Aachen - Bordell-Werbung: Papier und Leim und leichte Mädchen

Bordell-Werbung: Papier und Leim und leichte Mädchen

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
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Die Linksjugend Solid kämpft gegen sexistische Plakatwerbung: In Aachen könnten offenherzige Motive künftig seltener auf illegalen Plakaten um die Kaufkraft potenzieller Kunden werben. Copyright: imago/Steinach

Aachen. „Sexistische Werbung vermittelt ein Bild von Frauen als ständig verfügbarem Sexobjekt.“ Mit diesen Worten regt sich Christian Walter, Mitglied der Linksjugend Solid in Aachen, über ein beliebtes Mittel in der Werbung auf. Er spricht von luftig bekleideten Damen, die auf potenzielle Kundschaft offensichtlich sehr einladend wirken.

Handelt es sich um Werbung für einschlägige Etablissements, ist das sicher nicht verwunderlich. Bei Reklame für einen Baumarkt ist der Zusammenhang schon weniger deutlich.

Vor rund zwei Wochen erst hat Walter mit Kollegen die Plakatwerbung für einen Saunaclub, die wild geklebt wurde, an der Autobahnauffahrt Lichtenbusch entfernt, vor dreieinhalb Jahren missbrauchte ein Dürener Großbordell die Stadt großflächig für Reklame, Mitte des vergangenen Jahres wehrte sich die Linksjugend gegen die „Spaß ab 35 Euro“-Plakatwerbung eines Würselener Bordells.

Respekt und Gleichberechtigung

„Wo sexistische Werbung auftaucht, protestieren wir im Rahmen unserer Möglichkeiten dagegen. Das kann bedeuten, die Werbung zu zerstören oder zu überkleben.“ Das eigentliche, übergeordnete Ziel aber ist ein anderes: „Wir wollen eine Gesellschaft, in der Frauen als gleichberechtigte Menschen behandelt und respektiert werden“, sagt das Solid-Mitglied.

Wildes Plakatieren ist auf öffentlich gewidmeten Verkehrsflächen – Verwaltungsdeutsch für Straßen oder Gehwegen beispielsweise – verboten. Und doch passiert es alles andere als selten. Obwohl der Name eines potenziellen Verursachers meist groß und fett auf den Werbeschildern prangt, wird der lange Arm des Gesetzes diesem nicht ohne Weiteres habhaft.

Der Beschuldigte streitet einfach alles ab, gibt vor, keine Ahnung zu haben, wie die Plakate hinkamen wo sie eingesammelt wurden. Belangt werden kann nur derjenige, der die Plakate klebt, erklärt Detlev Fröhlke, Fachbereichsleiter des Ordnungsamts. Und auch nur, wenn er inflagranti erwischt werde. Den Beweis im nachhinein zu führen, gelinge so gut wie nie. Die Plakate werden vom Stadtbetrieb entsorgt, sobald die Verwaltung von ihnen erfährt. Entsprechende Hinweise kommen vom Ordnungsamt und aus der Bevölkerung.

Soweit zum Status quo. Sollte jedoch ein bestimmter Beschlussvorschlag in der Stadtratssitzung am 3. Juli grünes Licht bekommen, wird es mit einem Schlag Sanktionsmöglichkeiten in Fällen von wildem Plakatieren geben. Der Grund: Eine neue Straßenverordnung. Sie wird es den Behörden erlauben, diejenigen zu belangen, die auf Plakaten beworben werden.

Beseitigen oder bezahlen

Die Stadt kann direkt an ein Bordell etwa herantreten, dessen Angebot von Plakaten prangt, erzählt Fröhlke. Zuerst werde das Unternehmen aufgefordert, die Plakate zu entfernen. Passiere nichts, werde ein Zwangsgeld verhängt. Wird der Delinquent erneut auf wild geklebten Plakaten gesichtet, müsse er tiefer in die Tasche greifen. In vielen Städten ist das bereits seit langem Realität. Zuletzt hatte Duisburg eine solche Regelung in Kraft gesetzt. Den Passus, der dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt wird, hat sich die Verwaltung von der Stadt im Ruhrgebiet abgeschaut.

Plakatwerbung, die nach Christian Walters Ansicht und Meinung der linken Jugend Frauen herabsetzt, wird künftig also vielleicht nicht mehr so oft für erhöhten Blutdruck sorgen, im Stadtbild seltener werden. Walter bleibt vorsichtig skeptisch: „Ein Gesetz ist das eine, die Umsetzung das andere. Die Frage ist, ob den Verantwortlichen für die sexistische Werbung mit der Verordnung tatsächlich Steine in den Weg gelegt werden können.“

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