Musiker nach New York und entwickelten den Stil weiter. So entstanden Welthits, wie „The Girl from Ipanema”, „Summer Samba” oder „Once I loved”.

Mit der JazzBühne möchten die Verantwortlichen des Grenzlandtheaters einen Akzent in ihrem Theaterprogramm setzen. Seit der Spielzeit 2010/11 gibt es die Reihe. Seither waren alle Konzerte von Heribert Leuchter und seiner Combo stets ausverkauft. Die Konzerte haben jeweils ein eigenes Thema: „Rat Pack”, „Ufa Jazz”, „Broadway” oder „Louis Armstrong” standen bisher unter anderem bereits auf dem Programm. Für das nächste Konzert ist eine Hommage an Duke Ellington geplant. „Wir möchten populären Jazz machen, Musik, die die Leute im Ohr haben”, sagte Intendant Uwe Brandt.

Dabei spielen die Musiker stets im aktuellen Bühnenbild des Grenzlandtheaters. Am Sonntag bildete der Kerker aus dem „Mann von La Mancha” den Hintergrund. Etwas typisch brasilianisches gehörte dann doch auf die Bühne. So brachte Brandt einen Zuckerhut mit - allerdings einen ganz kleinen in blau-weißer Verpackung aus dem örtlichen Lebensmitteleinzelhandel.
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